© Dennis Todorov/ Greenpeace / Besetzung des Wiener Rathauses durch Greenpeace
© Dennis Todorov/ Greenpeace / Besetzung des Wiener Rathauses durch Greenpeace

Greenpeace besetzt Wiener Rathaus und legt Lobau Faktencheck vor

Die Umweltschutzorganisation stellt die Mythen rund um die Lobau-Autobahn auf den Prüfstand und entlarvt politische Falschaussagen

© Rafael Bittermann/ Greenpeace - LOBAU BLEIBT -Transparent am Rathaus Wien
© Rafael Bittermann/ Greenpeace - LOBAU BLEIBT -Transparent am Rathaus Wien

Wien - Seit heute früh besetzen AktivistInnen der Umweltschutzorganisation Greenpeace das Büro des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig. Zugleich sendet ein rund zehn Meter langes Banner mit dem Spruch „LOBAU BLEIBT” am westlichsten Turm des Regierungsgebäudes eine klare Botschaft an die Stadtregierung. Vor dem Hintergrund der drohenden Zerstörung des Nationalparks Donau-Auen legt die Umweltschutzorganisation nun einen umfassenden Faktencheck zur Lobauautobahn vor. Die sieben gängigsten Mythen, die teils seit Jahrzehnten von der Wiener SPÖ, Bürgermeister Michael Ludwig und Co. propagiert werden, werden darin entkräftet. Im Zentrum der wissenschaftsbasierten Analyse stehen die Themen Verkehrsentlastung, Klimaschutz und Bedrohung für den Nationalpark Donau-Auen. Dieser soll von einem 15 Meter hohen und vier Spuren breiten Tunnel durchstoßen werden. Greenpeace fordert einen sofortigen Baustopp und eine völlige Neubewertung der Situation.

„Seit Jahrzehnten hört man aus dem Wiener Rathaus Lügen und Falschmeldungen, wenn es um die Lobauautobahn geht. Damit ist im besetzten Rathaus Schluss: Der Greenpeace-Faktencheck zeigt klar auf, dass die Pro-Autobahn-Propaganda der Wiener Stadtregierung der Realität nicht standhält. Die Argumente greifen völlig ins Leere und sind längst widerlegt,” stellt Klara Maria Schenk, Klima- und Verkehrsexpertin bei Greenpeace klar. „Das Projekt wird zu keinerlei nachhaltiger Verkehrsentlastung in der Stadt führen - das zeigt sogar die Analyse der ASFINAG. Die Autobahn würde zudem unser Klima zusätzlich mit rund 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr belasten. Zudem bedroht sie den einzigartigen Lebensraum der geschützten Auenlandschaft Lobau, indem sie ihr das Grundwasser abgräbt. Sogar die Weltnaturschutzunion IUCN schlägt Alarm und droht damit, dass die Donau-Auen ihren Nationalpark-Status verlieren werden, wenn das Projekt umgesetzt wird”, warnt Schenk.

Auch die wirtschaftlichen Versprechen der Lobauautobahn laufen ins Leere. Studien belegen eindeutig, dass die Lobau-Autobahn in erster Linie die Entwicklung im Niederösterreichischen Umland, nicht im Nordosten Wiens begünstigt. Das Projekt befeuert die für Bodenversiegelung und Klimaschutz extrem schädliche Entwicklung des Speckgürtels um Wien und trägt wenig zur Jobsicherheit in der Stadt bei: Der Greenpeace Faktencheck zur Lobau zeigt klar, dass der hochrangige Straßennetzausbau - wozu die Lobau-Autobahn gehört - die schlechtesten Beschäftigungseffekte im Verkehrsbereich hat.

Der Wiener Bürgermeister überlegt aufgrund der Besetzung, in Zukunft den Zugang zum Rathaus zu erschweren.

Außerdem fand heute eine Solidaritäts-Kundgebung, organisiert von Fridays For Future Wien und der bürgerinitiative Rettet die Lobau mit Hermann Knoflacher, Bernd Lötsch, Wolfgang Rehm und Peter Weish bei der U2-Station Hausfeldstraße, unmittelbar neben der derzeit besetzten Baustelle, statt. Dabei stellten die Wissenschaftler, die seit Jahren zu Umweltschutzthemen aktiv sind, aus ihrer Perspektive dar, warum die Straßenbauprojekte gestoppt werden müssen. Eine rund 20 Jahre alte Planung ist keine gute Grundlage für neue Verkehrsprojekte. Man stelle sich vor, wenn man ein Haus nach 20 Jahre alten Plänen bauen müsste, das wäre wohl absolut nicht zeitgemäß. Österreich hat noch dazu den höchsten Flächenverbrauch Europas und unzählige bisher umgesetzte Straßenprojekte zeigen, dass neue Straßen sogar weiteren Verkehr anziehen und nicht verhindern.

Eine zukunftsfähige und umweltfreundliche Verkehrsplanung ist nötig und möglich. Zur nachhaltigen Verbesserung der Verkehrsproblematik in der Stadt braucht es einen massiven Öffi- und Radinfrastrukturausbau, die Stärkung der Ortszentren, kluge Stadtplanung und umfassende Parkraumbewirtschaftung zur Verkehrsberuhigung. Langfristig muss eine Änderung der Flächenwidmung umgesetzt werden, um die „Stadt der kurzen Wege” Realität werden zu lassen. Die sträfliche Vernachlässigung der Verkehrssituation der Außenbezirke in Wien kann dadurch rasch behoben werden.

Faktencheck Lobauautobahn


Artikel Online geschaltet von: / Doris Holler /