Leserbrief zum Profilartikel "Energie: Nach dem Sturm die Flaute"

Hans Kronberger, der österreichische Ökoenergie-Experte, schreibt einen offenen Leserbrief als Reaktion auf den Anti-Windkraft-Artikel

Gegenwind?

Breiter Konsens herrschte in den letzten Jahren darüber, dass der "Big Bang" in der europäischen Energieversorgung nur durch den möglichst raschen Umstieg auf Erneuerbare Energiequellen (Wasser, Wind, Sonne und Biomasse) halbwegs abgefangen werden könne. EU-Kommission, EU-Parlament und Rat haben in den letzten Jahren intensiv an einer Zukunftsstrategie aus Erneuerbaren gearbeitet. Vor kurzem ist selbst der Direktor der IEA und Hardliner für Öl und Atom Claude Mandil in Paris vom Saulus zum Paulus mutiert. Nur in Österreich versucht eine unheilige Allianz aus IV, E-Control, Wirtschaftsministerium und Sozialpartnern die Uhren verkehrt laufen zu lassen.
Dabei die Volkswirtschaft gegen die Windenergie zu mobilisieren ist wohl das untauglichste aller Mittel.

Nicht der Ausbau der Windenergie ist ein volkswirtschaftliches Desaster, sondern der Verzicht auf sie. Ein kleines Beispiel: Seit 1999 hat sich der Erdölpreis verfünffacht, die Produktionskosten für Strom aus Windkraft dagegen mehr als halbiert. Bedenkt man, dass 5 bis 6 Milliarden Euro pro Jahr für Energiezukauf aus der österreichischen Volkswirtschaft auf Nimmerwiedersehen abfließen und dass bei den Erneuerbaren die Wertschöpfung im Wesentlichen im Lande bleibt, so ist denen, die sich in ihren Argumenten gegen den Windstrom auf die Volkswirtschaft berufen, dringend ein WIFI-Kurs für Anfänger zu empfehlen.

Hans Kronberger. Von 1996 bis 2004 als MEP an der Gestaltung aller maßgeblichen Energierichtlinien der EU beteiligt.



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