© AEA / Andi Bruckner - Minister Rupprechter überreicht ein besonderes Geschenk an Geschäftsführer Traupmann
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40 Jahre Österreichische Energieagentur: Dekarbonisierung als wesentliche Zukunftsfrage

Key-Player der Energiebranche diskutieren Energiezukunft - Neue Energiewelt im Kommen

* Für Politik und Wirtschaft hat Energieeffizienz höchste Priorität
* System-Ansatz für Dekarboniserung in der Mobilität notwendig, Handel sieht steigenden Energieverbrauch durch von Kunden gewünschter Vielfalt.

Zum 40-Jahre Jubiläum der Österreichischen Energieagentur trafen Key-Player der Energiebranche zusammen, um bei dem international besetzten Symposium ENERGY2027>> die Energiezukunft zu diskutieren. Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur betonte dabei, dass die Energiewelt vor einem Umbruch stehe: "Das Klimaabkommen von Paris wurde beschlossen, damit gilt es in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts weltweit Treibhausgasneutralität zu erreichen. Der Ausstieg aus der fossilen Energie ist das Gebot der Stunde. Gleichzeitig werden durch die Digitalisierung die Karten neu gemischt. Die neuen Technologien werden Treiber sein, um den Anteil erneuerbarer Energie und die Energieeffizienz zu steigern. Sie werden aber auch das uns bekannte Energiesystem auf den Kopf stellen, Branchengrenzen auflösen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen". Daher brauche es heute mehr denn je ein unabhängiges Kompetenzzentrum für Energie. "Als Österreichische Energieagentur sehen wir unsere Aufgabe darin, mögliche Wege in die fossilfreie Zukunft und die Auswirkungen der Transformation auf Wirtschaft und Gesellschaft aufzuzeigen. Dabei sind die kommenden Jahre entscheiden, um die Weichen für eine effiziente, saubere, leistbare und risikoarme Energiezukunft zu stellen", so Traupmann im Rahmen des Jubiläums.

Andrä Rupprechter, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und Präsident der Österreichischen Energieagentur, gratulierte zur 40-jährigen Erfolgsgeschichte und sprach beim festlichen Abendempfang von der Energieversorgung als Basis für einer modernen Gesellschaft und als Lebensader für die Regionen. "Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem kann nur auf einem Energiesystem aufbauen, das Energie hocheffizient einsetzt und diese Energie auf erneuerbaren Energieträgern basiert. Österreich verfügt über umfangreiche Erfahrung darin, Energie aus heimischen, erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse zu erzeugen und natürliche Ressourcen zu nützen."

Um das Ziel einer weitgehenden Dekarbonisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts zu erreichen, gelte es die Anstrengungen in Energieeffizienz und Energieeinsparung noch weiter zu verstärken - das betreffe Industrie, Gewerbe aber auch Haushalte. "Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird - denn jeder Energieverbrauch ist mit Umweltauswirkungen und finanziellem Aufwand verbunden", so Rupprechter. In diesem Zusammenhang erwähnte der Bundesminister die bereits 2004 gestartete Initiative des Umweltministeriums für aktiven Klimaschutz klimaaktiv und die Informationsplattform für qualitativ hochwertige, energieeffiziente Produkte topprodukte.at. Beide Initiativen werden von der Österreichischen Energieagentur umgesetzt. Ebenso gratulierte Hannes Androsch, das letzte lebende Mitglied der Bundesregierung, die 1977 die damalige Energieverwertungsagentur gegründet hat. Seine Ausführungen machten deutlich, dass die damals ausschlaggebenden Themen "Energiepreise", "Kaufkraftabfluss und Handelsbilanz" und vor allem "Effizienz" auch heute größte Bedeutung haben und Schwerpunkte der Arbeit der Österreichischen Energieagentur darstellen. Auf der Bühne gab der humanoide Roboter "Nova", der von den Casinos Austria AG zur Verfügung gestellt wurde, einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.

Studie ENERGY2027

Wie sich der Energiealltag bis zum Jahr 2027 verändern wird, präsentierte Herbert Lechner, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur. Laut der Studie ENERGY2027 werde Effizienz der Schlüssel der Energiewende sein, die Bedeutung von Strom werde massiv zunehmen. (Details siehe [hier] (https://www.energyagency.at/aktuelles-presse/presse/detail/artikel/e nergiewelt-in-10-jahren-gewinner-strom-verlierer-oel-effizienz-als-sc hluessel-der-energiewende.html)). Anschließend diskutierte ein hochrangiges Panel und nahm dabei Bezug auf die Studie ENERGY2027.

Mobilität: Dekarbonisierung nur mit System-Ansatz erreichbar

Einen Ausblick auf die Energiezukunft im Bereich der Mobilität gab Stephan Neugebauer, Director Research bei BMW, in seiner Funktion als Chairman of the European Road Transport Research Advisory Council (ERTRA). Ihm zu folgen brauche es technische Innovationen, sonst würden die für das Jahr 2050 gesetzten Ziele bei der Reduktion des CO2 Ausstoßes im Straßenverkehr um den Faktor 4 verfehlt werden. Die Dekarbonisierung sei dabei nur mit einem System-Ansatz erreichbar. Neugebauer sieht dabei drei technologische Schwerpunkte: Effizientere Fahrzeuge, bessere Verkehrsbedingungen (Verkehrsfluss) und Verkehrsvermeidung. "Wenn die Fahrzeuge im Stau stehen, ist es mit der Effizienz vorbei", betonte er und wies damit auf den notwendigen System-Ansatz hin, der auch die Infrastruktur miteinbezieht. Der Verkehr im urbanen Bereich werde in Zukunft zu 100 % emissionsfrei sein, gleichzeitig sei der Verbrennungsmotor keineswegs tot. Er werde beim Schwerverkehr auf Langstrecken zum Einsatz kommen. Laut einem Szenario der ERTRA wird 50 % der im Straßenverkehr benötigten Energie durch chemischen Energieträger (Kraftstoffe) zur Verfügung gestellt werden. Da aber dennoch eine starke Elektrifizierung stattfinde, werden 2050 in den 28 EU-Ländern 600 - 1100 TWh benötigt werden. Wasserstoff sieht Neugebauer weniger in der Automobilindustrie, als vielmehr als Medium für saisonale Energiespeicher.

Handel: Vielfalt wird wachsen, Energiebedarf steigen

Peter Breuss, Leiter der technischen Abteilung REWE International AG, skizzierte die Herausforderungen für den Handel. Er sieht den Handel an der Schwelle zu einem völlig diversifizierten Markt. Der einzige Fixpunkt werde die Vielfalt sein. Ihm zu folge wachsen die Kundenbedürfnisse, die von den Unternehmen im freien Wettbewerb befriedigt werden müssten. Diese hohe Vielfalt werde aber auch zu mehr Energiebedarf führen, auch wenn laufend Effizienzsteigerungen erreicht würden. Das Unternehmen hat sich bereits 2008 mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, möglichst umweltverträglich zu wirtschaften und setzt auf österreichischen Grünstrom. Darüber hinaus werden zahlreiche Maßnahmen durchgeführt: Die Gebäudeeffizienz wird laufend verbessert, das Unternehmen betreibt einen E-Car-Sharing Dienst, Bio-Gas LKWs und in naher Zukunft auch Elektro LKWs werden getestet und vieles mehr. Breuss verwies auf die enorme Bedeutung von Versorgungssicherheit, insbesondere beim Strom, der 80 % des Energieverbrauches darstelle. Erneuerbare Energie müsse im ausreichenden Maß zur Verfügung stehen. Darüber hinaus seien klare Rahmenbedingungen und Planbarkeit notwendig.

Wettbewerb zwischen Energieunternehmen und neuen Marktteilnehmern

In der anschließenden Diskussion zur Energiezukunft prognostizierte Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark AG, ein neues Marksystem: Es werde zu Wettbewerb zwischen Energieunternehmen und neuen Marktteilnehmern kommen. Beispielsweise könnten Mobilitätsanbieter in den Energiemarkt drängen. Dementsprechend sieht er künftig Zusammenarbeit über die Branchen hinweg.

Vielzahl an Tarifen steht bevor

Werner Steinecker, Generaldirektor der Energie AG, sieht Individualität als einen der künftigen Erfolgsfaktoren. Maßgeschneiderte Tarife für die Endkunden stünden dabei im Vordergrund. Die Vielzahl der Tarife werde nach der vollendeten Einführung von Smart Metern noch deutlich zunehmend. Darüber hinaus betonte Steinecker, dass neben der Versorgungssicherheit vor allem die Versorgungsqualität enorm an Bedeutung zunehmen werde. Schuld daran sein die Digitalisierung, dadurch benötige es bei Spannung und Frequenz ein sehr hohes Maß an Exaktheit.

Peter Layr, Vorstandsdirektor und Sprecher des Vorstands EVN, zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass die Zukunft von den Bedürfnissen der Kunden gestaltet werde. Er sah Energieversorgungsunternehmen auch in Zukunft in ihrem Kerngeschäft als am erfolgreichsten. Eine der großen Aufgaben sei es, mit dem sehr schwankenden Strombedarf umzugehen und die entsprechend Versorgung sicher zu stellen. Er betonte darüber hinaus die große Bedeutung von in die Zukunft gerichteten Regelwerken und offenen Regulativen, die in einem immer komplexeren System sinnvoll seien.

Josef Schwaiger, Landesrat Salzburg und zuständig für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Energie, Personal, und Michael Strugl, Landeshauptmann-Stellvertreter Oberösterreich und zuständig für Wirtschaft, Arbeit, Forschung, Wissenschaft, Energie, Tourismus, Raumordnung, Landesholding, Europa und Sport, beleuchteten die entsprechenden Themenstellungen in den Bundesländern. Sektionschef Günter Liebel, Sektion Umwelt und Klimaschutz im BMLFUW, vertrat am Podium den für Energiefragen zuständigen Wirtschaftsminister, der auch Vizepräsident der Österreichischen Energieagentur ist.

Standortpolitik und Messbarkeit

Strugl betonte, dass Energie- und Klimapolitik immer auch Standortpolitik sei. Der wichtigste Hebel ist die Effizienz. "Wir müssen eine führende Region im Bereich Energieeffizienz sein", sieht er ein Ziel für sein Bundesland. Dies gelte es durch neue Technologie zu erreichen, Forschung und Entwicklung spielten dabei eine wichtige Rolle.

Für Josef Schwaiger ist Klima- und Energiepolitik das maßgebliche Thema der Zukunft. Im Vordergrund stehen bei ihm die Zusammenarbeit auch über politische Grenzen hinweg und insbesondere die Messbarkeit der gesetzten Ziele. Dabei verwies er auf den Masterplan Klima + Energie 2020, der Teil der Klima- und Energiestrategie SALZBURG 2050 ist. Konkret sollen bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 30 % im Vergleich zum Referenzjahr 2005 gesenkt werden und der Anteil der erneuerbaren Energieträger auf 50 % erhöht werden. Bis 2050 möchte das Bundesland klimaneutral und energieautonom sein.

"Energy Efficiency First"-Prinzip

Die internationale Dimension behandelte Rana Ghoneim von der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO), mit der die Österreichische Energieagentur im Rahmen eines prefered partnerships laufend zusammenarbeitet. Dabei erläuterte Ghoneim das "Energy Efficiency First"-Prinzip. Der Industriesektor sei für etwa 30 % des weltweiten Energieverbrauches verantwortlich, der Bedarf jedoch laufend steigend. Mit Energieeffizienzmaßnahmen könne jedoch eine Reduktion von 25 % erreicht werden. Das wäre rund 8 % des gesamten weltweiten Energieverbrauches. Dadurch könnten die globalen CO2-Emissionen um 12,4 % gesenkt werden. Diese Ziele verfolgt die UNIDO mit ihrem Industrial Energy Efficiency Accelerator ([http://www.se4all.org/energyefficiencyplatform] (http://www.se4all.org/energyefficiencyplatform)).



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