© Martin Litschauer
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10.000 Dächer-Programm – TOP oder FLOP?

Eine Ansichtssache von Ing. Martin Litschauer zur Zukunft des Solarstrommarktes in Österreich

Das in Österreich bei der Solarstromnutzung im Vergleich zu Deutschland in den letzten Jahren ganz wenig weiter gegangen ist, liegt auf der Hand und der Grund ist im Nichtfunktionieren des Ökostromgesetzes zu suchen. Dabei können gerade Photovoltaikanlagen einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Netzgekoppelte Inselanlagen liefern auch Strom, wenn das öffentliche Netz ausfällt und Passivhäuser können mit der aktiven Sonnennutzung zu Plusenergiehäusern gemacht werden, die mehr Strom produzieren, als sie innerhalb eines Jahres verbrauchen.

Durch das EEG mit den kostendeckenden Einspeisetarifen über 20 Jahre wurden stabile Rahmenbedingungen geschaffen, unter denen die Anlagen langfristig geplant und wirtschaftlichbetrieben werden können. Diese Rahmenbedingen fehlen in Österreich vor allem für kleine Hausanlagen. Der Vorgänger des EGG in Deutschland war das 100.000 Dächerprogramm welches 1998 initiiert wurde und 2003 ausgelaufen und in Folge vom EEG abgelöst wurde.

Die Perspektivengruppen der ÖVP hat nun auch erkannt, dass unsere Häuser zu Kraftwerke werden sollen und schlägt ein 10.000 Dächer-Programm vor, ohne sich über die Rahmenbedingungen zu äußern. Da stellt sich nun die Frage, ist das 10.000 Dächer-Programm der ÖVP nur ein Schlagwort, oder was soll damit wirklich erreicht werden?

In OÖ wurden durch das Land bereits mehr als 1050 Solarstromanlagen direkt gefördert, dabei lag die durchschnittliche Anlagengröße bei über 5 kWp Leistung. Hochgerechnet hätte damit OÖ das 10.000 Dächerprogramm anteilig benahe erfüllt. Es stellt sich also die Frage, welche Initiative, welchen Umschwung soll oder kann das 10.000 Dächerprogramm der ÖVP für Österreich bringen?

In anderen Bundesländern liegen die Förderungen niedriger, geht man davon aus, dass sich die durchschnittlichen Anlagengrößen auf Hausdächern zwischen 3 und 5 kWp befinden werden, sprechen wir über ein Installationsvolumen von 30 bis 50 MWp. Die Module für diese Leistung können von einer modernen Photovoltaikfabrik in wenigen Monaten hergestellt werden. Damit hat das Programm wohl kaum Chancen den Markt zu beleben. Dabei spricht die ÖVP gar nicht von jährlich 10.000 Dächern, so dass wir befürchten müssen, dass sich das Installationsvolumen auf mehrere Jahre aufteilen soll.

Zu klein ausgelegt - zu wenig weit gedacht

10.000 Dächer auf ganz Österreich verteilt würde auch bedeuten, dass durchschnittlich 4 Solarstromanlagen pro Gemeinde, oder 0,6 Solarstromanlagen pro Ortschaft oder eine Anlage pro 800 Österreicher errichtet werden sollen. Dies reicht nicht als Anreiz, um Elektrounternehmen zu animieren, sich intensiv mit dieser nachhaltigen Technik auseinander zu setzen.

Es mag wohl sein, dass ein 10.000 Dächer-Programm gut klingt, aber 10.000 Solarstromdächer für Österreich sind wirklich zu wenig, da haben der Perspektivengruppe eindeutig die Visionen für die Zukunft gefehlt, um die Zahlen von Deutschland aus dem letzten Jahrtausend auf das heutige Österreich herunter zu brechen und daraus ein Zukunftsprogramm zu machen.

In Wirklichkeit hätten wir ein 100.000 Dächer-Programm benötigt, das innerhalb von wenigen Jahren mehrere hundert MW Photovoltaikanlagen ermöglicht hätte. Aber nur mit einer Erhöhung der Fördermittel für mehr Anlagen wäre es in diesem Fall nicht getan. Die zahlreichen Beispiele von Direktförderungen (wie. z.B. lange in OÖ) zeigen, dass solche Anlagen auch spezielle Rahmenbedingungen benötigen, um umgesetzt werden zu können. Die Speicherung des Solarstromes in Batterien ist eine technische Möglichkeit, lässt sich aber ohne zusätzliche Fördermittel nicht in der Breite umsetzen. Die Überschusseinspeisung ist eine Möglichkeit, dach stellt sich die Vergütung des Solarstromes sehr rasch als Problem dar. In Österreich bietet nur die oekostrom AG einen 1:1 Abtausch des gelieferten strom zum bezogen Strom an. Von den anderen Energieversorgern erhalten Photovoltaikbetrieber ohne Einspeisetarife aus dem Ökostromgesetz (was bei Direktförderung die Regel ist) nur Vergütungen von 4 bis 5 cent. Pro kWh. Mit diesem geringen Preis lassen sich Solarstromanlagen aber selten wirtschaftlich betreiben. Hinzu kommt, dass der Staat bzw. die Netzbetreiber auch noch auf die Einspeisezähler Gebühren einheben, die rasch den Erlös aus dem Stromverkauf übersteigen können.

Was muss getan werden?

Die einfachste Möglichkeit um endlich Schwung in die österreichische Solarstromanwenderszene zu bringen, ist ein funktionierendes Ökostromgesetz nach dem Vorbild Deutschlands, mit kostendeckenden Tarifen, 20 Jahren Zeitraum und ohne Deckelungen. Für Betreiber von Solarstromanlagen benötigen wir außerdem weitere Erleichterungen, wie das Recht auf rückwärts laufende Zähler für Überschusseinspeiser, Befreiung der Einspeisezähler von staatlichen Abgaben, Senkung der Energiesteuer für Ökostrom und gestützte Kredite zur Errichtung von Ökostromanlagen, wie es hoffentlich im 10.000 Dächerprogramm vorgesehen war (ist).

Es wird Zeit, dass man in Österreich das Sandkistendenken ablegt und erkennt, dass es bei der Nutzung des Solarstromes nicht um ‘grüne Mascherl’, Gewissenberuhigung oder die Zufriedenstellung von ‘Ökofundis’ geht. Vielmehr handelt es sich bei der Photovoltaik um eine Technik, die in Zukunft einen Teil unserer Energieversorgung sicherstellen wird und auf Grund der Produktionskurve optimal in die Lastspitze zur Mittagszeit passt. Setzen wir also nicht auf Programme aus dem letzen Jahrzehnt, sondern packen wir die Energiewende an und schaffen wir mehr Wertschöpfung, mehr Arbeitsplätze eine bessere Umwelt durch weniger Belastungen. Lassen wir nicht zu, dass nach dem 15 MW-Photovoltaikdeckel nun auch noch ein 10.000 Dächerprogramm zu Bremse des Solarstromes in Österreich wird, weil es vom wirklichen Bedarf ablenkt.



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