© PHA/ Günter Lang, Passivhaus Austria – Jan Geiss, EUFORES – Amina Lang, iPHA vor dem EU-Kommissions-Gebäude
© PHA/ Günter Lang, Passivhaus Austria – Jan Geiss, EUFORES – Amina Lang, iPHA vor dem EU-Kommissions-Gebäude

EU Sustainable Energy Week: "Efficiency First” Passivhaus ist bester Standard für NearlyZeroEnergyBuilding

Reduktion von C02-Emissionen muß stattfinden- Effizienz ist dabei wichtiges Thema

© Maximaler Primärenergiebedarf ab 2020 je nationaler NZEB Definition. Quelle: BPIE 4/2015 NZEB
© Maximaler Primärenergiebedarf ab 2020 je nationaler NZEB Definition. Quelle: BPIE 4/2015 NZEB

Brüssel/Innsbruck/Darmstadt, - Die EU-Kommission war Gastgeber der 10. ’European Union Sustainable Energy Week” (EUSEW) in Brüssel, wo sich über 2.700 Experten und politische Entscheidungsträger aus ganz Europa drei Tage lang trafen. Bei den EUSEW war auch die die Notwendigkeit von Energieeffizienz ein wichtiges Thema.

Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, Amina Lang von der International Passive House Association und Benjamin Krick vom Passivhaus Institut konnten mit einer Vielzahl von EU-Entscheidungsträgern, EU-Kommission und EU-Parlamentariern auf der EUSEW über die Umsetzung des Nearly Zero Energy Buildings (NZEB) sprechen.


’Um die 2020 Energieeinsparziele von mindestens 27% zu erreichen, ist es wichtig, Energieeffizienz als eine fundamentale Grundlage zu betrachten und auf einen sehr moderaten Energieverbrauch zu achten”, meint Maros Sefcovic, Vize Präsident der Europäischen Kommission. Mit Blick auf die Energie Union zeigte er sich sehr optimistisch über die Mobilisierung von mehr Finanzmitteln für Energieeffizienz für die kommenden Jahre. ’Wir können nicht länger auf die Verschwendung von Energie bauen”, betonte auch Miguel Arias Canete, Kommissar für Klimaschutz & Energie bei der Eröffnung der EUSEW.

’Es braucht einen friedlichen Übergang zu Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger drastischer Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen. Der Energieeffizienz kommt dabei mit 49 Prozent der mit Abstand wichtigste Anteil bei der Umsetzung zu. Ich hoffe, dass es im Dezember es zu guten Ergebnissen bei der UN-Klimakonferenz in Paris kommt”, sagte Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energie Agentur (IEA).

’Wir müssen zuerst auf Energieeffizienz setzen, dürfen aber auch die Erneuerbare Energie nicht weiter einschränken! Bis 2030 müssen und können wir die Energieeffizienz in Europa um 40 Prozent erhöhen” betonte Claude Turmes, Mitglied des Europäischen Parlaments und überraschte in seiner Rede mit einem spontanen Rap-Song. Peter Sweatman, Pressesprecher von EEFIG und CEO von Climate Strategies Partners, sagte eine konzentrierte Anstrengung ist erforderlich, um die Energieeffizienz- und Treibhausgasziele zu erreichen, wobei der Gebäudesektor dabei eine Schlüsselrolle spielen müsse. ’Speziell die Renovierungsrate und Effizienzqualität des EU-Gebäudebestandes braucht mehr als eine Verdoppelung bis 2020 um die 2050 Ziele zu erreichen”, sagte er weiter, und ’die privaten Investitionen in Gebäude müssen sich um das Fünffache steigern”. Vize Präsident Sefcovic brachte einen treffenden Vergleich für die anstehende Evolution in Europa für mehr Energieeffizienz: ’Das Steinzeitalter ging nicht zu Ende weil uns die Steine ausgingen, sondern weil es einen Übergang zu besseren Lösungen gab. Wir haben das Gleiche mit den fossilen Energien und sollten besser auf Energieeffizienz setzen”, mahnte er.

Passivhaus ist der beste Standard für NearlyZeroEnergyBuilding

In seiner Präsentation analysierte Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, den Status der Umsetzung des ’Nearly Zero Energy Buildings” (NZEB) in die nationalen Richtlinien der 28 EU-Mitgliedsländer. Er verdeutlichte, dass das Passivhaus in Europa mit mehr als 55.000 Gebäuden und 60 Millionen Quadratmetern in allen 28 Mitgliedsstaaten gut etabliert ist. Schließlich sei der Passivhaus-Standard auch der effizienteste und wirtschaftlichste Gebäudestandard. Zurzeit hätten bereits 35 Städte und Regionen in der EU, welche 42 Millionen Einwohner repräsentieren, Deklarationen zur Selbstverpflichtung zum Bau im Passivhaus-Standard in all ihren Wirkungsbereichen unterzeichnet. So hat sich das Passivhaus mittlerweile am besten als ’Nearly Zero Energy Building” entwickelt. Bei einzelnen Gebäuden ebenso wie Stadtquartieren und ganzen Städten oder Provinzen.
Der Passivhaus-Standard wurde 1990 von Europäischen Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Feist etabliert, der höchste Qualitätsanforderungen an alle Gebäude-Komponenten und Ausführung stellt. Dadurch lässt sich der Energieverbrauch und die Emissionen drastisch um 80 bis 90 Prozent reduzieren. Gleichzeitig verbessern sich aber Raumluftqualität, Wohnkomfort und Gesundheitsaspekte außergewöhnlich gut. Auf Grund der Komfortlüftung ist die Luftqualität rund um die Uhr perfekt und durch die annähernd gleichen Temperaturen von Innenraumluft und Oberflächentemperatur aller Außenbauteile genießen die Bewohner einen ausgezeichneten thermischen Komfort – im Winter wie im Sommer.

Österreich droht Blamage in Europa

Günter Lang’s Präsentation kam gerade zur rechten Zeit, da die Umsetzung der ’Energy Performance of Buildings Directive” (EPBD) von der EU-Kommission gerade bis Ende 2016 überprüft wird. Drei verschiedene aktuelle Studien im Auftrag der EU-Kommission haben eine erste Evaluierung der 28 unterschiedlichen Definitionen der nationalen Levels für das NZEB durchgeführt. Unterm Strich kommen diese zu ähnlichen Ergebnissen und zeigen, dass die Hälfte der Staaten strenge Gebäude-Richtlinien definierte, welche nahe beim Passivhaus-Standard liegen. Das ambitionierteste Land ist Dänemark. Auf der anderen Seite stechen 20 Prozent der Mitgliedstaaten mit Standards mit weit höherem Primärenergiebedarf hervor. Als Beispiel sei hier Österreich angeführt, welches über lange Zeit in Europa Vorreiter im energieeffizienten Gebäudestandard war. Mit einer NZEB-Definition, die beim zweieinhalbfachen Energieverbrauch eines Passivhauses liegt, droht nun Österreich in nur vier Jahren in dramatischer Weise seine Pole-Position gegen den zweit-schlechtesten Platz in Europa einzutauschen! In Österreich findet gerade ein großer Kampf der alten Lobbys statt, welche absolut kein Interesse an einer weiteren Vorbildwirkung Österreichs haben.

Aber selbst für die EU-Kommission ist es sehr unverständlich, warum ausgerechnet Österreich keine ambitionierteren Ziele vorgelegt hat, deren Vertreter brachten bei den Meetings während der EUSEW ihre Enttäuschung zum Ausdruck. Ihre Hoffnung ist, dass Österreich doch noch die Chance ergreift, seine NZEB-Definition und Regulierung wesentlich nachzuschärfen, um auch unabhängiger von Importen fossiler Energie zu werden.

Brüssels Senkrechtstart von 0 auf 1.000 Passivhäuser zeigt wie’s geht

Mit seiner neuen ’Energy Performance and Indoor Environment in Buildings” Regulierung, hat Brüssel bereits jetzt die 2020 Ziele der European EPBD umgesetzt. Brüssel's neue Regulierung basiert auf dem Passivhaus-Standard, womit dieser für alle Neubauten seit 1.1.2015 verpflichtend ist. Auch umfassende Sanierungen dürfen nur noch einen um maximal zwanzig Prozent höheren Energiebedarf als der Passivhaus-Standard aufweisen. Und es funktioniert bestens. Während die Lobbys in den letzten zwei Jahren dagegen Sturm liefen, kann nun nach dem ersten Halbjahr seit Inkrafttreten die Stadtverwaltung eine sehr gute Bilanz ziehen. In nur sieben Jahren schnellten in Brüssel die Passivhäuser von 0 auf 1.000 Gebäude mit 1.280.000 Quadratmetern Nutzfläche in die Höhe. ’Es gingen 2015 weder Bauindustrie, Architekten noch Bauträger vermehrt Konkurs und das Leben in Brüssel kam auch nicht zum Stillstand, wie es die Lobbys prophezeiten. Alles geht in Brüssel weiter, aber jetzt im besten Standard – im Passivhaus-Standard”, freut sich Arch. Sebstian Moreno-Vacca von A2M architects. Somit ist Brüssel auch auf gutem Weg seine Klimaziele zu erreichen, und gleichzeitig den Komfort und die Gesundheit seiner Bevölkerung zu verbessern, sowie die Wirtschaft und grüne Jobs anzukurbeln.

Dr. Krick vom Passivhaus Institut erläuterte in seiner abschließenden Vorlesung das neue Bewertungssystem für den Primärenergiebedarf an erneuerbarer Energie einschließlich Energieerzeugung, womit das Passivhaus Institut wieder einmal richtungsweisende Maßstäbe für eine nachhaltige Zukunft mit 100 Prozent Erneuerbarer Energieversorgung gesetzt hat.


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