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Die unendliche Geschichte der Erdbebengefährdung von Schweizer AKW

Seit 1999 – seit 15 Jahren! – versucht das ENSI die Gefährdungsannahmen für Erdbeben bei den Schweizer AKW neu zu definieren.

Die Publikation war nach mehrmaligem Verschieben auf Ende 2014 vorgesehen. Nun verzögerte das ENSI die Publikation noch einmal. Derweil bleiben die Schweizer AKW auf dem Sicherheitsstandard von 1977. Die SES ist einmal mehr befremdet über die lasche Aufsichtstätigkeit des ENSI.

1977 wurden die Erdbebengefährdungsannahmen (anzunehmende Stärke der Erdbeben) für die Schweiz erstmals wissenschaftlich bestimmt. Schon länger war bekannt, dass diese Annahmen nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entsprechen. 1998 wurde schliesslich eine Studie zur Neubestimmung der Erdbebengefährdung angeordnet, PEGASOS-Studie genannt. Diese wurde 2004 fertig gestellt und zeigte eine massiv höhere Erdbebengefährdung auf, beispielsweise 2.6 mal stärkere Erdstösse beim AKW Mühleberg.

AKW-Betreiber diktierten dem ENSI die Regeln

Die AKW-Betreiber gingen sofort in die Offensive: Die Aufsichtsbehörde ENSI beschloss in Einigkeit mit den AKW-Betreibern die Ergebnisse mit 20% Abzug anzuwenden. Bei den rechtlich verbindlichen Nachweisen (d.h. solche die zu einer Ausserbetriebnahme führen könnten) wurden die AKW (inkl. EU Stresstest) mit den viel zu tiefen Uralt-Zahlen von 1977 getestet. Eine Nachfolgestudie, das sogenannte ‘Pegasos Refinement Project’ wurde ausgerechnet Swissnuclear (Lobby-Verband der AKW-Betreiber) in Auftrag gegeben.

Nachfolgestudie noch immer nicht publiziert

Eine erste Publikation der Erdbebenstudie wurde für 2012 angekündigt. Dann 2013, dann Ende 2014. Nun wurde die Publikation nochmals auf 2015 verschoben. Die Experten der Studie wollen keine Auskunft darüber geben, wieso die Publikation so lange auf sich warten lässt. Sie seien dem Auftraggeber Swissnuclear verpflichtet nichts zu sagen.

Schweizer AKW werden noch lange auf dem Stand von 1977 sein

Wenn dann die Studie einst publiziert wird, werden die Betreiber mit einer langen Frist die Anlagen prüfen, bevor allfällige Sicherheitsverbesserungen überhaupt ergriffen werden. Die Schweizer AKW werden also noch lange nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Hierzulande kann man offenbar wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gegen die Interessen der AKW-Lobby zur Anwendung bringen.

Verzögerungstaktik ist gefährlich

Genau diese Verzögerungstaktik zwischen Betreibern und Aufsicht wird von der japanischen
Untersuchungskommission als eine der massgeblichen Ursachen für die Katastrophe in Fukushima beschrieben und identifiziert. Die jahrelange Rechnerei des ENSI ohne konkrete Massnahmen stellt also eine akute Gefährdung für die Schweizer Bevölkerung dar. Insbesondere nach dem Nationalratsentscheid vom 8. Dezember, bleibt es komplett dem ENSI überlassen für die Sicherheit der Schweizer zu sorgen.
Es kann nicht sein, dass die Schweizer Bevölkerung über 15 Jahre warten muss bis geklärt ist, was für eine Gefährdung Erdbeben für die alten AKW darstellen.


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