© Doris Collier pixelio.de
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Alternative Nobelpreisträger: Menschliche Vielfalt und Hoffnung im Mittelpunkt

Verleihung der “Alternativen Nobelpreise” 2013 in Stockholm

Gestern wurden die diesjährigen ‘Alternativen Nobelpreise’ (offiziell: Right Livelihood Awards) im schwedischen Reichstag verliehen. Die Preisträger sind Paul Walker aus den USA, Raji Sourani aus Palästina, Denis Mukwege aus der Demokratischen Republik Kongo und Hans R. Herren aus der Schweiz.

In ihren Reden während der feierlichen Verleihung sprachen die Preisträger über den aktuellen Stand der Eliminierung chemischer Waffen und die nächsten Schritte hin zu deren weltweiter Abschaffung. Sie werden die Menschenrechtssituation der Palästinenser unter israelischer Besatzung beschreiben sowie die diesbezüglichen Möglichkeiten des Völkerrechts. Außerdem werden sie über Lösungen sprechen, welche die massenhafte Vergewaltigung von Frauen im Kongo beenden und eine sichere und nachhaltige Nahrungsversorgung auf der Welt sicherstellen können.

Aus den Reden der Preisträger

DR. PAUL WALKER (USA):
‘Syriens Beitritt zur Chemiewaffenkonvention im September ist ein wichtiger und historischer Schritt hin zur vollständigen Abschaffung von Chemiewaffen, aber sechs Länder sind immer noch nicht Mitglieder der Konvention – Angola, Ägypten, Israel, Myanmar, Nordkorea und Südsudan. Jetzt da Syrien das 190. Mitglied wurde, wird es Zeit, dass sowohl Israel wie auch Ägypten – die einzigen zwei Länder im Nahen Osten, die der Chemiewaffenkonvention nicht beigetreten sind – sich dieser anschließen und auf eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten hinwirken.”

RAJI SOURANI (Palästina):
‘Das Völkerrecht und die internationalen Menschenrechtsnormen erkennen unsere Würde, unseren Wert als Individuen an. Sie besagen, dass wir alle gleich sind, unabhängig von unserer Nationalität, unserem Geschlecht, Alter oder unserer finanziellen Situation. Es ist dieses Empfinden von Gleichheit, das bislang fehlt und das geschaffen werden muss. In Palästina, wie in so vielen Situationen rund um die Welt, kann es keinen Fortschritt geben, wenn wir nicht als Menschen, als Gleichberechtigte, anerkannt werden.’

DR. DENIS MUKWEGE (DR Kongo):
‘Die Völker der afrikanischen Großen Seen-Region warten ungeduldig auf die Umsetzung des Addis Abeba Rahmenabkommens für Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit - das erste Friedensabkommen, das die Wurzeln der Gewalt in der DR Kongo und der Region angeht. Es ist ein Abkommen der letzten Chance und seine effektive Umsetzung erfordert den standhaften politischen Mut der Unterzeichnerstaaten und der internationalen Gemeinschaft.
Es wird keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben, und der Kampf gegen Straffreiheit ist einer der Schlüssel, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden.”

DR. HANS RUDOLF HERREN (Schweiz):
‘Wie können wir die Welt in fünfzig Jahren ernähren, in Anbetracht der Ungewissheiten durch Klimawandel, Bevölkerungswachstum und schrumpfende natürliche Ressourcen? Die Antwort auf diese Frage besagt, dass es einen Kurswechsel in der weltweiten Landwirtschaft geben muss, dass ‘business as usual’ keine Option und ein neues Paradigma jenseits der Grünen Revolution von Nöten ist, und das schnell. Das neue Paradigma muss die Multifunktionalität von Landwirtschaft beachten und deren Schlüsselrolle in den drei Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung: Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ... in dieser Reihenfolge.’

JAKOB VON UEXKÜLL, Gründer und Co-Chair der Right Livelihood Award Stiftung, der die Auszeichnungen am Nachmittag überreichen wird, sagt:
’Während wir alle unterschiedliche Visionen unserer bevorzugten Zukunft haben, ist es nun unsere vorrangige Pflicht sicherzustellen, dass die Bandbreite der Wahlmöglichkeiten und Freiheiten künftiger Generationen ausgeweitet und nicht weiter begrenzt wird. Dies ist die Aufgabe des Right Livelihood Award. Der Preis propagiert nicht die eine Weltsicht oder Zukunft. Er feiert menschliche Vielfalt, und er feiert Hoffnung – jenes innere Feuer, das Worten Taten folgen lässt.

Heute ehren wir vier herausragende Menschen, die uns jeden Tag Recht geben in unserem Glauben an Hoffnung – jene Kraft, die uns die großen Schritte machen lässt, wenn schon kleine Schritte unmöglich scheinen.”


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