Natur ist in. In Wien

Neue Kampagne für zusätzlichen Grünraum in der Stadt - 51 Prozent Wiens ist Grünfläche

Wien- Mit 51 Prozent Grünfläche zählt Wien zu den ‘grünsten’ Millionenstädten der Welt. ‘Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Grünraumpolitik der Stadt. Wir werden mit gezielten Maßnahmen den Grünraum weiter ausbauen und auch für die nächsten Generationen schützen’, sagte Umweltstadträtin Ulli Sima heute im Rahmen des Pressegesprächs des Bürgermeisters und präsentierte die Kampagne ‘Natur ist in. In Wien.’

Eine wissenschaftliche Untersuchung von Wiens Grünräumen im Rahmen des sogenannten Grünraum-Monitorings belegt den hohen Anteil und den guten Zustand von Grünflächen und Bäumen. In einigen Gebieten ist der Grünraum in den letzen Jahren gewachsen.

Natur ist in. In Wien – Aktionen und Maßnahmen der Kampagne

Im Rahmen der Kampagne ‘Natur ist in. In Wien’ wird es eine Vielzahl von Aktivitäten und Maßnahmen zum weiteren Ausbau des Grünraumanteils in Wien geben. ‘Mit einem breiten Paket wollen wir gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern die Grünräume in Wien noch weiter ausgestalten, damit die Artenvielfalt in der Millionenstadt fördern und somit die Lebensqualität in unserer Stadt noch weiter steigern’, sagte Sima.

So wird die Stadt Wien beispielsweise 1.000 neue Alleebäume fördern, den Fördertopf für Dach- Innenhof- und Vertikalbegrünung verdoppeln, die Fassadenbegrünung besonders forcieren und für diesen Zweck sogar 10.000 Kletterpflanzen verteilen. Außerdem werden Nachbarschaftsgärten und Grünraum auf Balkonen thematisiert. In jedem Bezirk wird es in den nächsten Monaten ein Umwelttag in einem Park geben. 2010 ist das internationale Jahr der Artenvielfalt. Ein Schwerpunkt wird der ‘Tag der Artenvielfalt’ am 12. Juni in Wien-Liesing sein. Dieser Tag der Artenvielfalt hat sich in den letzten Jahren zur größten Feldforschungsaktion in Mitteleuropa entwickelt.

* 1.000 neue Bäume für Wien

Zur erfreulichen Situation des Grünraums in Wien tragen auch die rund 100.000 Al-leebäume bei. Dieser eindrucksvolle Anteil wird mit der Aktion ‘1.000 neue Bäume für Wien’ weiter verbessert. Das Ziel dieser Aktion ist es, im dicht verbauten Gebiet für neue Bäume zu sorgen. Eine große Zahl an Bäumen in der Großstadt kommt Mensch und Umwelt zugute: Bäume erfreuen nicht nur das Auge, sondern filtern Schadstoffe aus der Luft, verbessern das Mikroklima, nehmen CO2 auf, lindern die Sommerhitze und sind willkommene Schattenspender.

* Verdoppelung der Förderung für Dach-, Innenhof- und Vertikalbegrünung

Grüne Fassaden, Dächer und Innenhöfe sind ebenso ein aktiver Beitrag zur Lebens-qualität in der Stadt. Dieses Jahr wird die Förderungssumme verdoppelt: Statt bisher 100.000 Euro stehen nun insgesamt 200.000 zur Verfügung. Die Stadt Wien fördert die Schaffung grüner Wände mit maximal 2.200 Euro pro Objekt. Je nach Größe be-trägt die Förderung zwischen 10 und 100 Prozent.

* 10.000 Kletterpflanzen gratis

Kletterpflanzen bieten auch auf kleinstem Raum die Möglichkeit zur Begrünung im dicht bebauten Stadtgebiet. Vor allem auch dort, wo aufgrund fehlenden Raums für Wurzeln oder zu schmalen Straßen keine Baumpflanzungen möglich sind. Sie dienen als Sichtschutz, als Bienen- und Schmetterlingsweide oder einfach zur Beschattung. Mit Kletterpflanzen gestaltete Flächen bieten zudem Vögeln Nistplätze. Fassadenbegrünung ist einfach zu bewerkstelligen, wenn man die richtige Pflanzenart wählt und einige Grundregeln berücksichtigt. Sie ist kostengünstig und zeigt rasch Erfolge, da die Pflanzen in der Regel schnell wachsen. Neben einem Beratungsangebot der Stadt Wien werden am Montag, 31. Mai und Dienstag, 1. Juni im Stadtpark insge-samt 10.000 Kletterpflanzen gratis verteilt, um möglichst viele Wienerinnen und Wiener von den Vorzügen der Fassadenbegrünung zu überzeugen. Ab 3. Mai können sich die Wienerinnen und Wiener online unter www.umweltschutz.wien.at diese Pflanzen reservieren.

* Initiative für Nachbarschaftsgärten

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Wien Ottakring sollen weitere Nachbarschaftsgärten entstehen. Bei Nachbarschaftsgärten werden auf einer größeren Fläche von mehreren NachbarInnen gemeinsam Gärten angelegt und tragen daher auch zur besseren Nachbarschaft bei. Die Stadt Wien forciert solche Projekte.

* Raus auf den Balkon – Mehr grün auf Balkonen

Auch begrünte Balkone sind gut für die Umwelt: Sie verbessern das Mikroklima, filtern Schadstoffe und verbessern damit die Luft. Stellvertretend für alle Balkone in Wien werden fünf unterschiedliche Gestaltungslösungen vorgestellt, die sich an be-sonders typischen, unterschiedlichen Voraussetzungen orientieren. Anhand dieser fünf ‘Musterbalkone’ werden Tipps für alle anderen Wienerinnen und Wiener erarbei-tet und kommuniziert. Beim Kooperationspartner der Stadt Wien, bellaflora wird es ‘Musterbalkonkistl’ für die fünf Balkontypen zu kaufen geben.


* 2010: Internationales Jahr der Artenvielfalt

2010 ist das internationale Jahr der Artenvielfalt. ‘Wien ist mittlerweile zu einem echten ‘Hot-Spot’ der Artenvielfalt geworden. Auch das ist keineswegs selbstverständlich für eine Großstadt, sondern vielmehr das Ergebnis vorausschauender Planungen und Programme der Stadt,’ betonte Umweltstadträtin Sima und führte gleich zwei Beispiele an: ‘Ein eigenes Amphibienleitsystem und neue Amphibientunnel im Prater und in der Exelbergstraße dienen etwa dem Schutz von Kröten. Trockensteinmauern in den Weinbergen sind nicht nur wesentlich witterungsbeständiger als Betonmauern, sie bieten zahlreichen Tierarten wichtigen Lebensraum,’ sagte Sima.

Am 12. Juni findet der Tag der Artenvielfalt in Wien-Liesing statt. Der Tag der Artenvielfalt hat sich in den letzten Jahren zur größten Feldforschungsaktion in Mitteleuro-pa entwickelt. Im Jahr 2009 haben weltweit mehr als 25.000 Naturbegeisterte mitgemacht. Ziel für die TeilnehmerInnen ist es, in 24 Stunden in einem ausgewählten Gebiet möglichst viele Arten zu finden. Mitmachen können dabei nicht nur Experten, sondern alle Menschen, die sich für die Natur interessieren. Nicht der Rekord ist da-bei wichtig, sondern das Bewusstsein für die Vielfalt. Die gesammelten Daten werden für Forschung und Naturschutz weiter verwendet.

* Öko:Logisch! Fest im Park

In allen 23 Wiener Bezirken finden ‘Umweltnachmittage’ in jeweils einer ausgewähl-ten Parkanlage statt, bei der es jede Menge Informationen und praktische Tipps zum Thema Umwelt gibt. Der ‘Pflanzendoktor’ etwa gibt Hinweise für den richtigen Umgang mit Pflanzen, AbfallberaterInnen liefern Tipps rund um Abfallvermeidung und Abfalltrennung. Es gibt einen Gratis-Radcheck und die Wiener Wasserwerke versorgen die BesucherInnen mit bestem Wiener Hochquellwasser. Bei den Umweltnachmittagen gibt es auch Wissenswertes zu den Wiener Gewässern und den Waldschulen.

o Plakette für Grünoasen

Mit der Plakette "Naturnahe Grünoase" zeichnet die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) naturnah gestaltete und ökologisch gepflegte Grünflächen in der Stadt aus. Die Aktion findet in den Bezirken 1-9, 20, 21 und 22 statt.

Eingereicht werden können Gärten, Innenhöfe und Dachterrassen, aber auch besonders gelungene begrünte Hausfassaden oder Dachbegrünungen. Dabei sind be-stimmte Kriterien aus der ökologischen Gartenpflege zu beachten. Einreichungen können vom 30. April bis 15. August online unter www.umweltschutz.wien.at oder persönlich beim Bürgerdienst erfolgen.

Grünraum-Monitoring: Mehr als die Hälfte der Stadt ist Grünraum

Mit dem Grünraummonitoring erhebt die Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22 seit fast 20 Jahren die Größe, den Zustand und die Entwicklung der Grünflächen im Wiener Stadtgebiet. Dabei werden aus der Luft Infrarot-Bilder aufgenommen und anschließend interpretiert. Die Daten zeigen, dass Wien nicht umsonst den Ruf einer von Grünflächen geprägten Stadt hat: Mehr als die Hälfte Wiens, nämlich 51 Prozent, ist mit Vegetation bedeckt. Davon ist ein Großteil Wald, gefolgt von Hausgärten, Grünflächen bei Wohnhausanlagen, Sport- und Erholungsflächen sowie landwirtschaftlich genutzten Flächen. Immerhin rund ein Fünftel machen kleinräumige Grünflächen wie Parks oder begrünte Innenhöfe und zunehmend auch Dachgärten aus. Insgesamt stehen jedem Wiener und jeder Wienerin damit im Schnitt mehr als 120 m2 Grünfläche zur Verfügung.

‘Gemeinsam mit anderen Fachabteilungen der Geschäftsgruppe Umwelt, unseren PartnerInnen aus den Bezirken, aber auch mit Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger in Wien arbeiten wir daran, dass es den Grünräumen in Wien gut geht. Die Ergebnisse aus dem Projekt Grünraum-Monitoring sind für die ExpertInnen der Stadt Wien dabei sehr hilfreich. Damit können wir die Entwicklung der Grünräume in Wien beobachten und, wo notwendig, Maßnahmen setzen’, sagte Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung.

Durch die Luftbildaufnahmen können alle Grünflächen der Stadt erfasst werden, auch jene, die sonst in Innenhöfen oder hinter Mauern verborgen bleiben. Im aktuellen Monitoring wurden erstmals auch Dachgärten als eigene Kategorie eingeführt und erfasst.

Die Luftbildinterpretation ermöglicht es auch, z.B. den Zustand von Baumkronen zu beurteilen. Die Qualität der Vegetation ist auf den Bildern an der roten Farbe erkennen. Der Blattfarbstoff Chlorophyll wird nämlich im Infrarotlicht besonders gut sichtbar. Je intensiver das Rot, desto besser der Zustand der Vegetation.
Beim Grünraummonitoring wird das gesamte Stadtgebiet in insgesamt 60.000 Teil-flächen eingeteilt. Diese werden fotografiert, kategorisiert und nach verschiedensten Kriterien ausgewertet. Die komplexe Datenanalyse dauert zwar entsprechend lange, liefert dafür aber wichtige Erkenntnisse über mittel- und langfristige Entwicklungen in der Stadt- und Grünraumstruktur und über die Wirksamkeit von Planungs-, Pflege- und Begrünungsmaßnahmen.

Grünanteil in Wien konstant – Keine Reduktion trotz Nutzungsdruck
Mehr als die Hälfte des Wiener Stadtgebietes ist Grünraum, das entspricht einer Flä-che von 214 km². Den größten Anteil stellen die Baumkronen mit mehr als einem Viertel der Stadtfläche, gefolgt von Kraut- und Wiesenflächen mit 20 Prozent. Weniger als ein Drittel ist versiegelte Fläche, also Bebauungen, Verkehrsflächen, Wege und Plätze. Äcker und Gewässer nehmen ein Fünftel des Wiener Stadtgebietes ein.

Und das sind die zentralen Ergebnisse aus der Datenauswertung:

* Der Grünanteil im dicht bebauten innerstädtischen Bereich, bestehend z. B. aus Parks, Innenhöfen, Grünstreifen oder Stadtbäumen bleibt trotz des Nutzungsdrucks im Straßenraum konstant. In einigen Bezirken, etwa im Bezirk Landstraße (+1,1%), ist der Grünanteil durch Grünzuwächse in Parks oder in Innenhöfen sogar leicht gestiegen. Zum Beispiel im Joe-Zawinul-Park im dritten Bezirk, oder im Fritz-Imhoff-Park im sechsten Bezirk.

* In den Stadterweiterungsgebieten und am Stadtrand im Süden und Osten von Wien wird bei Wohnsiedlungen und Industriebauten viel Wert darauf gelegt, dass entsprechende Grünflächen geschaffen werden. Hier zeigt sich, dass trotz Bautätigkeit und Versiegelung eine Flächenzunahme des Grünraumes möglich ist. Beispiele dafür sind der Rudolf-Bednar-Park, der Robert-Hochner-Park, Grundäckerpark, Hubert-Blamauer-Park oder der Kabelwerkpark. Auch bei zukünftigen Projekten, wie Hauptbahnhof und Seestadt Aspern werden diese Möglichkeiten genutzt.

* Der hohe Anteil an Wald- und Ackerflächen ist einzigartig für eine Großstadt. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, etwa in Weingärten, ist der Grünanteil vor allem durch Zwischenbegrünungen und Zwischenfruchtanbau gestiegen.

* Die häufigsten Ursachen für Veränderungen sind Baumkronenzuwächse, Baumfällungen, Neupflanzungen von Bäumen und Hausbau.

* Wo Grünflächen weniger werden, z. B. tendenziell eher im Westen Wiens, liegt dies überwiegend an der Errichtung von Wohnhäusern, Garagen oder Zubauten.


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