Forschung hautnah erleben

Der größte Nationalpark Mitteleuropas, der Nationalpark Hohe Tauern, präsentiert aktuelle Forschungsprojekte

Unter dem Motto "Naturraum-Forschung hautnah erleben" stellt der Nationalpark sein wissenschaftliches Engagement in Sachen Naturschutz vor. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Forschungsprojekte, die einen vielfältigen Einblick in die Forschungsarbeiten des Nationalparks, aber auch in die Welt von vier Tierarten gewähren. Diese Einblicke gewinnt derzeit eine Gruppe nationaler und internationaler Wissenschaftsjournalisten tatsächlich hautnah auf einer Reise durch den Nationalpark. Auf dem Weg von Mittersill über Kals
am Großglockner und Heiligenblut nach Mallnitz begegnen diese dem Steinadler, der Urforelle, dem Alpensteinbock und dem Bartgeier.


Abseits von Wanderern und anderen Nationalparkbesuchern - die vor allem auf der Suche nach Erholung sind - lernt eine Gruppe von Fachjournalisten derzeit den Nationalpark von einer seiner eher unbekannten Seiten kennen. Denn unter dem Motto "Naturraum-Forschung hautnah erleben" stellt der Nationalpark Hohe Tauern aktuelle Forschungsprojekte vor, die einen wesentlichen Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung dieses einzigartigen Naturraums leisten.

Forschung zählt neben Naturraum-Management sowie Bildung & Besucherinformation zu einem der drei zentralen Aufgabenbereiche des Nationalparks Hohe Tauern. Um in die aktuellen Forschungswelten des Nationalparks einzutauchen und die Welt vier verschiedener Tierarten kennen zu lernen, ist es optimal die Forschungsstätten zu besuchen. Dabei begibt man sich auf eine Reise durch weite Teile des Nationalparks und muss auch beachtliche Höhenmeter bewältigen - so wie die Journalistengruppe, die dem
Steinadler in Mittersill, der Urforelle in Kals am Großglockner, dem Alpensteinbock in Heiligenblut und dem Bartgeier in Mallnitz begegnet.


Am Beginn der Journalistenreise steht das Projekt "AQUILALP - Der Steinadler in den Ostalpen", welches einen Einblick in die Welt des "Königs der Lüfte" gibt. Das österreichisch-italienische Projekt dokumentiert den Steinadlerbestand in den Ostalpen und erarbeitet Schutzstrategien. Die länderübergreifende Zusammenarbeit ist dabei typisch, wie DI Hermann Stotter, Nationalparkdirektor Tirol ausführt: "Steinadler halten sich nicht an Staatsgrenzen. Erst durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftern aus anderen Ländern können wir bestimmte Tierarten in ihrer Gesamtheit und im gesamten Habitat erfassen."

Manche der Habitate - also der Lebensraum einer Tierart - können auch ziemlich abgelegen sein und Forscher müssen auf dem Weg zu ihnen weite Wege zurücklegen, wie z. B. im Fall der "Urforelle". Diese fast in Vergessenheit geratene, einheimische Forellenart, konnte von Wissenschaftern des Nationalparks Hohe Tauern in schwer zugänglichen Gewässern aufgespürt werden. Seitdem wird diese Forellenart im Nationalpark Hohe Tauern und in Südtirol genetisch untersucht, nachgezüchtet und wieder eingebürgert. Die ersten Monitoringergebnisse zeigen dabei eine hohe Standorttreue und gute Überlebensraten.

Neue "Alte" Bewohner

Im Gegensatz zur standorttreuen Urforelle ist der Alpensteinbock eher sprunghaft - er legt auf der Suche nach geeigneten Wintergebieten weite Strecken zurück. Aktuell wird sein genaues Wanderverhalten untersucht und der Frage nachgegangen, inwieweit auf den Wanderungen ein Austausch der Tiere zwischen ihren einzelnen Teilpopulationen stattfindet. Um die Tiere dabei nicht aus den Augen zu verlieren kommen mit GPS-Sendern modernste technische Mittel zur Anwendung. Derzeit umfassen die Populationen in Kärnten, Salzburg und Osttirol etwa 1.000 Tiere, was angesichts der Tatsache, dass der Alpensteinbock in Österreich bereits ausgerottet war, eine beeindruckende Zahl darstellt.

Wiederansiedlungsprojekte haben im Nationalpark Hohe Tauern generell einen hohen Stellenwert. So läuft bereits seit 30 Jahren ein Projekt zur Wiederansiedelung des Bartgeiers in den Alpen, der mit seiner imposanten Flügelspannweite von etwa 280 cm heute ein Symbol des Nationalparks darstellt. Wie DI Stotter ausführt, zeigt dieses Naturraum-Projekt wie kein anderes, welche entscheidende Rolle Nationalparks auch bei der Bewusstseinsbildung der Bevölkerung zukommen: "Neben dem guten Verlauf der
Wiederansiedelung freuen wir uns besonders über die breite Akzeptanz des Projekts in der Region. Früher wurde der Bartgeier, besonders von den Landwirten als Feind betrachtet, der sich angeblich von Jungtieren ernährt. Heute freuen sich die Leute, wenn sie einen Bartgeier sehen. Das sehen wir als schönen Erfolg, zu dem unsere Forschung maßgeblich beitragen durfte."


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