Mit dem Oldtimertraktor von Kopfing bis Delhi – Wie lebt sich’s auf 8 m²?

Ali Hendlmayr präsentiert auf der Sonderschau „ZukunftsLAND“ im Rahmen der Rieder Landwirtschaftsmesse jenen Oldtimertraktor, mit dem er von Kopfing bis Delhi fahren möchte, ohne eine Tankstelle anzusteuern

Ölpressen erzeugen während der Fahrt den Biosprit aus ölhaltigen Samen. Erstmals zu sehen ist der extra angefertigte Anhänger – ein ‘Zimmer-Kuchl-Kabinett-Mobil’, auf dem der gebürtige Michaelnbacher leben wird. Mindestens ein Jahr, vielleicht auch zwei, teilt sich Hendlmayr den acht Quadratmeter großen Wohnraum mit wichtiger Ausrüstung. Seine Schlafmatte findet dann nur noch am Pressgut Platz.

Kopfing. 12.000 Kilometer von Kopfing nach Indien mit einem Oldtimertraktor zurückzulegen, der während der Fahrt mit gepressten Sonnenblumenkernen, Raps, Leinsaat, aber auch mit Kartoffelabfällen, Zitruskernen oder Ölpalmen ‘gefüttert’ wird – das klingt waghalsig, ist aber bis ins kleinste Detail durchgeplant. Allerdings wollte Ali Hendlmayr die Fahrt nach Delhi mit einem Partner antreten. Der stieg in der Zwischenzeit aus, sodass Hendlmayr seine abenteuerliche Reise mit dem umgerüsteten 17 PS-Traktor (Marke Sonnenknecht Mauser, Baujahr 1957) alleine durchzieht. Momentan wird das Gefährt von Zwei- auf Ein-Mann-Betrieb umgebaut. ‘Die Reise wird stattfinden – je früher, umso lieber’, sagt der 39-jährige Mechaniker. Außerdem wird ein Hauptsponsor gesucht, der bereit ist, 50.000 Euro aufzustellen.

Bei der Sonderschau ‘ZukunftsLAND’ in Ried zeigt Hendlmayr erstmals das volle Gespann, also Traktor und Anhänger, mit dem er für ein Jahr, vielleicht auch für zwei, auf Tour gehen wird. ‘Damit kann man nachvollziehen, wie mein Leben auf einem acht Quadratmeter großen Wohn- und Lagerraum aussehen wird’, sagt Hendlmayr.

Der ausgestellte Anhänger ist eine Sonderanfertigung der Firma Gföllner Fahrzeugbau aus Grieskirchen. Seinen kleinen Wohnraum ( 8 m²) wird Hendlmayr allerdings mit Kisten voller wichtiger Ausrüstung und 400 kg Pressgut teilen. Die Schlafmatte wird wohl auf dem Pressgut Platz finden. Hendlmayr nimmt’s locker: ‘Ich muss halt zurückstecken.’ Der gebürtige Michaelnbacher setzt während der ganzen Reise ausschließlich auf erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe: ‘In einer Zeit, in der fossile Energie-Ressourcen knapper und die Benzinpreise teurer werden, ist es Zeit, die Konsumenten wach zu rütteln.’ In Pressekonferenzen entlang der Reiseroute will Hendlmayr das Bewusstsein in diese Richtung lenken und die Leute über den Hintergrund dieser Tour informieren. Und der Mechaniker zieht sein Konzept konsequent durch: Statt des Mähbalkens hat er am Traktor eine Ölpumpe installiert, die während der Fahrt zwei Pflanzenölpressen antreibt. ‘In den Gebieten, die ich durchfahren werde, wachsen jede Menge Ölfrüchte. Die Körner werde ich bei Bauern, auf Märkten und bei Lagerhallen zukaufen.’ Die Reservetanks sollen immer gefüllt sein: ‘Ich muss im Vorfeld oft mehr produzieren als ich gleich brauche, um auf der sicheren Seite zu sein, sollte ich einmal nicht gleich Nachschub beim Pressgut organisieren können.’

Die Auspuffabwärme des Traktors wird genützt, um die Kochplatte zu beheizen. Die Warmwasseraufbereitung für die Dusche funktioniert ebenfalls mit Abgasabwärme. Auch ein Solarofen ist mit dabei. Für die 12.000 Kilometer große Entfernung rechnet Hendlmayr eine Fahrtzeit von 12.000 Stunden ein – bei einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 10 km/h. Er wird für die Strecke rund 3000 Liter Salatöl benötigen. Der Treibstoffverbrauch entspricht einer Anbaufläche von drei Hektar Raps. Ali Hendlmayr wird sein Traktor-Gespann bei der Sonderschau ‘ZukunftsLAND’ neben jenem des Schlüßlberger Öko-Pioniers Josef Malzer ausstellen (Halle 29). Er wird auch beim ‘Pionier-Treff’ über seine Reisepläne informieren.

Weitere Information unter www.traktorreisen.at

DIE ZUKUNFT ERLEBEN

Klimawandel, Erdölknappheit und Umweltschutz fordern ein Umdenken bei der Verwendung von Energie, Grundstoffen und Rohstoffen. Die Land- und Forstwirtschaft kann den Energiebedarf mit erneuerbaren Energien erzeugen und damit klimaschädigende Kohle, Erdöl, Erdgas und Atomkraft ersetzen. ‘ZukunftsLAND’ ist die bis dato umfassendste Sonderschau zu den Themen erneuerbare Energieträger, nachwachsende Rohstoffe, Grundstoffe und Baustoffe für Morgen. In Ried wird erlebbar, was in 10 Jahren Standard sein wird. 40 Aussteller in sechs Hallen bieten einen Ausblick in die spannendsten Energie- und Rohstoffbereiche. ‘ZukunftsLand’ entstand auf Initiative des oberösterreichischen Agrar-Landesrates Josef Stockinger. Es handelt sich um eine Gemeinschaftsschau von Bund und Ländern in Zusammenarbeit mit der OÖ. Landwirtschaftskammer, der Rieder Messe in Verbindung mit Forschungszentren aus Bayern und Österreich.

Detailliierter Termin auf Oekotermine

GastautorIn: Susanna Sailer für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /