© andreas160578 pixabay.com /  Elektroautos beim Laden
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Anteil der neuzugelassenen Elektroautos derzeit auf Rekordhöhe

Vorarlberg Spitzenreiter bei Bundesländern - Verschrottungsprämie für Verbrenner-Pkw wäre für notwendige Energiewende kontraproduktiv

Wien - Der Anteil der neuzugelassenen E-Pkw hat in Österreich in den ersten vier Monaten einen neuen Rekordwert erreicht: 4,5 Prozent der Neuzulassungen fahren ausschließlich mit Strom. Bei den Bundesländern hat Vorarlberg mit 6,2 Prozent die Nase vorne, wie eine VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Bei den Bezirken erreichen Wien-Währing und Wien-Josefstadt jeweils rund 14 Prozent, außerhalb Wiens ist der Stromer-Anteil bei den Neuwagen in den Bezirken Zell am See und Hermagor mit fast neun Prozent am höchsten. Ein Erreichen der Klimaziele ist nur mit einem rascheren Ausstieg aus Diesel und Benzin erreichbar. Eine Verschrottungsprämie für Verbrenner-Pkw wäre kontraproduktiv und würde die notwenige Energiewende behindern.

Die Anzahl der neuzugelassenen E-Pkw ist in den ersten vier Monaten in Österreich deutlich geringer zurückgegangen, als jene der Diesel- und Benzin-Pkw. Während es bei den Verbrenner-Pkw ein Minus von 46,7 Prozent gab, nahm die Anzahl der Stromer um nur 8,6 Prozent ab. Die Hybrid-Pkw legten sogar um 60,9 Prozent zu, die Plug-In Hybrid haben sich auf niedrigem Niveau von 659 auf 1.403 mehr als verdoppelt.

2.985 E-Pkw wurden in den ersten vier Monaten neu zugelassen. Der Anteil der E-Pkw erreichte mit 4,5 Prozent eine neue Rekordhöhe. Im gesamten Vorjahr fuhren nur 2,8 Prozent aller Neuwagen ausschließlich mit Strom. Im Bundesländer-Vergleich liegt Vorarlberg mit 6,2 Prozent E-Pkw an der Spitze, vor Salzburg (5,2 Prozent) und Oberösterreich (5,0 Prozent). Den niedrigsten E-Pkw Anteil weist Kärnten mit 3,7 Prozent auf.

Die Bezirke mit dem höchsten E-Pkw Anteil liegen in Wien, wie die VCÖ-Analyse zeigt. In Währing und in der Josefstadt erreichten die E-Pkw einen Anteil von 14 Prozent, es folgen die Bezirke Neubau, Alsergrund und Mariahilf mit jeweils rund zehn Prozent. Außerhalb Wiens sind die Bezirke Zell am See und Hermagor mit 8,9 Prozent die Spitzenreiter, hauchdünn vor dem Bezirk Feldkirch mit 8,8 Prozent.

Beim Gesamtbestand ist der Anteil der E-Pkw aber noch immer sehr niedrig: Insgesamt gab es mit Ende April in Österreich rund 32.200 reine E-Pkw. Das sind gerade mal 0,6 Prozent aller Pkw. "Österreich kann seine Klimaziele im Verkehr nur erreichen, wenn bei der heimischen Autoflotte der Anteil von Diesel und Benzin-Pkw rascher als bisher sinkt", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Laut Umweltbundesamt verursachen E-Pkw in ihrer Gesamtbilanz inklusive Fahrzeug- und Batterieherstellung sowie Stromerzeugung pro Fahrzeugkilometer 110 Gramm CO2, wenn der heimische Strom-Mix inklusive Importe verwendet wird. Wird ausschließlich Strom aus erneuerbarer Energie getankt sinken die Emissionen um fast die Hälfte auf durchschnittlich 59 Gramm CO2. Diesel- und Benzin-Pkw verursachen mit durchschnittlich 248 Gramm CO2 rund fünfmal so hohe Emissionen.

"Die Lage ist ernst. Die zunehmende Klimakrise verursacht bereits hierzulande große Schäden. So hat die Dürre der vergangenen Wochen große Waldschäden verursacht. Der Ausstieg aus klimaschädlicher, fossiler Energie ist auch im Verkehr zu beschleunigen. Kaufprämien für Diesel- oder Benzin-Pkw würden den nötigen Umstieg behindern und bremsen. Auch deshalb ist einer Verschrottungsprämie für Verbrenner eine klare Absage zu erteilen", stellt Schwendinger fest. Zudem profitieren auch die Hersteller von einem hohen E-Pkw-Anteil. Damit können sie die CO2-Ziele für das Jahr 2020 erreichen und ersparen sich dadurch hohe Strafzahlungen.

Für den Kauf von emissionsfreien Fahrzeugen gibt es in Österreich bereits eine Kaufprämie in der Höhe von 3.000 Euro, zusätzlich sind E-Pkw von der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Es besteht daher kein Bedarf für zusätzliche Kaufförderungen. Aber selbstverständlich können Autokonzerne, ihren Kundinnen und Kunden höhere Rabatte geben, so wie das der Kleidungs- oder Sport-Handel auch machen. Umso mehr als die Hersteller durch Milliarden Gewinne der vergangenen Jahren entsprechende Reserven haben, im Unterschied zu anderen Branchen, die massiv von der COVID-19-Pandemie betroffen sind.

VCÖ: Vorarlberg hat höchsten Anteil an E-Pkw bei Neuzulassungen

(Anteil E-Pkw bei Neuzulassungen 1.1. - 30.4.2020 (in Klammer Gesamtjahr 2019))

Vorarlberg: 6,2 Prozent (4,0 Prozent)
Salzburg: 5,2 Prozent (2,6 Prozent)
Oberösterreich: 5,0 Prozent (2,9 Prozent)

Niederösterreich: 4,9 Prozent (2,7 Prozent)
Tirol: 4,5 (2,9 Prozent)
Wien: 4,0 (2,6 Prozent)

Steiermark: 3,9 (3,2 Prozent)
Burgenland: 3,8 (2,6 Prozent)
Kärnten: 3,7 Prozent (2,3 Prozent)
Österreich: 4,5 Prozent (2,8 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2020

VCÖ: Währing und Josefstadt mit höchstem E-Pkw Anteil

(Anteil E-Pkw an Pkw-Neuzulassungen 1.1. bis 30.4. 2020 - in Klammer Anzahl neuzugelassene E-Pkw)

Wien-Währing: 14,2 Prozent (23 neuzugelassene E-Pkw)
Wien-Josefstadt: 14,0 Prozent (8)

Wien-Neubau: 10,0 Prozent (10)
Wien-Alsergrund: 9,9 Prozent (11)
Wien-Mariahilf: 9,7 Prozent (13)

Bezirk Zell am See: 8,9 Prozent (41)
Bezirk Hermagor: 8,9 Prozent (7)
Bezirk Feldkirch: 8,8 Prozent (84)
Bezirk Ottakring: 8,8 Prozent (21)
Bezirk Kirchdorf/Krems: 8,6 Prozent (29) Wien-Innere Stadt: 8,3 Prozent (31)

Bezirk Grieskirchen: 7,8 Prozent (30)
Bezirk Schärding: 7,2 Prozent (22)
Bezirk Graz-Umgebung: 7,1 Prozent (65)
Bezirk St. Pölten Land: 7,0 Prozent (53)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2020


Artikel Online geschalten von: / Doris Holler /