© takedahrs / Fischgericht
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Nur Biofisch auf den Gabentisch

Für den Festtagsschmaus ist Karpfen aus einem regionalen Biobetrieb die beste Wahl

Wien - Es lohnt sich, beim Bestellen des traditionellen Weihnachtskarpfens, auf das Bio-Gütesiegel zu achten. Denn die umweltfreundlichste und nachhaltigste Art, zu Weihnachten Fisch zu essen, ist tatsächlich der Karpfen – sofern er aus einem regionalen Biobetrieb kommt.

ÖkoKauf Wien, das ökologische und nachhaltige Beschaffungsprogramm der Stadt, hat kürzlich eine international hochrangig besetzte Enquete veranstaltet, um Grundlagen für Kriterien zum Fischeinkauf zu erarbeiten. Und hier zeigte sich deutlich: Am umweltfreundlichsten, aber auch für das Tierwohl ist die Aufzucht von Fischen, die sich pflanzlich ernähren in regionalen Biobetrieben.

Rasanter Anstieg des Fischkonsums

Der Hintergrund: Mehr als 171 Millionen Tonnen Fische und Meeresfrüchte wurden im Jahr 2016 weltweit gezüchtet und gefangen. Die Zahl der betroffenen Individuen geht in die Billionen. Seit 1961 stieg der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten doppelt so stark wie das weltweite Bevölkerungswachstum. Der steigende Konsum bringt nicht nur ökologische Probleme auf Grund der intensiven industriellen Fischerei mit sich.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt, dass die weltweiten Fischbestände durch die Fischerei bereits um bis zu 80% dezimiert wurden. Etwa ein Drittel der weltweiten Fischbestände, die kommerziell gefangen werden, sind bereits überfischt und weitere etwa 60% maximal genutzt. Im Jahr 2015 waren insbesondere die Bestände im Mittelmeer, im Schwarzen Meer im Südwestatlantik und im Südostpazifik stark überfischt (je ca. 60% der Bestände).

Hälfte der Fische aus Aquakulturen

Die Folge ist, dass mehr und mehr Fische in Aquakulturen „produziert“ werden: Im Jahr 2014 stammten Fisch und Meeresfrüchte für den menschlichen Verzehr (146 Millionen Tonnen) zum ersten Mal zu mehr als der Hälfte aus Aquakulturen; in Summe etwa 80 Millionen Tonnen. Davon kamen rund 50 Millionen Tonnen aus Anlagen am Festland und 30 Millionen Tonnen aus Anlagen im Meer.

In Österreich werden jährlich etwa 3.900 Tonnen Fische in Aquakulturen produziert, wovon 73% auf die Speisefisch- und 27% auf die Besatzfischproduktion entfallen. Was allerdings die Nachfrage bei weitem nicht abdeckt – denn der Inlandsverbrauch lag im Jahr 2016 bei rund 60.000 Tonnen Fisch.

10 Kilo „Fisch“-Futter für 1 Kilo Fisch

Hinzu kommt, dass Fische, die sich von anderen Tieren ernähren, in Aquakulturen Fischmehl und -öl verfüttert bekommen. Um 1kg Fisch zu „produzieren“ werden deswegen rund 10 Kilogramm Futterfisch (in Form von Fischmehl und -öl) benötigt. Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel der deklarierten Wildfangerträge zur Fütterung von Fischen, aber auch von Hühnern und Schweinen verwendet.

Dazu kommt, dass dort, wo Fische zu Fischmehl verarbeitet werden, diese eigentlich die Lebensgrundlage für die dortige Bevölkerung wären. Das zwingt die Menschen, notgedrungen abzuwandern.

Auch die Umwelt wird durch die Zucht von Fischen in Aquakulturen beeinträchtigt. Zum einen kann das umgebende Gewässer durch organische Verunreinigungen und Eutrophierung (Nährstoff-Überversorgung) belastet werden und zum anderen wird es durch chemische Rückstände (Antibiotika, Medikamente, Pestizide) verunreinigt.
Dazu kommen noch Tierwohl-Aspekte – so leiden beispielsweise Fischarten mit ausgeprägtem Wander- und Zugverhalten bei der Haltung in Aquakulturen; auch kann eine nicht ausgewogene Besatzdichte zu Stressverhalten führen.

Bio vermeidet Umweltschäden und Tierleid

„All das kann man mit der richtigen Wahl beim Einkauf für das Festmahl vermeiden“, betont Karin Büchl-Kramerstätter, Leiterin von Stadt Wien – Umweltschutz. „Wer heimische Bioqualität wählt, braucht sich nicht auf inzwischen umstrittene Labels wie MSC verlassen: Nur Biofisch am Gabentisch vermeidet Umweltschäden und durch bessere Haltungsbedingungen auch Tierleid.“


Autor: Roman David-Freihsl / Stadt Wien – Umweltschutz
www.umweltschutz.wien.at


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