© Sabine Kroschel - pixabay/ Elektroauto
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Sind Elektroautos wirklich sauberer als fossile Fahrzeuge?

Ein immer wiederkehrender Mythos ist, dass Elektroautos aufgrund der Batterieerzeugung die Umwelt genauso verschmutzen wie konventionelle Autos.

Wir haben einen Faktencheck gesucht, der umfassend fundiert ist und unabhängig durchgeführt wurde. Die Union of Concerned Scientists (UCS) in den USA hat in den USA mehr als 2 Jahre lang Fakten und mehr Details dazu im Rahmen einer Studie erhoben.

Die Wissenschaftler wollten wissen, für wie viele Emissionen konventionelle Autos und für wie viele Emissionen Elektroautos verantwortlich sind. Ihre klare Schlussfolgerung: „Wir stellten fest, dass BEV, sogenannte Batterie-Elektroautos, nur rund die Hälfte die Emissionen eines durchschnittlichen vergleichbaren Benzinautos liefern, auch wenn die Verschmutzung durch die Batterieherstellung berücksichtigt wird.“

Es stimmt, so die Forscher, dass Elektroautos während der Herstellung etwas mehr Emissionen verursachen als herkömmliche Autos. Die UCS stellt fest: "Die Herstellung eines mittelgroßen Elektrofahrzeugs mit einer Reichweite von 84 Meilen (135 km) führt zu etwa 15% mehr Emissionen als die Herstellung eines entsprechenden Benzinfahrzeugs. Bei größeren Elektrofahrzeugen mit hoher Reichweite, die mehr als 250 Meilen (402 km) Reichweite haben, können die reinen Produktionsemissionen um bis zu 68% höher sein. "

Also doch nicht so sauber? Eindeutig sauberer, denn auf die gesamte Lebensdauer liefern E-Autos wirklich weniger Emissionen. Die Verfasser des UCS-Berichts erklären weiter: "Diese Unterschiede ändern sich, sobald die Autos gefahren werden. Elektrofahrzeuge werden mit Strom betrieben, der im allgemeinen eine weit sauberere Energiequelle als Benzin ist. Batterie-Elektroautos kompensieren ihre höheren Emissionen innerhalb von rund 18 Monaten nach dem Fahren - Modelle mit kürzerer Reichweite können die zusätzlichen Emissionen sogar innerhalb von 6 Monaten ausgleichen - und überholen bis zum Ende ihres Lebens die Benzinautos ganz klar.

Wesentlich ist, mit welchem Strom ein Elektroauto gefahren wird. Ein Bericht des Vehicle Technologies Office des US-Energieministeriums hat die Details dazu untersucht. Danach verursachen Elektrofahrzeuge in Vermont die geringsten Emissionen, im Gegensatz zu West Virginia, wo 95,7% des Stroms aus Kohle erzeugt werden. Im Schnitt liegen in den USA die CO 2 -äquivalenten Emissionen bei rund 2407 kg für ein durchschnittliches Elektrofahrzeug pro Jahr, im Vergleich dazu liegen sie bei einem durchschnittlichen benzinbetriebenen Auto bei jährlich rund 5187 kg." Damit erzeugt ein ein konventionelles Auto in den USA mehr als doppelt so viel CO2 wie ein Elektroauto.
Sogar wenn fast der gesamte Strom rein aus der Verbrennung von Kohle stammt, ist ein Elektrofahrzeug immer noch weniger umweltbelastend als ein typisches konventionelles Auto.

Europa hat jedoch bereits einen etwas saubereren Strommix. Unter der Annahme einer Nutzungsdauer von 10 Jahren wird ein durchschnittliches konventionelles Auto in den USA rund 33 Tonnen mehr C02 ausstossen. In Europa lag der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im Jahr 2016 bei 29,6 Prozent. In den USA lag der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bei 15,3 Prozent womit der Strommix Europas generell eindeutig klimafreundlicher ist.

Am Ende der Nutzungsdauer benötigen beide Autos, egal ob fossile oder elektrische Variante, etwa die gleiche Menge an Energie für die Entsorgung. Aber Batterien von Elektroautos können danach noch etwa genau so lange für andere nicht-automobile Speicher verwendet werden. Im Anschluss können die Materialien im Inneren der Batterie können für neue Batterien oder andere Zwecke recycelt werden, was bedeutet, dass die Batterien die Menge an Kohlendioxid noch weiter reduzieren können. Neueste Untersuchungen zeigen, dass bereits jetzt 95-99% des Materials in Batterien von E-Fahrzeugen recyclingfähig sind. Bei bisherigen Studien zum Thema Well-to-Wheel-Emissionen wurde diese Recylingmöglichkeit von Batterien noch kaum berücksichtigt. So plant beispielsweise Tesla, die gebrauchten Batterien zurückzunehmen und die Materialien dazu zu verwenden, neue Batterien in derselben Fabrik herzustellen. Ähnliche Wege will auch die Nissan-Renault Allianz gehen, Nissan ist in Japan in diesem Bereich bereits jetzt Vorreiter. Ein Stichwort für das zweite Leben der Batterien als Speicher ist „Second Life“, an Pilotprojekten dazu arbeiten sowohl Daimler als auch BMW. Das Problem derzeit ist, dass noch zuwenige Batterien von gebrauchten E-Fahrzeugen zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Video:



Artikel Online geschalten von: / holler /