© Efraimstochter /Pixabay.com
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Gesellschaftliche Entwicklungen verändern Mobilitätsverhalten

Flexiblere Arbeitszeiten machen mehr öffentliche Verkehrsverbindungen nötig

Wien- Das Mobilitätsangebot in Österreich muss sich stärker an die Veränderungen in der Gesellschaft anpassen, fordert der VCÖ. Urbanisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel oder Trends wie Sharing verändern das Mobilitätsverhalten. Flexiblere Arbeitszeiten benötigen häufigere öffentliche Verkehrsverbindungen. Die Kombination verschiedener Verkehrsmittel ist zu vereinfachen, das Angebot an Carsharing auszuweiten.

Bis zum Jahr 2030 wird Österreichs Bevölkerung laut Prognose auf rund 9,2 Millionen Personen zunehmen. Das Bevölkerungswachstum konzentriert sich auf die Städte und deren Umland. Allein auf Wien entfallen rund 40 Prozent des Wachstums. In Innsbruck und Graz wird die Bevölkerungszahl um ein Fünftel zunehmen, im Ballungsraum Linz - Wels um rund zehn Prozent. In 40 von 122 Regionen wird ein Rückgang der Bevölkerungszahl erwartet.

Auf die Mobilität hat die Urbanisierung großen Einfluss. In jenen Regionen, die besonders stark wachsen, gibt es weniger Autos als im Österreich-Schnitt, während in allen zehn Regionen, die am stärksten schrumpfen, die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner überdurchschnittlich hoch ist, macht der VCÖ aufmerksam. In Wien-Favoriten, wo eine Bevölkerungszunahme bis zum Jahr 2030 von 21,5 Prozent erwartet wird, gibt es pro 1.000 Einwohner nur 344 Pkw, im Bezirk Murau, wo ein Rückgang der Bevölkerung um 11,5 Prozent prognostiziert wird, sind es hingegen 597 Autos pro 1.000 Einwohner.

Schon heute ist das Mobilitätsverhalten in der Stadt umweltfreundlicher als im übrigen Bundesland. Während in Innsbruck 68 Prozent der Alltagswege zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden, sind es in Tirol nur 43 Prozent.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Auto kein Status Symbol mehr. Das Mobilitätsverhalten junger Menschen ist heute vielfältiger, wie die VCÖ-Publikation zeigt. Der Anteil der 17- bis 19-Jährigen, die den Führerschein machen, ist in den vergangenen Jahren gesunken. Wenn der Führerschein gemacht wird, dann später. Im Jahr 2003 kamen in Wien noch 20 Prozent der unter 30-Jährigen mit dem Auto zur Ausbildung oder zur Arbeit, im Jahr 2013 waren es nur mehr elf Prozent. Der Anteil der Öffis ist von 64 auf 76 Prozent gestiegen.

"Die flexibleren Arbeitszeiten machen ein verbessertes öffentliches Verkehrsangebot tagsüber, an den Tagesrandzeiten und am Wochenende nötig", betont VCÖ-Experte Gansterer. Gerade für Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte sind vom Auto unabhängige Mobilitätsangebote wichtig, da sonst ein Großteil des Einkommens von den Autokosten aufgefressen wird. In Österreich haben bereits vier von zehn Beschäftigten flexible Arbeitszeiten, macht der VCÖ aufmerksam.

Auch die Digitalisierung hat wesentlichen Einfluss auf die Mobilität. Die hohe Smartphone-Dichte ermöglicht vielen (Echtzeit)-Information über Mobilitätsangebote und eine einfachere Kombination verschiedener Verkehrsmittel. Ein großes Potenzial durch die Digitalisierung gibt es beim Ticketing, um dieses zu modernisieren und zu vereinfachen, Mobilitätskarten sollen neben dem Öffentlichen Verkehr auch Carsharing, Leihfahrräder und Taxis inkludieren. Darüber hinaus braucht es aber auch gute Informationsangebote für all jene, die digitale Angebote nicht nutzen wollen oder können. So ist beispielsweise das Zugpersonal oder das Personal am Bahnhof unverzichtbar.

Der Trend des Sharing verbreitet auch im Mobilitätsbereich das Prinzip "nutzen statt besitzen", womit die Nachfrage nach Carsharing und Leihfahrrädern (City-Bikes, E-Bikes, Lastenfahrräder) steigt.

Weitere Veränderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen: Das Mobilitätssystem muss seniorengerecht werden, infolge des demografischen Wandels nimmt die Anzahl älterer Menschen stark zu. Die Zunahme des Online-Shoppings erhöht den Lieferverkehr. Hier sind Anreize für Verkehr vermeidende Maßnahmen nötig (zB neutrale Paketstationen), Kundinnen und Kunden sollen zudem die Möglichkeit haben, umweltfreundliche Zustellungen auswählen zu können. Die wachsende Anzahl von Ein-Personen-Haushalten sollte die Lockerung der Pkw-Stellplatzverpflichtung beschleunigen, damit können die Kosten für Wohnbau und Wohnen reduziert werden.

Eine Rahmenbedingung für die zukünftige Mobilitätsentwicklung ist der Klimawandel. Das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken, ist nur möglich, wenn der Verkehr auf Klimakurs gebracht wird. Laut EU-Zielen soll der Verkehr im Jahr 2050 um 60 Prozent weniger Treibhausgase verursachen als im Jahr 1990. Für Österreich bedeutet das eine Reduktion der Emissionen des Verkehrs um76 Prozent im Vergleich zu heute. "In den vergangenen Jahren hat sich das Mobilitätsverhalten verändert, aber die bisher erreichten Änderungen sind zu wenig, um die Klimaziele zu erreichen", fordert VCÖ-Experte Gansterer eine Klimaschutzoffensive im Verkehrsbereich.

Die neue VCÖ-Publikation "Gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Mobilität" ist beim VCÖ erhältlich.



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