© budobloom-pixabay.com / Gojibeeren
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Superfood: Gar nicht super

Superfood-Test untersucht Goji-Beeren und Co.

Wien - Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit der Arbeiterkammer Niederösterreich und der Menschenrechtsorganisation Südwind sogenannte Superfood-Produkte auf Pestizide und Schwermetalle sowie soziale und ökologische Auswirkungen untersucht. Bis zu 13 Pestizide wurden auf Goji-Beeren nachgewiesen, bei Chia- und Leinsamen gab es sogar Überschreitungen der gesetzlichen Pestizid-Höchstwerte.

Dr. Waltraud Novak, Pestizid-Expertin bei GLOBAL 2000, zu den Ergebnissen: ‘Diese sogenannten Superfoods werden unter der Annahme konsumiert, dass sie ausgesprochen förderlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden sind. Was man sicher nicht auf solchen Lebensmitteln erwartet, sind Rückstände von gesundheitsgefährdenden Substanzen wie Pestiziden oder Schwermetallen. Doch genau diese haben wir bei unserem Test gefunden.’


Pestizid-Cocktail auf ‘Wunderbeeren’

Rückstände von bis zu 13 verschiedenen Pestizid-Wirkstoffen wurden auf Goji-Beeren aus China nachgewiesen. Novak zu diesen Pestizid-Gemischen: ‘Obwohl die gefundenen Mengen nicht akut gesundheitsgefährdend sind, ist über das Zusammenwirken von mehreren Pestiziden gleichzeitig noch sehr wenig bekannt und diese ‘Cocktails’ sind auch nicht gesetzlich geregelt. Viele der gefundenen Substanzen stehen außerdem im Verdacht, krebserregend oder fortpflanzungsschädigend zu sein.’ Mehrere der gefundenen Wirkstoffe sind in der EU aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugelassen, weil sie beispielsweise das Erbgut verändern oder das Kind im Mutterleib schädigen können. In den Herkunftsländern werden diese Stoffe aber weiterhin angewendet. Auch Rückstände von Blei und Cadmium wurden auf allen Goji-Beeren nachgewiesen. Novak fordert: ‘Produkte von denen man annimmt dass sie gesund sind, dürfen keine Rückstände von gesundheitsschädlichen Substanzen aufweisen. Die Hersteller sind gefordert, eine den Erwartungen entsprechende Qualität zu garantieren.’

Superfoods haben weite Reise hinter sich

Alle untersuchten Cranberries waren zwar ‘sauber’, d.h. es wurden weder Rückstände von Pestiziden noch von Schwermetallen gefunden. Trotzdem sieht Novak diese Produkte problematisch: ‘Die Cranberries kommen alle aus Kanada und haben eine weite Reise hinter sich. Durch diese vielen Transport-Kilometer haben sie einen großen CO2-Rucksack, der schädlich für unser Klima ist.’ Auch die untersuchten Chia-Samen und Quinoa kamen von weit her, nämlich aus Lateinamerika. Alle Goji-Beeren kamen aus China. Superfoods haben daher in der Regel einen bis zu 75-mal so großen transportbedingten CO2-Rucksack wie vergleichbare österreichische Produkte.


Herkunft unbekannt

Bei vielen Produkten wurden allerdings auf der Verpackung keine Angaben zur Herkunft gefunden. Dr. Novak meint dazu: ‘Es ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, das Ursprungsland bei Superfoods anzugeben. Diese Informationen sind aber unabdingbar, um eine informierte Kaufentscheidung zu treffen. Denn wer erwartet schon, dass beispielsweise Leinsamen, die wegen ihrer wertvollen Nährstoffe gleichwertig mit dem Superfood Chia-Samen wären, oft gar nicht aus Österreich sondern aus Russland oder Indien stammen? Wir fordern eine durchgängige Kennzeichnung des Anbaulandes bei Lebensmitteln. Auch der Gesetzgeber ist gefordert, hier dementsprechende Vorgaben im Sinne der KonsumentInnen zu schaffen.’

Kein einziges Produkt mit Zertifizierung für soziale Standards

Auch wenn bei der Mehrzahl der Produkte keine gesetzlichen Höchstwerte überschritten wurden und es keine akuten Gefahren für KonsumentInnen gibt, zeigen die vielen Rückstände doch, wie es in der Produktion dieser Superfoods aussieht. Stefan Grasgruber-Kerl von Südwind denkt dabei an die ArbeiterInnen: ‘Jeder Rückstand bedeutet, dass dieses Pestizid vorher auf den Plantagen gespritzt wurde. Ohne Schutzbekleidung hantieren Bäuerinnen und Bauern in Anbauländern wie Bolivien, China oder Peru mit giftigen Pestiziden. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen und ein Verdienst oft unter dem Existenzminimum.’ Superfood-Plantagen, die die Einhaltung von sozialen Mindeststandards wie existenzsichernde Löhne oder das Verbot von Kinderarbeit durch unabhängige Zertifizierungen belegen könnten, gibt es kaum. Aus fairem Handel ist derzeit am österreichischen Markt nur Quinoa erhältlich.


‘Wir fordern die durchgängige Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards auch und gerade bei sogenannten Superfoods. Eine Fairtrade- und Bio-Zertifizierung stellt faire Bedingungen für die Arbeiterinnen und Bauern von Superfood-Produkten sicher und würde auch den KonsumentInnen helfen, eine nachhaltigere und gesündere Kaufentscheidung zu treffen.’, so Grasgruber-Kerl.

Besser zu heimischen Superfoods greifen

Doch warum in die Ferne schweifen wenn das Gute auch nahe liegt? Unser heimisches Obst und Gemüse kann leicht mit exotischen Superfoods mithalten. Heidelbeeren und Johannisbeeren stehen Cranberries um nichts nach, und Hirse ist genauso gesund wie Quinoa. Heimische Hagebutten übertreffen sogar die Goji-Beeren mit ihrem Vitamin C-Gehalt. Dr. Novak empfiehlt: ‘Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich saisonalem Gemüse und Obst aus regionalem Bio-Anbau ist unschlagbar gut - für Gesundheit und Umwelt.’ Grasgruber-Kerl abschließend: ‘Und wer Superfoods aus fernen Ländern kaufen möchte, sollte sich zumindest für Produkte mit Fairtrade-Siegel und Bio-Zertifizierung entscheiden. Nur so sind die Superfoods auch für Arbeiterinnen und Kleinbauern in den Produktionsstätten super.’

Die Tests wurden im Rahmen des SupplyCha!nge-Projektes, das sich mit den Auswirkungen globaler Wertschöpfungsketten beschäftigt, durchgeführt.


Der Superfood-Test von GLOBAL 2000, Südwind und Arbeiterkammer Niederösterreich im Detail: www.global2000.at/superfoods


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