© Simon Steinberger - pixabay.com
© Simon Steinberger - pixabay.com

Windkraft: Bayern verliert den Anschluss

BWE-Bayern veröffentlicht Ausbauzahlen der Windkraft für 2016- Zweites Jahr in Folge Rückgang beim Zubau – Neue Genehmigungsanträge nur noch Ausnahme

Schon im zweiten Jahr in Folge sind die Investitionen in neue Windkraftwerke in Bayern gesunken. Darauf hat gestern der BWE-Bayern bei der Vorstellung der Ausbauzahlen für 2016 hingewiesen. ‘Von 410 MW, die noch im Jahr 2014 realisiert worden sind, über 372 MW im Jahr 2015 ist der Zubau auf ganze 340 MW im Jahr 2016 zusammengeschmolzen’, fasste BWE-Landesvorsitzender Raimund Kamm die rückläufige Entwicklung zusammen. ‘Besonders ernüchternd’, so Kamm, sei die Tatsache, dass die Zubauten im Jahr 2016 überwiegend aufgrund von Genehmigungen stattfanden, die noch aus der Zeit vor der 10H-Abstandsregelung stammen.

Bayern ist das einzige Bundesland, das im Rahmen einer Länderöffnungsklausel den Bau von Windrädern entprivilegiert hat. ‘Kein Wunder, dass der Ausbau der Windenergie jetzt schrumpft’, kritisierte Kamm. Dies belegen insbesondere auch die Zahlen der neuen Genehmigungen. Während Ende 2016 in Niedersachsen Genehmigungen für den Bau von 1.638 MW vorlagen, gab es im Flächenland Bayern nur noch Genehmigungen für 362 MW, in Nordrhein-Westfalen jedoch für 800 MW.

Bayern macht sich mehr und mehr von Stromeinfuhren abhängig

Schon heute erzeugen verschiedene Bundesländer rein rechnerisch 100 Prozent des in ihrem Land verbrauchten Stroms allein aus sauberen Erneuerbaren Energien. Bayern komme nicht über 40 Prozent hinaus und werde zunehmend von Stromeinfuhren aus schmutzigen Kohle- und Atomkraftwerken abhängig, mahnte der BWE-Landesvorsitzende. Gleichzeitig lagere in keinem anderen Bundesland Deutschlands so viel Atommüll und werde weiter so viel Atommüll erzeugt wie in Bayern.

Süddeutschland mit großem Defizit an Windkraft

Die technischen Fortschritte bei den Windkraftanlagen der letzten Jahre hätten mit höheren Türmen, längeren Flügeln und vielen Detailverbesserungen eigentlich die Voraussetzung geschaffen, auch in Süddeutschland Windstrom für nur 8 Cent je Kilowattstunde zu liefern. Ende 2016 seien aber nur knapp 15 Prozent der Windkraftleistung in den südlichen Bundesländern (Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern) installiert gewesen, bilanziert der BWE. ‘Hier besteht im Interesse einer zuverlässigen Versorgung ein großer Nachholbedarf’, forderte Kamm. Denn gerade der Mix an Ökostrom aus Bioenergie, Photovoltaik, Wasser- und Windkraft sei für eine sichere Energieversorgung essentiell. ‘Und im Winter ist die Windenergie besonders wichtig’, so der BWE-Landesvorsitzende.



Bayerische Unternehmen sind leistungsfähiger Teil der Windbranche

In Bayern arbeiten laut Auskunft des BWE derzeit rund 12.500 Menschen für die Windkraft. Große industrielle Zulieferer sowie viele kleine und mittlere Unternehmen, die Windanlagen planen, bauen und betreiben, bilden ‘eine leistungsfähige Branche’, resümierte der BWE-Landesvorsitzende. Die Windbranche könne Bayern helfen, seine Energieversorgung sauber, preiswert und zuverlässig zu machen. ‘Allerdings muss die zukünftige Regierungspolitik dies wollen – und möglichst rasch die Ausbaubremsen wieder lösen!’


Artikel Online geschalten von: / holler /