Bild: © Pixelio.de

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"Geleaktes" Dokument offenbart: AGES will Glyphosat-Zulassung verlängern

6.3.2016
GLOBAL 2000: MinisterInnen Rupprechter und Oberhauser müssen Notbremse ziehen

Wien - Bereits morgen Montag könnten die 28 EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel mit qualifizierter Mehrheit die europäische Zulassung des Monsanto-Pestizids Glyphosat für weitere 15 Jahre verlängern. Dies, obwohl es von der Krebsforschungsagentur IARC der WHO als „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ eingestuft wurde. Denn die EU-Behörde EFSA kam in ihrer Krebs-Gefahrenabschätzung zum gegenteiligen Ergebnis.


Doch seit Samstag bröckelt die Front der Glyphosat-Befürworter: Frankreich, Schweden und Holland distanzierten sich von der umstrittenen EFSA-Bewertung und kündigten an, im Falle einer Abstimmung gegen die Wiederzulassung zu stimmen. Landwirtschaftsminister Rupprechter sagte, er vertraue auf seine Experten bei der AGES. Diese wiederum gaben gegenüber Journalisten an, dass noch keine Festlegung erfolgt sei.

Die GLOBAL 2000 zugespielte österreichische Stellungnahme zum Vorschlag der EU-Kommission (siehe Anhang) spricht allerdings eine andere Sprache: Wie von zahlreichen Insidern befürchtet, positioniert sich die offenbar am Institut für Pflanzenschutzmittel der AGES im Februar 2016 ausgearbeitete Stellungnahme für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der Landwirtschaft. Verbote werden lediglich für den öffentlichen Sektor (Anwendung bei Straßen- und Bahntrassen und in Gemeinden) und den privaten Sektor (Anwendung im Hausgarten) vorgeschlagen. Ebenfalls vorgeschlagen wird ein Verbot des “Totspritzens“ von Getreide (Sikkation), welches in Österreich aber ohnehin bereits gilt. Argumentiert werden die vorgeschlagenen Einschränkungen mit den ökologischen Risiken von Glyphosat.

„Diese Stellungnahme stellt in ihrer Gesamtheit eine kolossale Themenverfehlung dar, auch wenn positive Ansätze erkennbar sind. Denn diese Position blendet die menschliche Gesundheit, insbesondere die ernsten Bedenken der WHO zum Krebsrisiko, einfach aus.“, sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Es zeugt nicht von Verantwortung, Glyphosat in der Landwirtschaft weiter zulassen zu wollen, wo dieses Pestizid laut den von der WHO bewerteten Studien das Risiko für Lymphdrüsenkrebs bei Menschen, die damit hantieren, um 50 bis 100 Prozent erhöht.“

„In dieser Frage scheint die AGES doch etwas zu blind ihrer deutschen Schwesternbehörde, dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), zu vertrauen.“, sagt Burtscher: „GLOBAL 2000 appelliert daher an Landwirtschaftsminister Rupprechter und Gesundheitsministerin Oberhauser, sicherzustellen, dass Österreich kommenden Montag in Brüssel eine Verschiebung der Abstimmung einfordert, und anderenfalls mit Nein stimmen wird“, und führt weiter fort: „Die Frage der Wiederzulassung von Glyphosat betrifft uns alle. Sie darf nicht länger abgeschirmt von der Öffentlichkeit, unter Ausschluss unabhängiger Experten auf Basis geheimer Industriestudien verhandelt und entschieden werden.“

GLOBAL 2000 fordert eine breite und transparente Diskussion zum Thema, in der gesundheitspolitische Aspekte thematisiert werden und unabhängige Gesundheitsexperten zu Wort kommen.

Dass jene EFSA-Gefahreneinschätzung zu Glyphosat und Krebs, welche kritiklos vom BfR übernommen wurde, und die Grundlage für den europäischen Entscheidungsprozess darstellt, seit vergangener Woche zahlreichen europäischen Staatsanwaltschaften und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) zur Prüfung vorliegt, sollte ein weiteres Argument sein, von einer überstürzten Verlängerung der Zulassung Abstand zu nehmen. (Anmerkung: Die Stellungnahme der AGES datiert vom 18. Februar, also noch bevor die Sachverhaltsdarstellungen eingebracht wurden.)

Eine fundierte inhaltliche Unterstützung für die den von GLOBAL 200 gemachten Anzeigen zugrunde liegenden Argumente kam Freitags von zahlreichen renommierten internationalen Wissenschaftlern.

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