Bild: © Laurent Renault

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Neue Züchtungstechniken müssen als Gentechnik klassifiziert werden

4.3.2016
Öffentliche Konferenz der Grünen im EU-Parlament zu „Neuen Züchtungstechniken“

Brüssel – Diese Woche veranstaltete die Fraktion der Grünen im EU-Parlament eine öffentliche Konferenz zu den so genannten „Neuen Züchtungstechniken“. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob diese neuen Formen der Biotechnologie, die zur Veränderung u.a. der pflanzlichen DNA herangezogen werden, als Gentechnik klassifiziert werden sollen. Aktueller Anlass war die unmittelbar bevorstehende rechtliche Einschätzung der EU-Kommission, die noch im Frühjahr 2016 abgegeben werden soll. Die Einschätzung hat weitreichende Folgen auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion. Sie entscheidet, ob Pflanzen, die durch diese neuen Techniken gezüchtet wurden, künftig ungekennzeichnet und ohne Risikoabschätzung auf den EU-Markt kommen. Heidemarie Porstner, Gentechniksprecherin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000: „Das darf auf keinen Fall passieren. Neue Züchtungstechniken müssen als Gentechnik eingestuft werden. Mit diesen neuen Technologien wollen uns die Konzerne Gentechnik durch die Hintertür unterjubeln.“

Genetische Veränderung durch „Neue Züchtungstechniken“

Unter dem Begriff „Neue Züchtungstechniken“ wird eine ganze Reihe von biotechnologischen Methoden zusammengefasst, die dazu dienen, die DNA einer Pflanze zu verändern, um ihre Eigenschaften zu modifizieren. Im Gegensatz zur herkömmlichen „Trans-Gentechnik“, bei der ein oder mehrere Gene eines anderen Organismus eingeschleust wurden, geschieht dies bei den Neuen Züchtungstechniken ohne artfremde Gene durch direkte Veränderung an der DNA. Beispiele hierfür sind die „Cis-Gentechnik“ , CRISPR/Cas, Zinkfinger-Nuklease Technik oder Agro-Infiltration. Das Problem: Viele dieser Eingriffe können im Endprodukt nicht mehr nachgewiesen werden.

Auswirkungen der „Neuen Züchtungstechniken“ auf Umwelt, KonsumentInnen und die Landwirtschaft

Die fehlende Nachweisbarkeit ist das Hauptargument der Konzerne: Sie möchte keine Einstufung als Gentechnik. Heidemarie Porstner: „Das hätte weitreichende Folgen für die Umwelt, die LandwirtInnen und die KonsumentInnen. Ohne Einstufung als Gentechnik kommen diese Produkte völlig ungehindert auf den Markt, ohne eine Risikoabschätzung, ohne Kennzeichnung. So findet sich plötzlich Gentechnik, die die meisten KonsumentInnen und auch LandwirtInnen strikt ablehnen, doch auf unseren Feldern und in unseren Lebensmitteln.“

Die Auswirkungen der Neuen Züchtungstechniken wurden bisher gar nicht oder nur unzureichend untersucht. Doch bereits durch die herkömmliche Gentechnik zeigen sich zahlreiche negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die Veränderungen durch Neue Züchtungstechniken sind noch umfassender.

Die EU-Kommission muss handeln

Heidemarie Porstner abschließend: „Die EU-Kommission muss sich die zahlreichen Bedenken, die durch rechtliche und wissenschaftliche Gutachten untermauert sind, ernst nehmen. Der Gentechnik darf nicht über die Neuen Züchtungstechniken Einlass durch die Hintertüre gewährt werden.“

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