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Basel – eine essbare Stadt?

4.2.2016
Weltweit werden im städtischen Raum Lebensmittel angebaut. Auch in Basel und seiner Umgebung.

Eine treibende Kraft dafür ist Urban Agriculture Netz Basel (UANB). Die Organisation baut seit 2010 an einem Beziehungsnetzwerk, um den Anbau gesunder Lebensmittel zu fördern. Hierzu sprechen Bastiaan Frich, Vize-Präsident von UANB, und Barbara Buser, Initiantin der alten Markthalle.

Sozialer Garten

Urban Gardening reicht über die Versorgung mit Lebensmitteln hinaus:
Ein Garten wird schnell zum Treffpunkt zivilgesellschaftlichen Engagements.
Die biodynamische Landwirtschaft ist seit ihrem Bestehen 1924 nicht einfach nur ‹bio›, sondern sieht Hof und Gärtnerei immer auch als sozialen Organismus. Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum ist seit 1924 ein wachsendes Netzwerk biodynamisch wirtschaftender Landwirte, Gärtner und Winzer. Hierzu spricht Jean-Michel Florin, Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum.

Ich lerne vom anderen!

Urban Agriculture Netz Basel und die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum arbeiten zusammen, um jedem Einzelnen die Bedeutung der gesunden Lebensmittelproduktion näherzubringen. Urban Agriculture Netz Basel bringt seine lokale Verankerung, die Sektion für Landwirtschaft ihre weltweiten Erfahrungen ein.

Der Treffpunkt Markthalle Basel ist ein Projekt im Netzwerk von Urban Agriculture Basel.
Vertiefen Sie das Thema an der Goetheanum-Tagung ‹Unsere Erde – ein globaler Garten?› von 3. bis 6. Februar, die für alle Interessierten offen ist.

Wer steht dahinter?

Barbara Buser
Diplomierte Architektin ETH. Nach zwei Einsätzen in der Entwicklungszusammenarbeit im Sudan und in Tansania Gründung und elf Jahre Leitung des Vereins Bauteilbörse Basel (1995) sowie Gründung des Dachverbands Bauteilnetz. 1998 mit Eric Honegger Gründung des ‹baubüros mitte› für die Umnutzung der ehemaligen Volksbank zum Unternehmen Mitte. Das Baubüro in situ beschäftigt heute über 30 MitarbeiterInnen. Mitbegründerin und Mitinhaberin des Gundeldinger Felds in Basel. Verwaltungsratspräsidentin der Kantensprung AG. Seit Sommer 2008 mit Eric Honegger und Pascal Biedermann Leitung der denkstatt sàrl, einem think tank für Projektentwicklungen im urbanen und ländlichen Kontext.
Kontakt: info@insitu.ch

Bastiaan Frich
Biologe, Aktivist, internationaler Referent zum Thema Gesellschaftswandel und engagiert für den Frieden. Mitgründer von Urban Agriculture Netz Basel (UANB), heute Vize-Präsident und Leiter der Koordinationsstelle UANB. Vorstandsmitglied von Permakultur Schweiz, Neustart Schweiz Regio Basel, Initiant der Lebensmittel Gemeinschaft Basel, der CSA-Nuglar-Gärten, von mehreren Gemeinschafsgärten wie der mehrfach preisgekrönte Gemeinschaftsgarten Landhof sowie des Netzwerks BaselWandel. Mitautor des Gemeinschaftswerks ‹Jenseits der Blattränder – eine Annäherung an Pflanzen› (lenos, 2014).
Kontakt: kontakt@urbanagriculturebasel.ch

Jean-Michel Florin
Landwirt und Naturschützer. Seit 1988 Koordinator der Vereinigung Mouvement de l’Agriculture Bio-Dynamique. Mitgründer der ersten biodynamischen Ausbildung in Frankreich. Seit 2010 Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum. Internationale Vortrags- und Kurstätigkeit zur biodynamischen Landwirtschaft, zu sozialer Innovation sowie zur Goetheanistischen Naturwissenschaft. Vorstandsmitglied in Netzwerken und Vereinen zu Umweltfragen und sozialen Fragen wie Université du vivant, Hélichryse, Bellis und Pe-trarca. Veröffentlichungen: ‹Rencontrer les plantes› (mit Christian Escriva) (Amyris, 2011), Gemeinschaftswerke ‹Agrikultur für die Zukunft› (Verlag am Goetheanum, 2014) und ‹Das aufkeimende Leben der Zukunft ;…› (Verlag am Goetheanum, 2015).
Kontakt: jean-michel.florin@goetheanum.ch



Woher kommt eigentlich meine Peperoni?

Abendlicher Einkauf beim Grossverteiler: Ich erfahre nicht viel über die Peperoni, die ich mir heute Abend in den Salat schnippeln werde.

Preis: 3.70 Franken.
Herkunft: Spanien.
Anbau: Gewächshaus.
Ausserdem die Adressen von Produzent und Lieferant.

Mehr brauche ich als Stadtmensch nicht zu wissen über die Produktion der durchschnittlich 870 Kilogramm Lebensmittel, die ich jährlich verspeise. Und selbst wenn ich mehr Informationen wollte, wo würde ich sie finden? Der südspanische Herkunftsort meiner Peperoni liegt immerhin 17 Autostunden von meinem Zuhause entfernt. Aber auch in die Gewächshäuser, Schlachthöfe oder Ställe in Velodistanz verschlägt es mich selten.

Als Stadtmenschen wissen wir wenig darüber, wie und mit welchen Konsequenzen unsere Lebensmittel hergestellt werden. Muss das so sein? Was wäre, wenn die Städte zu Gärten würden? Und wir Städter zu Gärtner? Wenn in den Parks Obstbäume stehen, sodass wir die Apfelsaison erleben können und nicht nur die Apfel-aktion im Coop? Wenn Gemüse wächst in den städtischen Blumenbeeten, sodass alle wissen, wie eine Broccolipflanze aussieht, bevor sie in Plastik verschweisst im Regal landet? Wenn wir Pilze züchten im Keller und Bienen halten auf dem Dach, wenn wir im Hinterhof Abfälle kompostieren und zwischen den Häuserzeilen Gemüse kultivieren? Wenn wir anfangen, uns für unsere Lebensmittel zu interessieren, und Beziehungen aufbauen zu jenen, die sie produzieren?

Meine Salate, so viel ist sicher, würden nie mehr die gleichen sein.

Infos und Mitmachen:
www.urbanagriculturebasel.ch
www.facebook.com/urban.agriculture.basel

Was macht Urban Agriculture Netz Basel?

Die Urban-Agriculture-Bewegung basiert auf der Idee, dass Stadtmenschen mehr können, als unkritisch zu konsumieren, was der Grossverteiler ins Regal legt: Wir können städtische Nischen finden, selbst Lebensmittel produzieren und dabei lernen, was für eine Art von Landwirtschaft wir wollen. Wir können uns gemeinsam organisieren und uns aktiv darum kümmern, dass uns unsere Lebensmittel gut tun und aus nachhaltigen Kreisläufen stammen.

Das Urban Agriculture Netz Basel vernetzt über 40 Urban-Agriculture-Projekte in Basel und Umgebung. Ziel ist es, Wissen und Knowhow zu teilen, Synergien zu nutzen, Energie zu bündeln und Anliegen mit einer starken Stimme nach aussen zu kommunizieren. Der Vorstand bearbeitet Anfragen von den Medien und von Menschen, die sich engagieren wollen, pflegt den Kontakt zur Stadtgärtnerei Basel und zu den städtischen Behörden. Zu den über 40 Projekten gehören

– die Schlemmergärten, ein Projekt der Kontaktstelle für Arbeitslose:
Menschen kultivieren Gemüse und unterstützen sich gegenseitig.
– der Gemeinschaftsgarten Landhof:
Mitten in der Stadt wird auf 200 Quadratmeter gemeinsam gegärtnert.
– die Lebensmittelgemeinschaft Basel, eine Foodcoop.
– das Biobistro, das einzige mit Knospe zertifizierte Restaurant in der Stadt.
– die alte Markthalle Basel – eine kulinarische Oase: lokal, sozial, ökologisch.
– die Nuglar-Gärten, eines mehrerer Projekte solidarischer Vertragslandwirtschaft.
– der NetzBon, lokale Währung für eine lokale, soziale und ökologische Ökonomie in allen Urban-Agriculture-Basel-Projekten und rund 130 Basler Betrieben.

Seit 2012 beschäftigen wir uns in Workshops, Berufs- und Fachgruppen an den Landwirtschaftlichen Tagungen der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum mit der Frage, wie die biodynamische Landwirtschaft einen fruchtbaren Impuls in die globale Urban Agriculture Bewegung weben kann. Auch dieses Jahr!

Der UANB-Vorstand ist eine engagierte und bunt gemischte Gruppe, der unter anderem leidenschaftliche GärtnerInnen, kompetente BiologInnen, zwei emeritierte Professoren, ein auf IT-spezialisierter Geisteswissenschaftler, eine Künstlerin und Projekt-Spezialistin, eine Lehrerin und dreifache Mama, eine Texterin, ein passionierter Autodidakt in Ausbildung und eine Expertin für interkulturelle Kommunikation angehören.
(2327 Zeichen/Manuela Zeller und Bastiaan Frich)

Artikel teilen: GastautorIn: Manuela Zeller und Bastiaan Frich für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /

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