Bild: ©  Marcel Hagen / Pedalpirat Ralph Hollenstein gehört zu Lustenaus Straßenbild wie der beliebte Senf zur Wurst.

Bild: © Marcel Hagen / Pedalpirat Ralph Hollenstein gehört zu Lustenaus Straßenbild wie der beliebte Senf zur Wurst.

Bild: © Lustenau/ Pedal Pirat Ralp Hollenstein

Bild: © Lustenau/ Pedal Pirat Ralp Hollenstein

Bild: © Lustenau/ Der "Lust.Garten" in Lustenau

Bild: © Lustenau/ Der "Lust.Garten" in Lustenau

Bild: © Lustenau/ Im "Lust.Garten" gibt es unterschiedlichste Aktivitäten

Bild: © Lustenau/ Im "Lust.Garten" gibt es unterschiedlichste Aktivitäten

Bild: © Lust.Garten - Unterschiedlichste Pflanzen werden angebaut

Bild: © Lust.Garten - Unterschiedlichste Pflanzen werden angebaut

Bild: © Lukas Hämmerle / Umweltpreisverleihung in Lustenau

Bild: © Lukas Hämmerle / Umweltpreisverleihung in Lustenau

"Pedal Piraten" und "Gartenrebellen" sind in Lustenau unterwegs

1.2.2016
Zwei vorbildliche Initiativen wurden mit dem Lustenauer Umweltschutzpreis ausgezeichnet - Ein Lustgarten der ansteckt und grüne Logistik vom Feinsten

Lustenau- Es gibt Gemeinden, die würden solche Menschen vielleicht als ein wenig verrückt bezeichnen, andere, wie die Marktgemeinde Lustenau zeichen sie einfach aus: Die Lustenauer „Pedal Piraten“ und das Permatop Lustenau leisten absolute Pionierarbeit. Die einen, weil deren Gründer, Ralph Hollenstein, der erste österreichische Öko-Logistiker im ländlichen Raum ist. Die anderen, weil sie mitten im Zentrum von Lustenau einen Grücemeinschaftsgarten geschaffen haben, in dem sie Obst und Gemüse ohne Gift und Fremdmaterial wachsen lassen. Fakt ist: Sie sind Vorbild und wurden deswegen mit dem dem Lustenauer Umweltschutzpreis ausgezeichnet.


Gemeinde Lustenau

Ralph Hollenstein ist überzeugt, dass das Fahrrad in Großstädten genauso wie auf dem Land das Transportmittel der Zukunft ist. Der Erfolg gibt ihm Recht: Vor eineinhalb Jahren hängte der begeisterte Radfahrer seinen langjährigen Job im Überseehandel bei einer Schweizer Spedition an den Nagel und verwirklichte seinen Traum von einem umweltfreundlichen Zustelldienst. Nach einem Jahr hatte Ralph Hollenstein 16.000 Kilometer auf dem Lastenrad zurückgelegt und sein Start-up, die „Pedal Piraten“, schreibt sogar schon schwarze Zahlen. Mittlerweile hat der Jungunternehmer auf dem Rad die halbe Welt umrundet iund sich mit seinen unkonventionellen Ideen bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee den Zuspruch der Lustenauerinnen und Lustenauer ganz einfach, im wahrsten Sinne des Wortes, erradelt. Obendrauf sind er und seine Frau Elke Fitz noch Mitbegründer von „Radeln ohne Alter“, einer Initiative, bei der Freiwillige Seniorinnen und Senioren mit Fahrradrikschas in Lustenau spazieren fahren.

Kreativer Zustellservice - vollends ohne Abgase


Ralph Hollensteins Kundenkreis und sein Streckennetz wachsen beinahe täglich und es gibt nichts mit einem Gewicht bis zu 250 Kilogramm, was der Pedal Pirat nicht mit seinem Lastenrad transportieren könnte. Und das bei jedem Wind und Wetter! Für den Vetterhof – einen Kunde der ersten Stunde - stellt er wöchentlich die Gemüsekiste zu, auch eine Druckerei und Spar König sind Stammkunden. Mit Chef Johannes König hatte er zum Beispiel den Einfall, die bei König gemachten Einkäufe direkt per Fahrrad nach Hause zu liefern. „Die gnouot Louot“, wie der Lieferservice getauft wurde, wird jeden Dienstag und Freitag nach Bestellung bis 10 Uhr zwischen 17 und 19 Uhr zugestellt. Getränkekisten, Christbäume, Kühlschränke, Milchkannen, Kisten mit Käsdönnola, ... – mit Frachten in homöopathischen Einheiten ist Ralph Hollenstein selten unterwegs, trotzdem ist er dank Elektroantrieb entspannt und oft sogar schneller als andere mit dem Auto am Ziel - auch über Lustenau hinaus oder in die benachbarte Schweiz. So sieht man ihn nicht selten auf der Rheinbrücke freundlich lächelnd am Stau vorbeiziehen. Öfters hat der Pedal Pirat auch nicht alltägliche Passagiere an Bord, etwa im Dezember den Nikolaus oder ein frisch vermähltes Ehepaar, das sich das Lastenrad als Hochzeitskutsche ausleiht.

Lastenradservice und erste Vorarlberger Radküche

Apropos ausleihen: Ralph Hollenstein betreibt und verleiht seit letztem Sommer auch die erste Vorarlberger Radküche, die er zusammen mit einem befreundeten Tischler auf ein Lastenrad gezimmert hat. Ein neues Lastenrad, das bei den Pedal Piraten gekauft wird, wird übrigens von der Gemeinde Lustenau mit 400 bzw. 600 Euro für die Elektroversion gefördert. Cousin und Zweiradfachmann Marc Bösch von 2Rad-Holly ist Servicepartner und montiert und repariert alle Modelle. Und welche Pläne gibt es für die Zukunft? 2016 wollen die Pedal Piraten expandieren und eine Lastenrad-Station in Bregenz eröffnen, später will Ralph Hollenstein das gesamte Rheintal umweltfreundlich beliefern.

„Lust.Garten“ mit jungem, wilden Gemüse


Auf fruchtbaren Boden mitten im Zentrum von Lustenau fiel vor sechs Jahren auch die Idee eines Gemeinschaftsgartens, der nach den Grundsätzen der Permakultur bewirtschaftet wird. Etwa 25 Leute, darunter 7 aktive Gärtner und allesamt Mitglieder des Vereins Permatop, betreuen den Lust.Garten. In dieser grünen Oase, die sich hinter den scheinbar wilden Sträuchern entlang des Pfarrwegs verbirgt, werden Obst, Gemüse und Kräuter ohne Gift und Fremdmaterial angebaut. Die Initiatoren dieses Projekts, Elisabeth Esterer-Vogel und Siegfried Vogel, waren die ersten im Land, die ihre mittlerweile zum Trend gewordene Vision vom urbanen Gärtnern verwirklichten. Ihnen ist es dank vieler helfender Hände und Mitgärtner gelungen, das 2.000 m² große Grundstück mit Bäumen und Sträuchern Schritt für Schritt in einen artenreichen, blühenden Lebensraum zu verwandeln. <

Gepflanzt wird, was schmeckt

Wer einen Blick in den Gemeinschaftsgarten wirft, wird staunen. Er entdeckt Wildstrauchhecken aus Korallen-Ölweide oder weißen Johannisbeeren, einen Sonnen- und Waldgarten, Nützlingsbiotope, Gemüsebeete mit seltenen Chilipflanzen oder Tomatenraritäten, Bienenstöcke, ein kleines Gewächshaus oder Hochbeete, die Mitte November noch Blumenkohl hervorbringen. Alle, die zuhause keinen Garten haben, finden hier die Möglichkeit, einen Teil ihres Bedarfs an Obst, Gemüse oder Kräuter in Einklang mit der Natur selbst anzubauen, zu ernten und zu verarbeiten. Die Gärtnerinnen und Gärtner sind unterschiedlich motiviert. So bepflanzten Arbeitskollegen ein Beet für ihren Mittagstisch, junge Familien ohne Garten haben Platz in der Natur, eine begeisterte Seniorin unterstützt bei den Gemeinschaftsarbeiten. Allen gemein ist ihre Verbundenheit zur Natur und die Liebe zum Gärtnern.

Die Arbeit trägt Früchte

Dass die viele Arbeit, die in einem Garten steckt, auch Früchte trägt, merkt man an vielen Aufmerksamkeiten oder Begegnungen: Etwa wenn Nachbarinnen im Winter die Vögel füttern, wenn ein Imker seine Bienenstöcke aufstellen möchte, wenn sich Leute von auswärts über die Gründung eines Permatops informieren, wenn der Tag der offenen Gartentür gut besucht ist oder wenn jemand statt am Garten vorbeizugehen, eintritt und begeistert ist. Gegärtnert wird, weil es Freude macht und die Ernte schmeckt. Der Lust.Garten soll aber auch ein Ort sein, an dem Gemeinschaft wächst und Bildung passiert. Permatop-Obmann Carlos Lampacher und die Freunde und Mitglieder des Vereins wollen „verlorenes“ Wissen und Fertigkeiten in Anbaumethoden mittels Permakultur-Crashkursen neu beleben und Themen wie Naturbewusstsein, Selbstversorgung, biologisch Gärtnern wieder mehr ins Bewusstsein bringen. "Wir möchten die Permakultur auch in andere Gärten und Grünflächen bringen und freuen uns, wenn sich noch mehr Menschen zu uns gesellen." Mit weiteren Gemeinschaftsbeeten, die 2016 auf dem Plan stehen, und der ansteckenden Begeisterung für das gemeinschaftliche Gärtnern dürfte sich dieser Wunsch im neuen Jahr erfüllen.


Vor kurzem wurden die PreisträgerInnen vorgestellt und der Umweltschutzpreis durch Bürgermeister Kurt Fischer und Umweltgemeinderätin Christine Bösch-Vetter verliehen.



www.pedalpiraten.at
LUST.GARTEN - lustenau.permatop

Quelle: Marktgemeinde Lustenau

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