Bild: © falco/ pixabay.com

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Belgien: Die nukleare Seifenoper geht weiter

28.1.2016
Die Geschichte der umstrittenen belgischen Reaktoren (Tihange 1-3 und Doel 1-4) setzt sich fort.

(NM817.4529) Es ist kaum möglich, die Zahl der atomaren Stör- und Unfälle aufzulisten. Die belgische Regierung will die Laufzeit (siehe auch Nuclear Monitor 815, 3. Dezember 2015) dieser Reaktoren verlängern, und hat zu diesem Zweck eine Abmachung mit Electrabel, dem Eigentümer, getroffen.

Über diese Abmachung wird noch im Parlament (Mitte Februar) diskutiert werden. Währenddessen ärgern sich immer mehr Bürger aus Belgien und den benachbarten Niederlanden; die Nervosität steigt, denn es gibt andauernd Störfälle bei den Atomreaktoren. Und zwar in dem Ausmaß, dass die holländische, für nukleare Sicherheit zuständige, Ministerin Schultz van Haegen sich gezwungen sah, eine „bilaterale gemeinsame Untersuchung“ in die Wege zu leiten. Am 20. Januar besuchte sie die Doel-Reaktoren, begleitet vom belgischen Minister Jambon und den holländischen und belgischen Sicherheitsregulatorbehörden FANC und ANVS.

Deutschland und Luxemburg haben Belgien bereits gebeten (oder eher dazu aufgefordert), wenigstens diejenigen Atomreaktoren abzustellen, an denen undichte Stellen entdeckt worden waren (Tihange 2 und Doel 3). WISE drängte Schultz van Haegen, das Gleiche zu tun, denn immer mehr niederländische Stadträte pochen auf größere Handlungsbereitschaft von Seiten der holländischen Behörden. Der offizielle Bericht über den Besuch von FANC und ANVS steht noch aus. Aber die belgischen und holländischen Minister verließen die Atomkraft-Anlage mit der klaren Absicht, die Menschen mit Aussagen wie den folgenden zu beruhigen:

„Die meisten Zwischenfälle befinden sich im nicht-nuklearen Bereich“, „Die Medien bauschen das Ganze auf“, „Unsere Sicherheitskräfte kümmern sich um alles“, „Wir werden zukünftig über alles berichten“, „Im Falle einer ernsten Gefahr werden wir verantwortlich handeln“, und ähnliches.

WISE organisierte eine kleinere Demonstration vor den Toren von DOEL, während die Minister zu Besuch waren; außerdem eine überaus erfolgreiche Versammlung in dem nächstliegenden, 20 km von Doel entfernten Dorf. Dort trafen sich 150 Menschen, um sich über mögliche zukünftige Aktionen zu besprechen. Wir schaffen auch neue Bündnisse mit verschiedenen belgischen NGO’s und Bürgerinitiativen.

Text aus dem Nuclear Monitor Nr. 803 vom 27.1.2016
Autor: Peer de Rijk, Direktor des World Information Service on Energy (WISE)
Übersetzung: Ina Conneally, Bernhard Riepl, www.sonneundfreiheit.eu

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