Bild: © Renault/ Smatrics-Geschäftsführer Dr. Michael Fischer, Dorit Haider von Renault und Zukunftsforscher Matthias Horx

Bild: © Renault/ Smatrics-Geschäftsführer Dr. Michael Fischer, Dorit Haider von Renault und Zukunftsforscher Matthias Horx

Elektroauto: Durchbruch auf breiter Basis innerhalb einer Dekade

31.1.2014
Zukunftsforscher Matthias Horx ist von Elektromobilität überzeugt- Durchbruch innerhalb einer Dekade - Ein Plus für städtische Lebensqualität- Das fossile Zeitalter wird zu Ende gehen

Wien- Auf der Vienna Autoshow war Zukunftsforscher Matthias Horx am Renault-Stand zu Gast und sprach über seine Erkenntnisse in Bezug auf die Entwicklung der Elektromobilität. Im Gespräch mit ORF-Journalistin Claudia Reiterer propagierte der deutsche Wissenschaftler mit Wohnsitz in Wien die Vorteile der neuen Technologien und den in naher Zukunft zu erwartenden Durchbruch auf breiter Basis.

Matthias Horx ist in der Zwischenzeit selbst glühender Verfechter des elektrischen Fahrens, weil er selbst seit mittlerweile drei Jahren die neuesten Entwicklungen verschiedener Hersteller im Alltag testet. Vor kurzem hat er für sein eigenes Erprobungsprogramm einen Renault ZOE übernommen: „Das Auto ist ein interessanter Evolutionsschritt, da es mit seinem charmanten Design als erstes Elektrofahrzeug zunächst auf weibliche Kunden abzielt. Es ist aber auch aus einem anderen Grund ein wichtiger Schritt: Die Bedienung ist extrem einfach. Aus meiner Sicht wird sich Elektromobilität auf diese Weise durchsetzen: nicht mit hochkomplexen Systemen, sondern als unkomplizierter Dienstleister für die Mobilität im Alltag. Ich nenne es: casual driving.“

Am Durchbruch der Elektromobilität als Fortbewegungsart der Zukunft bestehen keine Zweifel, ist Horx genau wie der Schweizer Zukunftsforscher Lars Thomsen überzeugt. „Sie schafft eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, vor allem im urbanen Raum, wo die Lebensqualität deutlich steigt.“ sagt Horx.

Diese positiven Effekte lassen sich heute bereits in Oslo beobachten: dank entspannten, stressfreien Fahrens ohne lokale Schadstoff-Emissionen und mit weitaus geringerer Lärmentwicklung. Damit sich Elektromobilität so rasch entwickeln könne wie in Norwegen, sollten freilich eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden.

„Dieses Phänomen konnten wir schon öfter beobachten: Will man eine bestehende, über lange Zeiträume erprobte Technologie verändern, dann müssen alle Faktoren stimmen. In Sachen Elektromobilität sind dies die Infrastruktur, steuerliche Anreize, Ladesysteme und das Angebot an passenden Produkten. In Norwegen hat man für alles gesorgt, und siehe da: Es geht doch!“

Auch in anderen Ländern werde eine ähnlich starke Entwicklung nicht lange auf sich warten lassen. „Die Frage ist doch: Nehmen wir das Thema des CO2-Ausstoßes ernst? Diese Frage muss sich nicht zuletzt die Politik stellen und auf nationaler oder EU-Ebene mit strengeren Grenzwerten dafür sorgen, dass Elektromobilität noch stärker forciert wird. Ich rechne damit, dass wir im Jahr 2020 schon recht nah am Ziel der deutschen Bundeskanzlerin Merkel – eine Million E-Fahrzeuge – sein werden. Und dank des Einsatzes neuer Materialien sowie weiteren Technologiesprüngen erwarte ich, dass wir kurz nach 2020 eine neue Generation von Elektrofahrzeugen sehen werden, die hinsichtlich der Reichweite neue Dimensionen eröffnen und dabei preislich extrem attraktiv sein wird.

Die Vorzüge der elektrischen Mobilität lassen sich aber schon heute erleben, propagiert Horx. Das Fahren mit dem Renault ZOE macht ihm sichtlich Spaß. "Es ist ein elegantes Surren und Gleiten. In einem Elektroauto fährt man auch deswegen viel entspannter, weil man ständig auf Rekuperation abzielt. Man will keine Energie verschwenden, daher haben auch Aggression und andere typisch männliche Verhaltensweisen keinen Platz.“ ist Horx überzeugt. Ein Umdenken sei dafür notwendig, aber wie in vielen anderen Bereichen trete die Umgewöhnung schneller ein als man ursprünglich erwarte. „Meine Söhne waren anfangs skeptisch. Im spätpubertären Alter mit entsprechender Begeisterungsfähigkeit für schnelle Autos ausgestattet, schien ein Elektroauto kaum die passende Wahl. Heute sind sie stolz darauf, in einem fortschrittlichen Auto zu sitzen, das aus der Masse heraussticht. Man sieht daran, wie schnell die Stimmung ins Positive kippt.“

Matthias Horx wird noch einige Monate ZOE im Alltag fahren. In seinem „Future Evolution House“ am Stadtrand von Wien gibt es dazu auch eine Ladestation von Smartrics.

Zur Lade-Infrastruktur gehört bei Horx natürlich auch eine Photovoltaik-Anlage. „Auf diese Weise fahren wir 100 Kilometer um 1,80 Euro, sparen demnach nicht nur Umweltkosten, sondern auch Betriebskosten. Unsere jährliche Kilometerleistung mit dem Elektroauto beträgt übrigens rund 5000 Kilometer, und nach unseren Erfahrungen deckt die aktuell erzielbare Reichweite mehr als 95 Prozent unserer Fahrten ab. Für die restlichen Bedürfnisse nutzen wir Bahn, Flugzeug oder mieten uns ein anderes Auto, beispielsweise für Skiurlaube. Diese Art der Kombination von Mobilitätsformen wird zukünftig ebenfalls stark zunehmen, auch wenn das heute noch für viele Autofahrer befremdlich wirken mag. Doch wir dürfen nicht mit dem Altgelernten in die Zukunft sehen – die Zukunft hat andere Parameter. Und das fossile Zeitalter wird bald zu Ende gehen.“

Video des Gesprächs:

Future Talk mit Zukunftsforscher Matthias Horx auf der Vienna Autoshow 2014 from Renault Österreich on Vimeo.



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