© Bernd Bast / pixelio.de
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Frühlingsbeginn in Japan

Eine oekonews-Ansichtssache von Fritz Mondl

Erdbeben der Stärke 9,0 nach Richter, danach der Tsunami mit bis zu 20m Höhe,
wahrscheinlich 20.000 Tote und 600.000 Obdachlose, weil ein ganzer Küstenstrich von 100km Länge dem Erdboden gleichgemacht wurde. Unser tiefes Mitgefühl dem japanischen Volk.

Und nun auch noch verstrahlte Lebensmittel, kontaminiertes Trinkwasser, und wer weiß, wieviele Strahlenopfer unter den Ingenieuren und Arbeitern, die versuchen, das schlimmste im riesigen, explodierten Atomkraftwerk zu verhindern. Diesen Helden unsere größte Hochachtung.

Die erste Natur-Katastrophe war beim besten Willen nicht zu verhindern. Die Maschinen-Katastrophe dagegen schon, wie man heute gehört hat.
Abgesehen davon, dass man in Japan vor vierzig, fünfzig Jahren eben auf das falsche Pferd gesetzt hat, wie ja praktisch alle Industriestaaten der Welt außer zufällig Österreich, hat sich im Laufe dieser Jahre unter den Betreibern eine unglaubliche Selbstgefälligkeit, genährt durch gigantische Gewinne aus dem Atomstrom eingestellt, die sich auch durch Tchernobyl nicht erschüttern ließ.

Alle möglichen Unregelmäßigkeiten und Störfälle wurden nicht zum Anlass genommen, die Bevölkerung ordentlich zu informieren, geschweige denn im Laufe der Jahre Verbesserungen in die Sicherheitssysteme zu investieren. Und so war es nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit, wann wieder einmal was wirklich Schlimmes passiert.

Die Überraschung war nur, dass es nicht in Islamabad oder Murmansk passiert ist, sondern im Hochtechnologieland Japan, bei den gewissenhaftesten Menschen überhaupt.

Mindestens so gewissenhaft wie die Deutschen oder Franzosen oder Finnen. Wo man ja immer gehört hat, so etwas kann bei uns nicht passieren. Aber was passieren kann, passiert auch - irgendwann - auch hier.

Immer schon wusste man, dass man nicht weiß, wohin mit dem Atommüll, und jetzt stellt sich heraus, dass die Risiken eines Atomunfalls gar nicht versichert sind, ja gar nicht versicherbar sind. Das Volk trug nicht nur die unglaublichen Kosten der Entwicklung und des Baus der Atomkraftwerke, danach die hohen Gwinne, sondern trägt natürlich auch das Unfallrisiko ohne Recht auf Entschädigung.

So sieht es die Lobby und bisher auch die hohe Politik. Darum ist es höchste Zeit, und die verdammte Pflicht der Verantwortlichen:

Nach dem langen Winter des Atomzeitalters kommt endlich der Frühling der Erneuerbaren Energie -
sicher in Japan, hoffentlich auch überall sonst.



Fritz Mondl ist Geschäftsführender Gesellschafter der AQUA LIBRE Energieentwicklungs GmbH

GastautorIn: Fritz Mondl für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /