Baum der Hoffnung: WWF unterstützt Aubesetzer an der Mur

Breiter Widerstand gegen die Zerstörung der Murauen bei Graz

Graz/Wien - Der WWF Österreich unterstützt den Kampf gegen die Zerstörung der Murauen und bekräftigt seine Solidarität mit den Besetzern der Au in Gössendorf und Kalsdorf. Gemeinsam mit der Plattform zum Schutz der Murauen und dem Naturschutzbund Steiermark pflanzten der WWF und die Verteidiger der Au heute mit mehr als 20 Aktivisten, darunter mehrere Aktivisten des WWF aus Wien, einen Baum der Hoffnung in den Murauen, genau dort, wo die Kettensägen die einzigartige Naturlandschaft zerstören. "Die Kraftwerke würden die ökologisch besonders wertvollen Murauen vernichten. Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Zerstörung dieses einmaligen Gebietes zur Wehr setzen", kündigte heute der WWF-Experte Arno Mohl breiten Widerstand an. Der WWF ruft Landeshauptmann Franz Voves auf, die Zerstörung eines der wertvollsten Schutzgebiete der Steiermark in seinem Bundesland sofort zu stoppen.

In den Murauen, südlich von Graz bei Gössendorf und Kalsdorf, plant die STEWEAG-STEG GmbH den Bau von zwei Wasserkraftwerken mit einer durchschnittlichen Gesamtleistung von rund 20 Megawatt. Die Kraftwerke sollen mitten in einem 1.480 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet mit höchster ökologischer Bedeutung errichtet werden. Dazu muss die Mur auf einer Länge von rund acht Kilometern aufgestaut und mehr als 80 Hektar Auwald sollen dafür gerodet werden. Der WWF bestätigt, dass die geplanten Kraftwerke im Widerspruch zur EU-Wasserrahmenrichtlinie stehen, die jede Verschlechterung desökologischen Zustandes verbietet.

Die Murauen mit einer Gesamtfläche von 1.480 Hektar sind Landschaftsschutzgebiet und ein so genanntes biogenetisches Reservat, das ist eine Auszeichnung, die vom Europarat vergeben wird. Die Regionen an der Mur zählen zu den größten und wertvollsten Auenlandschaften in Österreich. Die ausgedehnten Auwälder beherbergen bedrohte Vogelarten wie Schwarz-, Grau- und Mittelspecht sowie Wespenbussard und Schmetterlingsarten wie den Schwarzen Apollo. Der Fluss und seine Augewässer sind zudem Überlebensraum für Fischotter, Eisvogel und den Huchen.

Die Stromproduktion der beiden Kraftwerke würde lediglich 0,26 Prozent des Gesamtstromverbrauchs Österreichs abdecken. Diese minimale Stromausbeute steht in keinem Verhältnis zum ökologischen Verlust einer der bedeutendsten Aulandschaften Österreichs. "Neue Wasserkraftprojekte können nicht die Lösung sein, wenn es darum geht, den jährlich steigenden Strombedarf von zwei bis drei Prozent inÖsterreich abzudecken", warnt Mohl. Mit dem Ausbau des verbliebenen Potentials könnte man in Österreich lediglich den zusätzlichen Bedarf an Strom der nächsten vier Jahre abdecken. "Einsparungen und Effizienzsteigerung bestehender Wasserkraftanlagen in der Steiermark machen die Zerstörung der steirischen Natur völlig unnötig", bestätigt Mohl. "Zudem hat die Steiermark genügend Kapazitäten bei Biomasse, Windkraft, Sonne und Erdwärme", so der WWF.

Nur noch ein Bruchteil der steirischen Flüsse ist unversehrt. Schon jetzt hat die Steiermark nach Tirol die höchste Dichte an Wasserkraftwerken in Österreich. Der WWF warnt, dass derzeit mehr als 40 Projekte geplant sind. Viele Kraftwerke sollen in wichtigen Schutzgebieten, wie an der Schwarzen Sulm, an der Oberen Mur bei Judenburg, bei St. Michael und im Naturpark Sölktäler errichtet werden.

Der WWF, die Plattform zum Schutz der Murauen und der Naturschutzbund Steiermark appellieren an Landeshauptmann Franz Voves, sich für den Schutz der wertvollen Murauen einzusetzen und den sofortigen Stopp der Zerstörung eine der letzten Naturlandschaften Österreichs zu veranlassen. Außerdem appelliert der WWF an Umweltminister Nikolaus Berlakovich und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, unverzüglich einen Runden Tisch auf breiter Basis einzuberufen, um zukünftige Konflikte an gefährdeten Flüssen in Österreich zu verhindern.


Artikel Online geschalten von: / holler /