© IG Windkraft - www.igwindkraft.at
© IG Windkraft - www.igwindkraft.at

Interview: Zwei Windhunde einen Österreich

Das charismatische Duo Stefan Hantsch und Ursula Nährer sind unsere Helden des Monats

© Stefan Hantsch - IG Windkraft
© Stefan Hantsch - IG Windkraft
© Ursula Nährer - IG Windkraft
© Ursula Nährer - IG Windkraft

Beide sind wohl jedem Ökoenergie-Fan in Österreich bekannt. Aber auch international hat ihre Interessengemeinschaft Windkraft (IGW) letztes Jahr Aufsehen erregt, als Österreich plötzlich zur Nr, 5 der Weltrangliste beim Windkraftausbau aufstieg und auch heuer, als beide zum ersten Ökoenergie-Tag ausriefen.

Über Stefan Hantsch

Der 1971 geborene bedachte Pragmatiker hat nach der HTL-Matura (Elektronik) sein Politik-Wissenschafts-Studium begonnen begonnen und mit der Diplomarbeit ’Wege zum Wind’ vollendet, in der er die Entstehung der Windenergiegesetze in Dänemark, Deutschland und Österreich untersuchte. Danach (1998) gings direkt zur IGW. Vom Windkraft-Virus infiziert: Seit der Hauptschulzeit in Mariazell, von wo er einen Ausblick auf den ersten Windparks Österreichs hatte. Auch ein Windrad auf einem Schornstein des Elternhauses errichtete er schon damals.

Über Ursula Nährer

Der am Land aufgewachsenen fröhlichen Jura-Doktorin, geb. 1977, war eine humanistische Ausbildung schon immer wichtig. Ihre stürmische Karriere begann sie mit einem Jus-Studium in Wien (Mindeststudien-Zeit!). Im Zuge ihrer Dissertation ist sie dann auf die Erneuerbaren gestossen. Die Wind-Energie-Freaks haben sie dann letztlich bei der IGW Dänemark-Exkursion im Herbst 2000 (‘Schau, das Windrad rennt sicher mit 250 kW") endgültig in den Ökoenergie-Bann gezogen, und ein viertel Jahr später war sie fixer Bestandteil der IGW.

oekonews: Ihr seid dafür bekannt, auch anderen Ökoenergien Schützenhilfe zu geben, wieso?

Hantsch: Als Schützenhilfe würde ich es nicht bezeichnen, aber es macht Sinn, sich für alle EE einzusetzen, da sie sich gut ergänzen und nur gemeinsam ein völliger Umstieg möglich ist. Ausserdem können wir durch unsere kleine Struktur flexibler agieren. Unser vielseitiges Ökoenergie-Interesse zieht sich durch bis in den IGW-Vorstand, der auch im Biogas- und anderen EE-Bereichen aktiv ist.

oekonews: Wer setzt sich gegen Windenergie & Ökostrom in Österreich ein?

Beide: Die Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, E-Control, Wirtschaftsministerium und ganz stark auch der Verbund (Haider).

oekonews: Woher kommt der Ökostrom-Boykott dieser IVs?

Beide: Weil sie kurzfristig billigen Strom haben wollen. Ausserdem will die Papierindustrie nicht, dass der Rohstoff Holz teurer wird und der Verbund baut wohl lieber eigene (Gas-)kraftwerke.

oekonews: Welche Rolle spielt die e-Control, Österreichs Strom-Regulator, in Österreich? Ist sie unabhängig?

Nährer: Die e-Control arbeitet sehr raffiniert, es sind an sich sehr kluge Köpfe, die eine klare Strategie haben: kurzfristig niedrige Strompreise, und da passt ihnen offensichtlich sauberer Strom aus heimischen Ökoenergien nicht in ihr Konzept. Aber zum Thema Unabhängigkeit: Man muss nur schauen, wer in der E-Control-Kommission (= oberste weisungsfrei Entscheidungsbehörde) sitzt - nämlich die Arbeiterkammer & die Industriellenvereinigung.
Hantsch: Schlimm ist, dass der Regulator (Boltz) mit falschen Zahlen operiert und aktive Politik gegen Ökoenergien betreibt, anstatt sich auf die Regulierungsfunktion zu beschränken. Das geht hin bis zur aktiven Bevölkerungsverdummung, in dem die e-control immer vom EU-EE Ziel für Österreich von 78% im Jahr 2010 spricht, obwohl sie das Ziel auf den viel niedrigeren Stromverbrauch von 1997 bezieht. So werden wir 2010 nur noch 60% erneuerbaren Strom haben, obwohl die e-control immer noch allen weiß machen wird, dass wir die 78% erreicht haben. Oder aktuell die Stromkennzeichnung: Hier wurde die Stromkennzeichnungspflicht des Ökostromgesetz durch die e-control verwässert, sodass die Stromhändler weiter Atomstromanteile leichter verstecken können. Von mündigen Konsumenten hält der oberste Stromschiedsrichter scheinbar nicht viel.

oekonews: Was muss jetzt politisch geschehen?

Beide: Der Ökostrom-Appell muss umgesetzt werden: 8% aus Wind, Photovoltaik und Biomasse bis 2010. 100% EE-Strom bis 2035 und solare Vollversorgung der gesamten Energie bis 2050.

oekonews: Was ist Eure Motivation in dieser heiss-umkämpften Branche zu arbeiten?

Nährer: Weil die Ökoenergie-Szene so bunt ist, es gibt viele liebe ‘Vögel’.
Hantsch: Bei mir ist es nicht anders - die Zusammenarbeit mit vielen netten Leuten gibt mir die Kraft und, dass man sich für etwas Sinnvolles einsetzen kann.

oekonews: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen weiterhin viel Rückenwind - es stehen stürmische Zeiten bevor!

Mehr über die Interessengemeinschaft Windkraft


Artikel Online geschalten von: / pawek /