© JamesDeMers- pixabay.com
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Europäische Öl- und Gasexploration als Testfall für wichtige UN-Entscheidung

Wie ernsthaft sind Regierungen bereit, die verheerenden Auswirkungen von Lärmverschmutzung in den Meeren anzugehen?

Manila, 28. Oktober 2017. Die 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (Convention on the Conservation of Migratory Species, CMS) endete in Manila, Philippinen. Die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare begrüsst die Annahme der Resolution über Unterwasserlärm, die Richtlinien für Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) lärmerzeugender Aktivitäten enthält. OceanCare fordert die unverzügliche Anwendung der Richtlinien, zum Beispiel seitens der Regierung des CMS-Mitglieds Montenegro, um die Auswirkungen eines anstehenden Explorationsantrags der Öl- und Gasindustrie, der schwere Mängel aufweist, zu untersuchen. Dies wird ein wichtiger Testfall sein, wie ernsthaft die Regierungen bereit sind, die verheerenden Auswirkungen von Lärmverschmutzung in den Meeren anzugehen. Neue Studien haben gezeigt, dass Lärm auch fatale Auswirkungen auf Fische und sogar auf Zooplankton und damit auf die gesamte marine Nahrungskette haben kann.

‘Die Richtlinien ermöglichen es den Regierungen, die Wahrheit hinter den UVP-Einreichungen der Antragsteller zu erkennen. Dementsprechend sensibel war dieser Punkt auf der Konferenzagenda, der auf starken Widerstand und Lobbyingaktivitäten der Öl- und Gasindustrie stiess. Wir gratulieren den Vertragsstaaten, die die Vorzüge der Richtlinien anerkannten und sie heute im Plenum annahmen. Der Zeitpunkt ist günstig, da mit 1. November 2017 die Prüfung des Antrags auf Explorationen in Montenegro ansteht. Wir fordern, dass dies ein Testfall wird’, sagt Nicolas Entrup, Konsulent für OceanCare und NRDC.

OceanCare begrüsst ausserdem Entscheidungen, die dringend notwendigen Bemühungen zur Reduktion des Plastikmülls voranzubringen sowie jene Staaten zu unterstützen, wo Aquatic Wild Meat eine ernsthafte Bedrohung für den Artenschutz geworden ist.

Die Konferenz über den Schutz wandernder Tierarten fasste weitere wichtige Beschlüsse zu folgenden Themen: stärkere Berücksichtigung von Tier-Kulturen im Artenschutz (Resolution 21.1.32); weltweite Ausweisung wichtiger Gebiete für Meeressäuger (Resolution 24.2.1); stärkere Regulierung von Interaktionen mit Meerestieren im Wasser (Schwimmprogramme), um die Auswirkungen auf die betroffenen Tiere zu vermindern (Resolution 24.2.5); Durchsetzung des Verbots der Entnahme von Kleinwalen aus freier Wildbahn für die öffentliche Zurschaustellung (Resolution 24.2.4); sowie Förderung des Walschutzes im Südatlantik (Resolution 24.2.6). Ausserdem setzten die Regierungen sechs Hai-, Rochen- und Knochenfischarten neu auf die CMS-Listen für erhöhten Schutz.

Prüfverfahren über die Umsetzung der Artenschutzmassnahmen muss sich beweisen
In der Vergangenheit haftete mangelhafte Umsetzung von Artenschutzmassnahmen an einigen Vertragsparteien. Daher wurde nun intensiv darüber verhandelt, wie zukünftig die richtige Umsetzung sichergestellt werden kann. Wenig überraschend war der vorgeschlagene ‘Review Mechanism’ das umstrittenste und am intensivsten debattierte Thema der Konferenz. Die Schweiz und Norwegen verfochten einen Umsetzungsmechanismus, der auch die Einbindung der Zivilgesellschaft zulässt und volle Transparenz vorsieht. ‘Der letztlich angenommene Mechanismus ist keineswegs ein ideales Modell und leider in keiner Weise transparent. Dennoch ist es die wichtigste Errungenschaft für die Konvention, wird sich aber in der Praxis erst beweisen müssen’, so Nicolas Entrup.


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