Vertrauen in Politik schwindet dahin

Die Klimakatastrophe schlägt im kalifornischen Santa Rosa brutal vernichtend zu und in Deutschland wird eine wirksame Klimaschutzpolitik von der Regierung verhindert

Bewußtseinswandel dringend nötig

Bisher schon 24 Tote durch die verheerenden Waldbrände. 3500 Häuser und damit menschliche Existenzen wurden vernichtet. Erschreckend sind die Bilder, die uns aus dem kalifornischen Santa Rosa erreichen, wo die Klimakatastrophe in brutaler Weise zuschlägt. (http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/kalifornien-157.html)

Der als einer der stärksten Kämpfer gegen Trump’s Klimakatastrophenignoranz geltende kalifornische Gouverneur Jerry Brown spricht von Schäden, die den Staat viele Milliarden kosten werden und die Brände weiten sich immer weiter aus – und noch immer sprechen viele Politiker und Manager von den angeblich zu hohen Kosten des Klimaschutzes.

Die Brandkatastrophe in Santa Rosa ist eine Katastrophe, wie sie durch die inzwischen auf 1,3°C gestiegene Erderwärmung über dem vorindustriellen Niveau, fast täglich irgendwo in der Welt in unterschiedlichster Form zuschlägt: Letzte Woche Stürme in Norddeutschland, in den letzten Monaten verheerende Hurrikans, Taifune, Überschwemmungen, Hitzeperioden, lang anhaltende Trockenheiten, Bergstürze infolge des auftauenden Permafrostbodens. Was wird erst bei 1,5°C los sein, wenn der Planet dies wohl schon 2020 erreicht haben wird, oder gar erst bei 2°C Erderwärmung?

Noch immer reden viele Menschen und selbst Klimaforscher unverantwortliche Sätze, wenn sie vor einer kommenden Klimakatastrophe warnen. Der Planet Erde ist mitten in der Klimakatastrophe, mit steil ansteigender Schadensbilanz.

Die Diskussion und das Versagen regierungsverantwortlicher Politiker in Deutschland haben inzwischen Ausmaße angenommen, die große Verantwortungslosigkeit und kollektive Ignoranz widerspiegeln. Jahrelang haben Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel Klimaschutzaktivitäten vorgetäuscht, aber das glatte Gegenteil gemacht. Seit Jahren wird von vielen darauf hingewiesen, dass zum einen die deutschen Klimaschutzziele, nur 40% CO2-Emissionen bis 2020 und 80 % bis 2050 zu reduzieren, vollkommen unzulänglich sind. Stattdessen bezeichnet das Umweltministerium diese unzulänglichen Ziele auch noch als ambitioniert, was dann viele Kommentatoren gedankenlos übernehmen. Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass aber die ergriffenen Maßnahmen nicht einmal diese vollkommen unzulänglichen Ziele in Deutschland erreichen werden. Auch die Energy Watch Group hatte im letzten Jahr in einer umfangreichen Studie darauf hingewiesen.
(http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/2015/05/EWG-Klimapolitik-Deutschland-Nov-2016.pdf)

Und nun kommt der große Katzenjammer, selbst das Bundesumweltministerium stellt in einem internen Bericht fest, dass Deutschland seine Ziele bis 2020 gewaltig verfehlen wird, so berichtete es gestern die Süddeutsche.
(http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-deutschland-hinkt-seinem-klimaziel-hinterher-1.3702329)

Nun rächt sich bitterlich, dass Union, SPD und FDP seit Jahren in der Regierungsverantwortung den Ökostromausbau mit immer schlimmeren EEG Novellen stranguliert haben und stattdessen Kohlekraftwerke mit milliardenschweren Subventionen neu bedienten. Dass sie für den Ausbau von Wärme aus Erneuerbaren Energien so gut wie nichts getan haben. Dass sie in der Verkehrspolitik nur auf die Stützung von Autos mit dreckigen Verbrennungsmotoren gesetzt haben. Dass sie dem Bauernverband keine Schranken gesetzt haben, um endlich eine flächendeckende kohlenstoffsenkende biologische Landwirtschaft zu bekommen, statt eine Massentierhaltung mit giftigen Eiern und Glyphosat belastete Lebensmittel endlich zu beenden.

Lieber haben Union, SPD und FDP jährlich 400 000 vorzeitige Tote in der EU und jährlich 66 000 Tote in Deutschland durch Feinstaub in Kauf genommen statt Nullemissionsantriebe im Verkehr, Nullemissionsheizungen und Nullemissionskraftwerke mit Erneuerbaren Energien zu befördern, wie eine gestern veröffentlichte Studie der europäischen Umweltagentur aufzeigt.
(http://www.tagesschau.de/inland/feinstaub-tote-101.html)

Es wird nun auf die Koalitionsverhandlungen ankommen. Die Einhaltung der laschen und viel zu niedrigen CO2-Emissionsziele der Bundesregierung dürfen nicht das Ziel der Koalitionsverhandlungen sein, denn sie reichen überhaupt nicht aus um die in Paris beschlossenen Klimaschutzziele einzuhalten, was zwar von allen Parteien außer der AfD stets als Ziel anerkannt wird, von Union, SPD FDP aber stets hintergangen wird.

Vielmehr muss es endlich eine Politik geben, die konsequent auf die Vermeidung (nicht Reduzierung) von Emissionen mit Nullemissionstechnologien setzt und eine Land- und Forstwirtschaft auf den Weg bringt, die mit Biolandwirtschaft, Humusaufbau und neuen Technologien, wie der Biokohle endlich großflächige Kohlenstoffsenken schafft.

In meinem Buch ‘Globale Abkühlung’ zeige ich seit Jahren der Weltgemeinschaft diesen Weg auf. (http://www.beuth.de/de/artikel/globale-abkuehlung)

Erstmals hatte ich die englische Version dazu 2012 im kalifornischen Santa Rosa und San Francisco vorgestellt. Ich konnte erfahren, wie es gerade in Santa Rosa eine großartige grüne Gemeinde mit großem Engagement für den Klimaschutz gibt. Sie hatten schnell verstanden, wie man eine globale Abkühlung organisieren kann und viele Aktivitäten dazu entfaltet. Doch die Ignoranz der großen Weltführer von Kanzlerin Merkel, über US-Präsident Trump, Russlands Präsidenten Putin, das saudische Königsreich oder die letzten australischen Regierungen, um nur einige zu nennen, hat alles getan, um die Klimaverschlechterung weiter zu beschleunigen.
Nun sind selbst viele aktive Klimaschützer aus Santa Rosa mit dem Verlust ihrer Existenzen Opfer der Klimakatastrophe geworden, gegen die sie immer gekämpft haben.


Hammelburg, den 12. Oktober 2017

Hans-Josef Fell

fell@hans-josef-fell.de
www.hans-josef-fell.de
Twitter: @HJFell


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