2007: Problem Klimawandel erkannt- leider noch keine Energiewende für Österreich

Eine oekonews-Ansichtssache von Doris Holler-Bruckner

Als positiv ist zu berichten, dass das Problem ‘Klimawandel’ endlich so manchem bewusst geworden sein dürfte. Ein erstes Aufhorchen war bereits Ende 2006 zu erkennen, als der ehemalige Weltbankökonom Nicholas Stern mit seinem Bericht an die britische Regierung eindrucksvoll aufzeigte, dass wir eine Wirtschaftskrise auslösen und die Kosten für die Zukunft weit höher sind, desto länger wir nicht reagieren. Die britische Regierung hat 2007 bereits einiges dazu angekündigt. Energieminister John Hutton erklärte, Großbritannien wolle bis 2020 den Energiebedarf aller Haushalte aus Windkraft gewinnen. Seit Mai sind 24 neue Windparks bewilligt worden, darunter auch das Projekt London Array, das mit bis zu 1.000 Megawatt Leistung zu den größten Meereswindparks der Welt gehören wird, neben Wellenkraftwerken ist auch ein Gezeitenkraftwerk und ein großes Biomassekraftwerk geplant.

2007 brachte höhere Energiepreise. Der Rohölpreis blieb in diesem Jahr nur sehr knapp unter 100-Dollar pro Barrel, was ein neuer Höchstand war, und auch die gesamten Energie- und Treibstoffpreise in die Höhe drückte. Was vielleicht manchen Konsumenten dazu brachte, zumindest einmal nachzudenken, wie er mit einem Umstieg auf erneuerbare Energie oder mit Energieeffizienz diese Kosten in Zukunft für sich selber verhindern kann.

Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), in dem hunderte Forscher aus der ganzen Welt zusammenarbeiten, legte 2007 mit dem ‘Weltklimabericht’ dramatische Daten vor. Die Wissenschaftler meinen, es drohe ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 59 Zentimeter sowie ein Aufheizen der Atmosphäre um bis zu 6,4 Grad in den kommenden 100 Jahren. Die Zeit wird knapp, warnen die Forscher. Klimawandel und Klimaschutz waren Jahresthemen, Klimakatastrophen wie Extrem-Hitzeperioden mit Wald- und Flächenbränden in Griechenland und in Kalifornien oder verheerende Überflutungen haben die Diskussion schaurig begleitet. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch stellte gemeinsam mit der Münchener Rück bei den UN-Klimaverhandlungen in Bali den Klima-Risiko-Index vor. Der Index zeigt zwar, dass weniger entwickelte Länder unter Stürmen, Überschwemmungen und Wetterextremen häufig weit stärker leiden als Industrieländer. Im Jahr 2006 war vor allem Asien betroffen. Aber auch Industrieländer sind betroffen: Deutschland belegt Rang 17 im Jahr 2006, mit 56 Todesopfern und Schäden von ca. zwei Milliarden US-Dollar. Bezogen auf die letzten zehn Jahre (1997-2006) liegt Deutschland auf Rang 10. Hier wirkte sich vor allem der Extremsommer 2003 aus.

Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei der Münchener Rückversicherung, auf deren weltweit anerkannter Datenbank zu Wetterextremen der Klima-Risiko-Index basiert, erklärte: "Aus den Ereignissen eines Jahres kann nicht direkt auf einen Zusammenhang mit dem Klimawandel geschlossen werden. Dennoch, seit 1980 hat sich die Häufigkeit von Naturkatastrophen aufgrund von Überflutungen um das Vierfache, durch Windstürme um das Zweifache und weitere Wetterextreme wie Hitzewellen oder Dürren um das Vierfache erhöht, was deutlich eine Erhöhung der Gefährdungssituation anzeigt. Bei geophysikalischen Katastrophen hat sich die Häufigkeit hingegen nur um das 1,5fache erhöht. Während diese Zunahme höchstwahrscheinlich auf sozioökonomischen Faktoren beruht, ist der viel stärkere Anstieg bei den wetterbezogenen Katastrophen mit immer größerer Sicherheit zu einem guten Teil auf den Klimawandel zurückzuführen." "Insbesondere die Länder, die in der Vergangenheit bereits stark durch Wetterextreme betroffen waren, sollten dies zum Anlass nehmen, der Vorsorge gegenüber solchen Gefahren eine größere Aufmerksamkeit zu widmen", meint Höppe weiter.

Das beste an der UN-Klimakonferenz in Bali, die im Dezember stattfand, war, dass es zumindest ein Ergebnis gab: Es wurde ein Fahrplan (Bali-Roadmap) für die nächsten zwei Jahre beschlossen Ende 2009 soll dann in Kopenhagen eine neue globale Klimapolitik beschlossen werden. Leider weigerten sich die USA und China erneut, sich auf Ziele festzulegen.

Ein positiver Aspekt des Jahres 2007: Unzählige neu umgesetzte regionale Projekte, in einzelnen Betrieben, in Gemeinden, in Regionen zeigten auch heuer wieder die Möglichkeiten auf - sowohl im Bereich der Landwirtschaft, als auch im Verkehr, bei der Gewinnung von Erneuerbarer Energie, in vielen Bereichen des Umweltschutzes. Und es scheint, dass diese Projekte mehr werden. Viele dieser Projekte konnten wir auch heuer wieder vorstellen – darüber freuen wir uns sehr.

Wir wünschen uns noch zahlreiche weitere Initiativen in diese positive Richtung und hoffen, dass auch Österreichs Politik das Problem Klimawandel nicht nur erkannt hat, sondern mit entsprechenden politischen Entscheidungen (z.B. Ökostromgesetz) eine positive ‘Energiewende’ auch in Österreich umgesetzt wird. Die Zeit ist reif dazu.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen noch einen guten Rutsch und viel Glück für 2008!

Ihre oekonews-Chefredakteurin
Doris Holler-Bruckner


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