©  GIZ India/ Training in Indien
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Capacity Building für die indische Energiewende

Schulungsprogamme um Ausbau erneuerbare Energien voranzutreiben

Mit dem Schwerpunkt Netzintegration erneuerbarer Energien hat das Fraunhofer IEE aus Kassel gemeinsam mit Partnern aus der Industrie und dem indischen Institut IIT Mumbai ein Capacity-Building-Programm für die Energiewende in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde gestartet. Das von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ initiierte Schulungsprogramm richtet sich an Mitarbeitende indischer Netzbetreiber, die im Netzbetrieb und ­-management tätig sind. Das Trainingsprogramm kombiniert Online- und Präsenzmodule in Themenfeldern wie Erzeugung, Vorhersage, Systemintegration, Regelung und Visualisierung erneuerbarer Energien sowie Marktmechanismen, Regulatorik und Politik.

Die Ziele für den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien in Indien sind ambitioniert. Insgesamt strebt das flächenmäßig siebtgrößte Land der Erde an, in den nächsten zehn Jahren neue Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien mit einer Leistung von 500 Gigawatt zu installieren. Bis 2030 sollen mindestens 40% des Stroms für Indien aus erneuerbaren Energien kommen.

Die Stromerzeugung aus den Quellen Wind und Solar hängt stark vom Wetter ab. Die intermittierende Erzeugung stellt die Netzbetreiber, die für den sicheren Netzbetrieb verantwortlich sind, vor neue Herausforderungen. Auf institutioneller Ebene eröffnet die indische Regierung daher elf REMC-Zentren (Renewable Energy Management Center), die gemeinsam mit den bestehenden LDC-Zentren (Load Dispatch Center) die weitere Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz unterstützen sollen.

In Indien fehlte es bisher jedoch an gezielten Schulungsprogrammen, die Mitarbeitende von Netzbetreibern darin qualifizieren, die Steuerung der Systemintegration von erneuerbaren Stromerzeugern in diesen REMC-Zentren zu übernehmen. Insbesondere das Wissen darum, welche politischen, regulatorischen, marktbezogenen und technischen Instrumente zur Verfügung stehen, um einen höheren Anteil erneuerbarer Energien in das Netz zu integrieren, gilt es weiterzuentwickeln.

Das Ministerium für neue und erneuerbare Energien und Energieministerium der indischen Regierung kooperiert im Projekt »Green Energy Corridors« (IGEN-GEC) mit der deutschen Regierung, um den Herausforderungen der Netzintegration von hohen Anteilen erneuerbarer Energien mit Lösungen für Indien zu begegnen. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ GmbH setzt das Projekt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Regierungsbehörden in Indien um. Das Trainingsprogramm für Netzbetreiber hat die GIZ mit der Power System Operation Corporation Ltd. (POSOCO) und dem National Power Training Institute (NPTI) entwickelt. Dabei wurden sie von Experten des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, den beiden deutschen Firmen Energynautics und Overspeed sowie dem indischen Institut IIT Bombay unterstützt. Für das Fraunhofer IEE brachte Prof. Dr. Martin Braun seine Expertise in die Programmgestaltung ein, Dr. Bernhard Ernst entwickelte die drei Themenfelder »Forecasting of Renewables«, »Balancing and Scheduling« und »Policy Regulatory and Market Mechanisms« und Dr. Gunther Arnold das Themenfeld »Grid Codes«.

Unter der Leitung des Fraunhofer IEE hat die Umsetzung des »REMC Training in India« nun begonnen. Der erste Teil ist als 3-monatiger Online-Kurs konzipiert, der durch Vor-Ort-Trainings in Indien ergänzt wird. Der erste Kurs fand mit etwa 20 Trainingsteilnehmern in den Ausbildungsräumen des National Power Training Institute (NPTI) in New Delhi/Faridabad statt. Im zweiten Kurs haben die Projektpartner Fraunhofer IEE, Overspeed, Energynautics und IIT Mumbai vom 26. bis 31. August 2019 in Bangalore weitere 50 Ingenieure ausgebildet. Der dritte und vorläufig letzte Trainingskurs wird im Januar/Februar 2020 in dem indischen Bundesstaat Kerala stattfinden.

Uwe Krengel


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