© Schwoaze pixabay.com / Autobahn
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Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen heuer massiv gestiegen

In der Schweiz ging Alpentransit heuer erneut zurück

Wien - Von Jänner bis November hat der Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen sehr stark zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Bei 96 von 106 ausgewerteten Zählstellen nahm der Lkw-Verkehr um mehr als zwei Prozent zu, bei 56 sogar um mehr als vier Prozent. In der Schweiz hingegen nahm auch heuer der Alpentransit ab. Der VCÖ weist darauf hin, dass allein über den Brenner dreimal so viele Lkw fahren wie auf allen Schweizer Alpenrouten zusammen. Um die massive Zunahme des Lkw-Verkehrs zu bremsen, braucht es neben dem Ausbau der Bahn auch verstärkte Lkw-Kontrollen, eine höhere Lkw-Maut und die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Dieseltreibstoff.

Mehr als fünf Millionen Lkw waren auf der A1 bei Haid in Oberösterreich in den ersten elf Monaten unterwegs, macht der VCÖ aufmerksam. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres nahm hier die Anzahl der Lkw um rund 220.000 zu. Auch heuer ist das der Abschnitt in Österreich mit dem meisten Lkw-Verkehr. Nicht nur auf der A1 bei Haid, sondern österreichweit hat der Lkw-Verkehr massiv zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt.

Insgesamt hat der VCÖ die Daten von 106 Zählstellen der Asfinag analysiert. Bei 102 davon hat der Lkw-Verkehr zugenommen, bei 96 Zählstellen um mehr als zwei Prozent, bei 56 sogar um mehr als vier Prozent. "Die rechte Spur auf Autobahnen ist zur rollenden Lagerhalle geworden. Der Lkw-Verkehr nimmt stärker zu als die Wirtschaft wächst. Ein Zeichen dafür, dass der Lkw-Transport zu billig ist", stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest.

Die A2 weist nach der A1 die zweithöchste Anzahl von Lkw auf. Bei Biedermannsdorf waren hier in den ersten elf Monaten rund 4,4 Millionen Lkw unterwegs, um vier Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Auf der A23 auf der Praterbrücke rollten rund 3,8 Millionen Lkw, auf der A25 bei Marchtrenk, der A8 bei Niederndorf und der A21 bei Brunn am Gebirge jeweils mehr als 3,6 Millionen.

Extrem gestiegen ist der Lkw-Verkehr auf der Brennerautobahn: Mehr als 2,5 Millionen Lastwagen überquerten heuer bereits den Brenner. Das sind um rund 180.000 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und sogar um 650.000 Lkw mehr als in den ersten elf Monaten des Jahres 2013, macht der VCÖ aufmerksam. Der Vergleich mit der Schweiz zeigt, wie sehr Österreich bei der Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene ins Hintertreffen gelangt ist. In der Schweiz ging die Zahl der Lkw-Fahrten im alpenquerenden Gütertransport heuer erneut zurück, im 1. Halbjahr um 12.000 auf insgesamt 477.000. Allein über den Brenner fuhren im 1. Halbjahr dreimal so viele Lkw wie über alle vier Schweizer Alpenquerungen zusammen, verdeutlicht der VCÖ. Die Bevölkerung entlang der Transitrouten leidet unter der hohen Lärm- und Abgasbelastung.

"Die Schweiz zeigt Österreich vor, dass es neben dem Ausbau der Schiene auch mehr Kostenwahrheit beim Straßengüterverkehr braucht, um die Lkw-Lawinen zu bremsen. Wir leben in einer Marktwirtschaft, ökonomische Instrumente sind auch im Verkehrsbereich sehr wirksam", so Gansterer . In der Schweiz wird Diesel, der Kraftstoff der Lkw, gleich hoch besteuert wie Eurosuper. In der Lkw-Maut werden die externen Kosten, also die von Lkw verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden, eingerechnet. Und die Einhaltung der Tempolimits sowie der arbeits- und sozialrechtlichen Vorgaben wird stark kontrolliert.

In Österreich hingegen wird Diesel steuerlich begünstigt. Dass die externen Kosten nicht zur Gänze in die Lkw-Maut eingerechnet werden, liegt an den EU-Vorgaben. Dass aber nicht der gesamte bestehende Spielraum genutzt wird, liegt an Österreich. Auch kann Österreich die Lkw-Kontrollen deutlich erhöhen. "Aufgrund der hohen Toleranzgrenze beim Überschreiten des Tempolimits fahren viele Lkw deutlich schneller als die erlaubten 80 km/h. Da Zeit Geld ist, wird durch das Nichteinhalten der Tempolimits der Lkw-Transport billiger, was wiederum zu mehr Lkw-Fahrten führt", erklärt Gansterer. Positiv ist, dass die EU-Staaten unter Österreichs Ratspräsidentschaft verschärfte Regeln gegen Sozialdumping im Transportbereich beschlossen haben. Viele Lkw-Transporte quer durch Europa finden nur deshalb statt, weil es sich dank Umwelt- und Sozialdumping lohnt, Waren von weit her mit dem Lkw zu transportieren.

Auch aus Gründen der Verkehrssicherheit sind verstärkte Lkw-Kontrollen sehr wichtig. Lkw mit abgefahrenen Reifen oder anderen technischen Mängel sowie die Überschreitung der Ruhezeiten sind ein großes Sicherheitsrisiko für Autofahrer.

Einen Beitrag zur Reduzierung der Lkw-Lawinen kann auch ein nachhaltigeres Konsumverhalten leisten. Regionale und langlebige Produkte verursachen deutlich weniger Verkehr als billige Wegwerfware.

VCÖ: Lkw-Verkehr hat in Österreich heuer massiv zugenommen
(Anzahl Lkw von 1.1. bis 30.11.2018, in Klammer Änderung zum Vorjahreszeitraum - jeweils Abschnitt mit meisten Lkw-Verkehr auf jeweiliger Autobahn)

A1 Haid: 5.066.540 Lkw (plus 4,5 Prozent)

A2 Biedermannsdorf: 4.386.570 Lkw (plus 4,0 Prozent)

A23 Praterbrücke: 3.780.760 Lkw (plus 6,3 Prozent)

A25 Marchtrenk: 3.684.670 Lkw (plus 3,1 Prozent)

A8 Niederndorf: 3.614.510 Lkw (plus 3,9 Prozent)

A21 Brunn am Gebirge: 3.607.700 Lkw (plus 3,6 Prozent)

A12 Wörgl: 3.306.540 Lkw (plus 2,7 Prozent)

A8 Suben: 3.288.510 Lkw (plus 4,8 Prozent)

A4 Bruckneudorf: 2.907.890 Lkw (plus 2,7 Prozent)

A4 Bruck an der Leitha: 2.878.490 Lkw (plus 2,6 Prozent)

A13 Matrei-Brenner: 2.540.950 Lkw (plus 7,5 Prozent)

A10 Hallein: 1.873.490 Lkw (plus 2,9 Prozent)

A9 Plabutschtunnel: 1.796.740 Lkw (plus 5,0 Prozent)

A9 St. Michael in der Obersteiermark: 1.685.660 Lkw (plus 4,4 Prozent)

A22 Brigittenauer Brücke: 1.615.750 Lkw (plus 3,7 Prozent)

A14 Wolfurt-Lauterach: 1.541.470 Lkw (plus 4,7 Prozent)

A9 Spielfeld: 1.081.060 Lkw (plus 8,5 Prozent)

S33 Pottenbrunn: 1.037.660 Lkw (plus 2,2 Prozent)

A6 Potzneusiedl: 940.620 Lkw (plus 4,2 Prozent)

S5 Zaina: 901.430 Lkw (plus 2,2 Prozent)

A7 Gallneukirchen: 867.570 Lkw (plus 6,2 Prozent)

S6 St. Marein: 655.480 Lkw (plus 3,0 Prozent)

A11 St. Martin: 598.290 Lkw (plus 5,4 Prozent)

S16 Grins: 491.740 Lkw (plus 14,4 Prozent)

S31 Wulkaprodersdorf: 407.980 Lkw (plus 0,1 Prozent)

S31 Mattersburg: 355.110 Lkw (plus 0,6 Prozent)

S4 Sigleß: 293.440 Lkw (plus 4,4 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2018


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