© 955169 pixabay. com / Graz
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Graz hat Feinstaub-Jahresgrenzwert bereits überschritten

VCÖ: Verstärkte Maßnahmen für saubere Mobilität nötig

Wien -In Graz war in der Vorwoche der 36. Tag mit zu hoher Feinstaubbelastung. Damit hat die steirische Landeshauptstadt den EU-Jahresgrenzwert überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Graz ist seit Jahren die Stadt mit der höchsten Feinstaubbelastung Österreichs. Der VCÖ spricht sich für verstärkte Maßnahmen für saubere Mobilität aus. Neben mehr öffentlichen Verkehrsverbindungen ist die Infrastruktur für den Radverkehr verstärkt auszubauen. Zudem sollen Lieferdienste auf emissionsfreie Fahrzeuge umgestellt werden.

Die Grazer Bevölkerung ist auch heuer der höchsten Feinstaubbelastung Österreichs ausgesetzt. Erneut wurde der EU-Jahresgrenzwert überschritten. Gestern wurde bei der Messstelle Graz Don Bosco zum 36. Mal im heurigen Jahr der erlaubte Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten. Der EU-Grenzwert erlaubt höchstens 35 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung. "Damit ist klar, dass die bisher umgesetzten Maßnahmen nicht ausreichen und weitere Schritte für eine bessere Luftqualität nötig sind", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Hauptverursacher von Feinstaub sind Industrie, Heizen und der Verkehr. Der Verkehr trägt mehrfach zur Feinstaubbelastung bei. Zum einen durch Brems- und Reifenabrieb und durch Aufwirbelung. Je höher das Tempo, umso mehr Staub wird aufgewirbelt. Zum anderen durch die Abgase. "Gerade die Abgase enthalten auch die extrem gesundheitsschädlichen Ultrafeinstaubpartikel. Umso wichtiger sind daher Maßnahmen, die dazu führen, dass weniger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in die Stadt fahren", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Früher verursachten vor allem Diesel-Fahrzeuge Feinstaub, heute sind auch Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung eine relevante Feinstaubquelle.

Je kleiner die Feinstaubpartikel, umso gefährlicher sind sie. Während der grobkörnige Feinstaub (PM10) in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen) "hängen" bleibt, können die kleineren Partikel (PM2,5) bis in die Lungenbläschen eindringen. Laut einer im heurigen Herbst veröffentlichten Studie der Europäischen Umweltagentur ist die PM2,5-Belastung allein in Österreich für 5.900 vorzeitige Todesfälle verantwortlich, macht der VCÖ aufmerksam. Noch gefährlicher ist Ultrafeinstaub (PM0,1). Diese Partikel können in den Blutkreislauf eindringen und in den Organen Entzündungen hervorrufen.

Der VCÖ betont, dass gerade im Verkehrsbereich das Potenzial zur Verringerung der Feinstaubbelastung groß ist. So sind viele Autofahrten kurz und können mit dem Fahrrad oder bei sehr kurzen Distanzen zu Fuß zurückgelegt werden. "Graz hat das Potenzial für einen Radverkehrsanteil von mindestens 25 Prozent. Dem Radverkehr ist in der Stadt mehr Platz einzuräumen", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Zudem braucht es so genannte Fahrrad-Highways als direkte, möglichst kreuzungsfreie Verbindung vom Umland in die Stadt. "Viele Autofahrer fahren auch Rad. Sowohl das Auto als auch das Fahrrad sind Individualverkehrsmittel. Und die beliebten Elektro-Fahrräder vergrößern die Reichweite von Fahrrädern. Internationale Erfahrungen zeigen: Wenn es eine gut ausbaute Rad-Infrastruktur gibt, nutzen viele das Fahrrad statt dem Auto", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Wesentlich sind auch mehr öffentliche Verkehrsverbindungen im Ballungsraum Graz. Großer Handlungsbedarf besteht auch bei den Zustelldiensten. Durch den boomenden Online-Handel sind deutlich mehr Paketdienste unterwegs, oft mit Diesel-Lieferwagen, die die Luft besonders stark verschmutzen. Es braucht verstärkte Anreize zum Einsatz von Elektro-Transportern und auch Cargo-Bikes, betont der VCÖ. Internationale Beispiele zeigen, dass mit sogenannten City-Hubs die Umweltbilanz des städtischen Gütertransports deutlich verbessert werden kann.


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