© oekonews- W.Pucher  / Gemeinsam umsteigen ist die Devise
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Erster Schritt zu weniger Plastiksackerln

Bundesminister Rupprechter: Zahl der Plastiksackerl halbieren / 25 statt 50 Taschen pro Person durch freiwillige Vereinbarung

©  Christopher Fuchs BMLFUW/ Minister Rupprechter zeigt den unterzeichneten Pakt
© Christopher Fuchs BMLFUW/ Minister Rupprechter zeigt den unterzeichneten Pakt

Wien - Gestern hat Bundesminister Andrä Rupprechter gemeinsam mit Vertretern des Handels und von NGOs die Eckpunkte eines neuen Paktes zur Verringerung der Anzahl von Einwegtragetaschen vorgestellt. ‘Plastiksackerl verbrauchen wertvolle Ressourcen und belasten bei falscher Entsorgung die Umwelt, insbesondere die Gewässer’, meinte Bundesminister Andrä Rupprechter.

In der ‘Plastiksackerl-Richtlinie’ der EU ist geregelt worden, dass die Mitgliedsländer bis 2019 auf 90 Sackerl pro Person und Jahr reduzieren. In Österreich tritt die freiwillige Vereinbarung mit 1. Juli 2016 nicht nur früher in Kraft, sondern ist durch die Zielsetzung von 25 Sackerl pro Person auch ambitionierter als die EU-Richtlinie. In den letzten Monaten wurde die Vereinbarung mit ausgewählten Unternehmen sowie NGOs verhandelt und besteht aus mehreren Maßnahmen.

Die wichtigsten Details: Tragetaschen werden in Zukunft nur noch kostenpflichtig an die Konsumenten und Konsumentinnen abgegeben. Von dieser entgeltlichen Abgabe sind lediglich die Frischebereiche wie Gemüse- und Obstabteilungen ausgenommen. Allerdings werden die sogenannten Knotenbeutel im Kassenbereich nicht mehr zur freien Entnahme angeboten. Zusätzlich soll die Kundeninformation verbessert, der Einsatz von Mehrwegtragetaschen forciert und Umweltprojekte gefördert werden.

Um die Fortschritte beurteilen zu können, wird das BMLFUW jährlich einen Bericht, basierend auf den Daten der unterzeichnenden Unternehmen, veröffentlichen. ‘Die Zahl der Unternehmen die sich an der freiwilligen Vereinbarung zur Reduktion beteiligen, soll stetig weiter wachsen’, erklärte Rupprechter.

NGOs wie Global 2000 und Greenpeace unterstützen ebenfalls den Pakt. ‘Ich lade alle Handelsunternehmen ein, sich dieser Initiative anzuschließen’, so Rupprechter.
GLOBAL 2000 und Greenpeace fordern die heute der Vereinbarung beigetretenen Händler auf, die Maßnahmen konsequent umzusetzen sowie deutlicher auf alternative Lösungen, wie Mehrwegtaschen aus Öko-Baumwolle oder vernähte Kunststofftaschen, aufmerksam zu machen. Zudem drängen die Umweltschutzorganisationen auf eine wesentlich breitere Beteiligung. Vor allem große Teile des Textil- und Möbelhandels haben sich bislang nicht zum Aus des Gratis-Sackerls bekannt.

‘Das Ende des Gratis-Sackerls darf nicht zu einem Körberlgeld für den Handel führen’, warnt Greenpeace-Programmleiter Herwig Schuster, ‘Die Sackerl sind entweder zum Selbstkostenpreis abzugeben oder die Mehreinnahmen müssen zweckgebunden für den Umweltschutz eingesetzt werden. Greenpeace wird ganz genau auf möglichen Etikettenschwindel achten, falls also Unternehmen die zusätzlichen Einnahmen einfach nur zur Finanzierung ihrer PR-Budgets verwenden.’ Doch noch weitere Schritte sind notwendig: Die sogenannten Knotenbeutel, das sind hauchdünne Sackerl, können weiterhin gratis für Obst und Gemüse ausgegeben werden. Hier fordert Greenpeace zusätzliche Maßnahmen zur Reduktion. Beispielsweise könnten Kunden motiviert werden, Birnen, Äpfel und Bananen nicht getrennt einzupacken, sondern dafür ein einziges Sackerl zu verwenden.

‘Uns war in der Tragetaschenvereinbarung besonders wichtig, dass ein Umstieg vom Plastiksackerl auf andere Materialen verhindert wird und die Reduktion der Sackerl insgesamt im Vordergrund steht’, sagt GLOBAL 2000-Geschäftsführerin Leonore Gewessler, ‘Je weniger Einwegtaschen in Umlauf gebracht werden, desto besser für die Umwelt. Wenn alle großen Handelsunternehmen die heutige Vereinbarung umsetzen, kann Österreich hier zum Vorreiter werden.’ Die österreichische Lösung unterscheidet sich auch von der letzte Woche vorgestellten deutschen Variante, die ausschließlich Plastiksackerl regelt. Doch die Umweltorganisationen sehen in Österreich noch Handlungsbedarf, da sehr viele Unternehmen bis jetzt keinerlei Maßnahmen angekündigt haben, allen voran der Möbelhandel und mit wenigen Ausnahmen auch der Textil- und Schuhhandel. In die Pflicht zu nehmen sind hier vor allem die jeweiligen Branchenriesen wie Lutz, Steinhoff (kika und Leiner) und Leder & Schuh mit den Marken Stiefelkönig, Humanic und Jello.

Greenpeace und GLOBAL 2000 kündigten heute zudem an, genau darauf zu achten, dass die Anzahl der Tragetaschen in Österreich in den nächsten drei Jahren tatsächlich halbiert wird. Bereits im Herbst wird Greenpeace sein monatliches Supermarkt-Ranking ‚Nachhaltigkeit im Test‘ dem Thema Sackerl widmen.

Die freiwillige Vereinbarung unterzeichnen: Reiter Betten & Vorhänge GmbH, Lidl Österreich GmbH, Handelsverband, MPREIS Warenvertriebs GmbH, Deichmann, REWE International AG, Hofer KG, SPAR, Unimarkt, Media Saturn, Tchibo/Eduscho, Schäfer Shop, Greenpeace und Global 2000. Die bisher teilnehmenden Händler decken schon 30% des österreichischen Einzelhandelsvolumens und 50% der Einwegtragetaschen ab.

GastautorIn: W.J. Pucher für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /