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Leserbrief als Antwort auf fragwürdigen Artikel zu Fracking

Es gibt sie noch: die aufmerksamen und mitdenkenden MITBÜRGER!

Propaganda hat kurze Beine

Geehrte und geschätzte OEKONEWS-Leserschaft!

Es hat uns ein Leserbrief erreicht, der sich auf einen in einer renommierten österreichischen Tageszeitung publizierten Artikel bezieht. Gerne geben wir diesen Leserbrief hier wieder, da die Thematik sowohl inhaltlich wie auch publizistisch sehr bedeutsam ist, auch wenn dieser Brief nicht an uns gerichtet war.

DER BRIEF:

Sehr geehrter Herr Redakteur,

ich bin mir nicht sicher inwieweit ich Ihnen einen Kommentar zu dem Artikel "Suche nach Schiefergas löst Erdbeben aus" vom 12. Jänner 2015 schicken kann, da ich davon ausgehe, es handelt sich wieder Mal um eine Werbeeinblendung der OMV. Product Placement sagt man ja auch dazu.

Sollte es sich tatsächlich um "Journalismus" handeln was sie tippen, frage ich mich warum liest man in Ihrem Blatt immer wieder Artikel die erwähnen was für eine tolle Idee es doch wäre in Österreich zu fracken. "Wissenschaftler" der Montanuni und Manager der OMV senfen regelmäßig dazu ab wie "innovativ" und Wegweisend Fracking ist. Für wie viele Generationen Österreich absolut sicher wäre wenn wir doch endlich fracken können und wieso nur, ... wieso nur die Bevölkerung doch so dumm ist und nicht endlich kapiert dass Fracking die Eierlegendewollmilchsau für all unsere Probleme ist.

Würden Sie sich tatsächlich bemühen so etwas ähnliches wie Journalismus zu betreiben, ohne OMV-Product Placement, frage ich mich warum Sie denn bisher noch nie einen besorgten Bürger befragt haben? Wieso Sie keine Greenpeace oder Global 2000 interviewen zu dem Thema? Wieso Sie Hrn. Hofstätter in Ihrem Blatt absenfen lassen wie lapidar die Erdbeben sind die durch Fracking ausgelöst werden. Ist der Hr. Hofstätter mittlerweile Experte für eh alles? Ist Erdbeben = Bergbau?

Bringen Sie in Ihren "Artikeln" auch ein Mal das Thema Effizienz ans Tageslicht? Im Peak Oil war das Ratio 1:7. Das bedeutet für die Förderung von 7 Liter Rohöl musste man einen Liter aufbringen. Kennen Sie das Ratio fürs Fracking in 200 Metern Tiefe in den Super-Jus? Sicher nicht! Ich sag es Ihnen: 1:2! Das liest man komischerweise nicht in Ihren "Artikeln".

Wissen Sie auch was spannend wäre? Wenn Sie sich überhaupt ein Mal mit der Materie auseinander setzen. Ihr "Artikel" lässt den Schluss leider nicht zu. Wir alle wissen, die Gas führenden Schichten sind auf 4,5 km Tiefe und das Grundwasser weit höher. Jeder der sich um das Grundwasser sorgt weiß, dass diese Fakten aber nicht ein Mal im Ansatz irgendetwas mit dem Problem zu tun hat. Die Trinkwasser-Verseuchung erfolgt durch sorglosen Umgang mit den Lagerstättenwasser und Kriechwasser das in den Bohrlöchern hochsteigt. Sie versuchen also mit Ihren unentgeltlichen Werbeeinschaltungen die Bevölkerung zu beruhigen, indem Sie Fakten aufs Tablet bringen, die nichts mit dem Thema zu tun haben und tatsächliche Fakten verschweigen. Absicht? Oder Unwissenheit? Ich denke beides. Es kommt Ihnen sicher einfacher, wenn Sie die Montanuni oder gleich die OMV Ihre Artikel schreiben lassen.

Die OMV selbst schätzte das Schiefergasvolumen im Weinviertel so hoch ein, dass damit 10% des österreichischen Bedarfs gedeckt sind. Ich vermisse diese Zahl in Ihren "Artikeln". Man liest wieder "...In Österreich sei ebenfalls unklar, wieviel technisch und wirtschaftlich förderbares Schiefergas in den Böden schlummert. ..." ...hmmm... also doch ein bisserl eine Option, gell. Auch hier sollten Sie eher schreiben, dass selbst wenn man es als innovativ ansieht, den noch letzten fossilen Dreck aus der Erde zu holen, egal wie geisteskrank und aufwändig, werden wir damit nur einen Bruchteil des Energiebedarfs decken und unsere Gasabhängigkeit nicht einmal im Ansatz verlieren.

Können Sie sich vorstellen, wie ärgerlich es für einen Bürger ist, wenn er "Artikel" hinterfragt und erkennt, was für eine armselige Qualität in der Österreichischen Journaille steckt? Und das für sein Geld (Presseförderung, sinnlose Inserate von Behörden und staatlichen Monopolunternehmen)?

Das ist sehr ärgerlich. Geben Sie sich einen Ruck und versuchen Sie doch tatsächlich ein Mal Qualität zu liefern. Dann müsste auch nicht unter Ihrem Namen so ein polemischer Blödsinn abgedruckt werden wie: "...Was ich schade finde. Als Wissenschaftler und Staatsbürger hätte es mich interessiert, zu untersuchen, ob wir wirklich vom Russengas abhängig sind.... ...das neue Feindbild der Umweltschützer... ...der vermutlich schon zahlreiche seismische Verwerfungen vorhanden waren... ...es verursacht aber üblicherweise keine Schäden... ...nur zu geringfügigen Erschütterungen, sagt Bergbau-Experte Herbert Hofstätter... ...Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn ein Lastwagen oder die Eisenbahn vorbeifährt... ...Jeder Eingriff in die Natur, ob die Suche nach Wasser oder Energie, oder der Abbau von Steinkohle, verursacht geringfügige Erschütterungen...(der pure Schwachsinn, der pure Schwachsinn was sie da tippen) ...Angeblich ruhen 18.000 Milliarden Kubikmeter Schiefergas in europäischem Boden, rechnerisch ergeben sich daraus, bei einem jährlichen Verbrauch von 500 Milliarden, tatsächlich mehr als 30 Jahre Energie...(wer schreibt in einem Satz "Angeblich" und "tatsächlich" im selben Zusammenahng? Ist das Qualitätsjournalismus?) ...Im Weinviertel ist man in 4,5 km Tiefe zwar auf eine ausreichend mächtige feinkörnige Schicht gestoßen...(der gesamte vorletzte Absatz ist ein Widerspruch in sich und hat eher etwas von einem Jerry Cotton-Heft‘l als Journalismus) ...

Was Sie komplett vergessen (oder verheimlichen) ist die totale Zerstörung des Landschaftsbildes und die negative Beeinflussung der Lebensqualität. Machen Sie einfach mal eine Rechnung wie viele Bohrplätze es im Weinviertel geben wird, wie viele Sattelschlepperfahrten für den Aufbau der Bohrplätze, die Materialzulieferung (Gift, Sand etc.) und den Gasabtransport erforderlich wären. Dann rechnen Sie sich bitte aus, wie viel CO2 bei den Hunderttausenden Sattelschlepperfahrten in die Luft geblasen werden. So super-innovativ wie sie ja glauben (wissen tun Sie es sicher nicht). Schicken Sie mir Ihre Zahlen, ich sage Ihnen dann wie weit Sie daneben liegen.

Wollten Sie tatsächlich über Innovation im Energie-Sektor schreiben, dann nehmen Sie doch den Ball auf, wie mit moderner Erneuerbarer Energie, Energiespeichern und kommunalen Lösungen, autonome und Umwelt- und Menschenfreundliche Energieversorgung sichergestellt werden kann. Schon heute! Da werden Sie sehr schnell feststellen, dass die Energiewende kein technisches Problem, sondern ein politisches Problem ist. Denn zuviel Establishment verliert dabei den Boden. Die für den fossilen Dreck großen "Energieförderer und -Versorger" braucht’s dann nicht mehr. Aber für solche Artikel bräuchten wir Journalisten und keine "Product Placement-Schreiberlinge".

Mit freundlichem Gruß, Jochen Höfenstock


Der Lesebrief nimmt Bezug auf folgenden Artikel :
http://kurier.at/lebensart/leben/suche-nach-schiefergas-loest-leichte-erdbeben-aus/107.163.428


Artikel Online geschalten von: / hackenberg /