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HCB-Grenzwertüberschreitung in Milch aus dem Handel nachgewiesen

Vertrauen in Behörden endgültig erschüttert

Greenpeace hat am 05. Dezember von der LVA GmbH Testergebnisse von drei Milch- und Topfenproben erhalten. Wir haben das Unternehmen mit der Prüfung der Lebensmittel, die in einem Geschäft in Friesach, Kärnten, am 29. November gekauft wurden, beauftragt. In zwei dieser Proben wurde hochgiftiges Hexachlorbenzol (HCB) nachgewiesen.

Hexachlorbenzol ist eine langlebige, krebserregende und auch einen Embryo schädigende Chlorverbindung. ‘Es ist eine der gefährlichsten Substanzen die wir kennen’, sagt der Chemiker Thomas Jakl, Leiter der Chemikalienabteilung im Umweltministerium.

Hexachlorbenzol zählt zum ‘Dreckigen Dutzend’ und ist in Österreich seit 1992 als Pflanzenschutzmittel und als Industriechemikalie verboten.

"Wir sind entsetzt, dass der Bevölkerung von den Behörden vermittelt wurde, es wären keine kontaminierten Milchprodukte in den Handel gekommen. Konkret wurde HCB in einer Frischmilch der Marke "Sonnenmilch" und in einer Topfenprobe desselben Herstellers nachgewiesen. Der Wert in der Milchprobe lag bei 0,021 mg/kg. Das ist das Doppelte des Grenzwertes von 0,01 mg/kg. In der Topfenprobe lag der Wert bei 0,023mg/kg. Frischmilch ist nicht lange haltbar, sie wurde also erst nach Bekanntwerden des HCB-Skandals abgefüllt", berichtet Herwig Schuster, Chemiker von Greenpeace. Nur im "Schärdinger Erdbeertraum" aus der Bergland-Molkerei in Klagenfurt konnte kein HCB nachgewiesen werden.

Schuster zeigt sich von der Überschreitung der Grenzwerte überrascht. "Wir sind davon ausgegangen, dass in unseren Proben HCB nachweisbar ist, aber mit einer Grenzüberschreitung haben wir nicht gerechnet", erklärt der Chemiker. Greenpeace fordert von der Kärntner Landesregierung im Sinne des Vorsorgeprinzips den Verkauf aller Milchprodukte aus der betroffenen Region so lange zu stoppen, bis sichergestellt ist, dass sie verlässlich deutlich unterhalb des Grenzwertes mit HCB belastet sind.

Wahres Ausmaß der HCB-Verseuchung weiterhin unklar

Bei einer am Abend des 04.12. von den Wietersdorfer & Peggauer Werken organisierten Bürgerversammlung in Klein Sankt Paul hat ein Schuldeingeständnis und eine Entschuldigung der Firma sowie ein paar neue Informationen gebracht. So wurde bekannt, dass bereits 90.000 Tonnen "Blaukalk" verwertet wurden. "Das wahre Ausmaß der Verseuchung bleibt jedoch weiterhin unklar", resümierte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster nach der Versammlung, "denn derzeit scheint niemand zu wissen, wie viel HCB in diesen 90.000 Tonnen wirklich war und wie viel davon über den Schornstein entwichen ist."

Weder hat das Unternehmen von sich aus vor November 2014 HCB-Messungen durchgeführt noch wurden von der Behörde irgendwelche spezifischen Auflagen hinsichtlich der Blaukalkverwertung vorgeschrieben. Auch die Befürchtung von Greenpeace, dass außer HCB noch andere Gifte aus dem "Blaukalk" in die Umwelt entwichen sein konnten, konnte gestern nicht entkräftet werden. "In der Deponie lagerten viele andere, darunter auch krebserregende Chemikalien in noch größerer Menge als HCB", sagt Schuster, "bis jetzt hat niemand danach gesucht." Greenpeace lässt daher bereits einige Milchproben auch auf andere Gifte untersuchen. Die Ergebnisse werden aufgrund der zeitaufwändigen Analysen erst in rund zehn Tagen vorliegen.

HCB-Belastung lange Zeit bekannt

Im Zusammenhang mit kontaminierter Milch in Kärnten haben Greenpeace-Recherchen ergeben, dass die Hexachlorbenzol-Belastung im Brückler ‘Blaukalk" seit 2004 im beim Umweltbundesamt öffentlich aufliegenden Altlastenatlas dokumentiert ist. Im Frühling 2011 haben sich die Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke um einen von der Donau Chemie AG ausgeschriebenen Auftrag zur Verwertung des in der Altlast in Brückl befindlichen Kalks beworben und diesen Auftrag im September 2011 erhalten. Aus den Greenpeace vorliegenden Ausschreibungsunterlagen geht eindeutig hervor, dass dieser Kalk hohe Gehalte an Chlorkohlenwasserstoffen darunter auch HCB aufweist.

‘Es kann nicht sein, dass das Zementwerk jetzt so tut, als ob es von der HCB-Belastung überrascht worden wäre", kritisiert Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster die Werksleitung, ‘Wietersdorfer & Peggauer muss jetzt die volle Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass jede weitere HCB-Verteilung in die Umwelt unterbunden wird."

Nicht nachvollziehbar ist für Greenpeace auch, warum die Emissionen nicht früher entdeckt wurden. Der HCB-belastete Kalk wird vom Werk seit knapp zweieinhalb Jahren verarbeitet. ‘Es liegt für uns auch der Verdacht nahe, dass die Kärntner Behörden bei Beginn dieser HCB-Entsorgung ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sein könnten", so Schuster. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft Sankt Veit an der Glan konnte eine betreffende Greenpeace-Anfrage zu durchgeführten HCB-Abgasmessungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.



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