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Erstmals mehr als drei Viertel der heimischen Energieproduktion aus Erneuerbaren Energien

Aktualisierte Energiebilanz der Statistik Austria zeigt: Erneuerbare Energien massiv ausgebaut - Verbrauch und Wachstum entkoppelt

Wien - Die von der Statistik Austria im Auftrag des Wirtschaftsministeriums und des Umweltministeriums erstellte
Energiebilanz für das Jahr 2012 bestätigt mehrere positive Trends. So decken Wasserkraft und sonstige Erneuerbare Energien gemeinsam bereits 75,4 Prozent der gesamten heimischen Energieproduktion ab,
was einem Plus von 1,7 Prozentpunkten gegenüber 2011 entspricht.

"Österreich setzt mehr denn je auf den zügigen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das schafft eine Win-Win-Situation für Wirtschaft, Umwelt und Klima", sagen Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner und Umweltminister Niki Berlakovich zu den am Mittwoch der Vorwoche veröffentlichten aktualisierten Zahlen.

Laut Statistik Austria war 2012 ein besonders starkes Jahr der Wasserkraft, deren Stromerzeugung um 28 Prozent gestiegen ist. Mit einem Plus von 27 Prozent bzw. 94 Prozent sind aber auch Wind und Photovoltaik rasant gewachsen. "Unser Ökostromgesetz wirkt, die Maßnahmen zum Abbau der Warteliste und die aufgestockten Förderungen greifen", so Mitterlehner. "Einen Hattrick hat die Sonnenseite der Energiegewinnung 2012 erzielt. Zum dritten Mal in Folge hat sich die Stromproduktion durch Photovoltaik gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.
Heute kann der Verbrauch von 100.000 Haushalten mit Sonnenstrom abgedeckt werden. Maßgeblicher Rückenwind dafür kam zusätzlich zum Ökostromgesetz durch die PV-Förderung des Klima- und Energiefonds",
erklärt Berlakovich. Durch die gestiegene heimische Erzeugung aus Erneuerbaren ist zudem der Eigenversorgungsgrad von 34,1 auf 38,1 Prozent gestiegen.

Verbrauch: Erneuerbare auf der Überholspur

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch (gemäß EU-Richtlinie) ist auf Basis der neuen Daten um 1,5 Prozentpunkte gestiegen und lag bei 32,2 Prozent. "Wir sind daher weiter optimistisch, das an die EU gemeldete 2020-Ziel von 34 Prozent übertreffen zu können. Nur drei Länder sind noch ambitionierter als
Österreich, der EU-Schnitt liegt bei einem Ziel von 20 Prozent", sagt Mitterlehner. Den positiven Trend zeigt auch der langfristige Vergleich: Im Basisjahr 2005 lag dieser Erneuerbaren-Wert in Österreich nur bei 23,9 Prozent, im Jahr 2008 bei 28,3 Prozent. "Auch die Struktur des Bruttoinlandsverbrauches hat sich mit einem Anteilsgewinn von fast vier Prozentpunkten zugunsten der erneuerbaren Energien und zulasten der fossilen Energieträger verschoben", so Mitterlehner. "Generell haben unsere Bemühungen eine positive Entwicklung ausgelöst. Während die fossilen Energieträger im Verbrauch einen Rückgang verzeichnen, liegen die Erneuerbaren, Biomasse, Wasser, Wind und Sonne, auf der Überholspur", so Berlakovich.

Trotz der im Vergleich zum Vorjahr deutlich kälteren Temperaturen (Zahl der Heizgradtage stieg um 4,6 Prozent) und einer positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (BIP real +0,9 Prozent) war 2012 sogar ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsverbrauchs (-0,2 Prozent) zu verzeichnen. Verbrauchsmindernd wirkten die stark
gesunkenen Umwandlungsverluste in der Stromerzeugung, da durch die guten Bedingungen für Wasserkraft der Einsatz der Wärmekraftwerke zurückgefahren werden konnte. Deutliche Rückgänge gab es bei Kohle, Gas und Öl sowie bei den Stromimporten, die mengenmäßig um knapp sieben Prozent abgenommen haben. Damit gingen auch der Graustromanteil und somit der rechnerische Atomstromanteil im Jahr 2012 weiter zurück. "Durch die verpflichtende Stromkennzeichnung und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien wird Österreich bereits
2014 auch bilanziell unabhängig von Atomstrom sein", so Mitterlehner.

Energieverbrauch langfristig vom Wirtschaftswachstum entkoppelt

Der Endenergieverbrauch liegt mit 1.096 Petajoule weiterhin sehr gut im Rahmen des Ziels der Energiestrategie, den Verbrauch bei jenem des Jahres 2005 mit 1.100 Petajoule zu stabilisieren. Die Energieeffizienz - bezogen auf den Energieverbrauch je Einheit gesamtwirtschaftlicher Produktion - konnte im Vorjahr um weitere 1,0 Prozent gesteigert werden. Der langfristige Vergleich mit 2005 zeigt die deutliche Entkoppelung zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum: Während der Bruttoinlandsverbrauch in den vergangenen acht Jahren um zwei Prozent rückgängig ist, stieg das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum um 10,7 Prozent. "Diese Zahlen zeigen, dass wir den Energieverbrauch vom Wirtschaftswachstum entkoppeln konnten und damit schonend mit den Ressourcen für die nachkommenden Generationen umgehen. Diesen Trend müssen wir in Zukunft durch weitere Maßnahmen verstärken", so Mitterlehner.

"Erneuerbare Technologien in Verbindung mit Energieeinsparung schaffen green jobs und bringen Wertschöpfung bei gleichzeitigem Schutz von Klima und Umwelt. Die Wirkungskraft von Erneuerbaren und Energieeffizienz lässt sich auch anhand von wirtschaftlichen Zahlen belegen. Derzeit werden im Umweltsektor knapp 33 Milliarden Euro
erwirtschaftet, davon entfällt etwa die Hälfte auf das Management der Energieressourcen. Etwa 63.500 Beschäftigte sind in diesem Sektor in Österreich tätig", unterstreicht Berlakovich. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Auslandsabhängigkeit der heimischen Energieversorgung im Jahr 2012 deutlich abgenommen hat und laut
Statistik Austria nun statt 70,1 Prozent bei 63,7 Prozent liegt.


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