© VCS/Andrea Badrutt - Chur Rhätische Bahn und Postauto bei Ardez
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Schweiz: Keine Verkehrspolitik nach dem Giesskannenprinzip

VCS fordert eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik

Bern - Die Schweiz darf keine Verkehrspolitik nach dem Giesskannenprinzip verfolgen: Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz hat sich am Freitag an seiner Jahresmedienkonferenz in Bern entschieden für einen umweltbewussten Ausbau der Verkehrsnetze ausgesprochen. Er forderte wirksame Massnahmen gegen den hohen Energieverbrauch des Verkehrs und seine zersiedlungsfördernde Wirkung.

In den letzten Jahren wurden in der Schweiz intensive Diskussionen um die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs geführt. Auslöser war die Initiative «Für den öffentlichen Verkehr» des VCS und seiner Partner. Sie veranlasste den Bundesrat, einen substanziellen Gegenvorschlag auszuarbeiten.

Der Gegenvorschlag dürfe nun aber nicht zum Anlass werden, eine Verkehrspolitik nach dem Giesskannenprinzip einzuschlagen, forderte der VCS am Freitag in Bern. Der Verkehr trage stark dazu bei, das Pendeln und damit die Zersiedelung zu fördern, sagte VCS-Zentralpräsidentin Franziska Teuscher.

Die Verkehrspolitik müsse darauf abgestimmt werden, die Zersiedelung zu verringern, forderte Franziska Teuscher. Es müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, um das Pendeln zu verringern. Neue Wohn- und Industriesiedlungen müssen dort erstellt werden, wo eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr vorhanden sei. Neue Strassen müssten mit grosser Zurückhaltung gebaut werden.

Auf das Jahrzehnt des Pendelns müsse nun ein Jahrzehnt der Raumplanung und des «Slowing down» folgen, sagte Franziska Teuscher weiter. Der VCS-Zentralvorstand habe sich deshalb im Hinblick auf die Abstimmung vom 3. März auch für das neue Raumplanungsgesetz ausgesprochen.

VCS-Vizepräsident Roger Nordmann warnte davor, dass die Verkehrspolitik die Anstrengungen der Energiestrategie 2050 zunichte machen könnte. Der Bund schmiede Pläne für neue Autobahnen. Neue Strassen verursachten jedoch mehr Verkehr und verschärften die Erdölabhängigkeit. Der Bund müsse Massnahmen ergreifen, um den Energieverbrauch des Verkehrs zu senken: Statt den öffentlichen Verkehr zu verteuern, müsse er die Treibstoffpreise erhöhen. Und statt Milliarden für eine zweite Gotthardröhre auszugeben, müsse der Güterverkehr endlich auf die Schiene verlagert werden.

Der VCS werde auch 2013 dafür kämpfen, dass der Verkehr nicht noch mehr zum Ressourcenverschlinger werde, betonte Co-Geschäftsleiterin Caroline Beglinger. Möglich werde dies durch Verlagerung: Der Strassenverkehr müsse auf die weitaus umweltfreundlichere Bahn verlagert werden. Fuss- und Veloverkehr müssten innerorts entschieden gefördert werden.

Mensch und Umwelt stünden im Zentrum der verkehrspolitischen Bestrebungen des VCS, ergänzte Co-Geschäftsleiter Martin Enz. «Mensch und Umwelt» diese Maxime führe der VCS deshalb auch in seinem Logo, das nun modernisiert und verjüngt worden sei.

GastautorIn: VCS für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /