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"Elektromobilität in und aus Österreich" soll forciert werden

Bundesregierung beschließt Umsetzungsplan Elektromobilität im Ministerrat - Bures, Berlakovich und Mitterlehner: "E-Mobilität ist Technologie-, Wirtschafts- und Umweltthema"

Wien - Umweltminister Nikolaus Berlakovich, Wirtschafts-und Energieminister Reinhold Mitterlehner und Infrastrukturministerin Doris Bures haben am Dienstag den Umsetzungsplan "Elektromobilität in und aus Österreich" dem Ministerrat vorgelegt, der von allen drei Ministerien gemeinsam mit rund 200 ExpertInnen ausgearbeitet wurde. Die wesentlichen Aspekte sind: technologische Entwicklung im Fahrzeugbau (Leichtbau, Antriebssysteme, Batterien), Ladeinfrastruktur, Energie und Netze (Smart Grids), bedarfsgerechte E-Mobilitätsangebote (E-Car-Sharing, Buchung und Ticketing), Verknüpfung mit dem Öffentlichen Verkehr, Unterstützung für frühe Anwender, internationale Standardisierungen, Ausbildung in neuen Berufsfeldern und Mobilitätsausbildung.

"Die Elektromobilität ist zugleich ein Technologie-, Wirtschafts-und Umweltthema. Durch gut abgestimmte Strategien können wir einen Mehrwert für Österreich erzielen", betonen die drei MinisterInnen. Alle Gebietskörperschaften, Forschungseinrichtungen, wirtschaftliche Konsortien und Unternehmen sollen unmittelbar daran anschließen können, denn es muss ein gemeinsamer Weg beschritten werden, um die Potentiale der Elektromobilität für Österreich bestmöglich zu nutzen. "Für umweltfreundlichen Verkehr, für die heimischen Unternehmen in der Fahrzeugindustrie und allen weiteren betroffenen Branchen und für den Umwelt- und Klimaschutz", so die drei Bundesminister. Elektromobilität wird als vernetztes Mobilitätsystem von Bahn, E-Nutzfahrzeugen, E-Bussen und E-Pkw bis zu E-Scootern und E-Fahrrädern verstanden.

"Neue Technologien und innovative organisatorische Lösungen ermöglichen attraktive, bedarfsgerechte und leistbare Mobilität, dabei kommt es nicht zuletzt auf die intelligente Verknüpfung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an", meint Infrastrukturministerin Bures.

2020 sollte jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug teil- oder vollelektrifiziert sein. "Durch unser nachhaltig ausgerichtetes Energiesystem mit einem hohen und weiter steigenden Anteil an erneuerbaren Energien haben wir im internationalen Vergleich eine gute Ausgangsbasis. Dazu können wir uns durch die energieffizienten Elektromotoren schrittweise aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern lösen", erklärt Wirtschafts- und Energieminister Mitterlehner. "Wenn verstärkt erneuerbare Energieträger in der E-Mobilität zum Einsatz kommen, können Treibhausgase und Luftschadstoffemissionen nachhaltig reduziert werden!", ergänzt Umweltminister Nikolaus Berlakovich. "Damit setzen wir wieder einen Schritt in Richtung Klimaschutz und Energieautarkie um. Wir unterstützen erfolgreich bereits heute Betriebe, Gemeinden und Regionen beim Einsatz von E-Fahrzeugen in ihren Fuhrparks."

"Der Ausbau der Elektromobilität stärkt wichtige Kernkompetenzen der heimischen Wirtschaft und ermöglicht uns ein Standbein in den globalen Technologiemärkten der Zukunft", so Mitterlehner. "Bis zum Jahr 2030 könnten durch das Ausnützen aller Potenziale bis zu 57.100 Vollzeit-Arbeitsplätze und eine Bruttowertschöpfung von bis zu 4,7 Milliarden Euro geschaffen werden", verweist Mitterlehner auf die Potenziale für Wachstum und Beschäftigung am Standort Österreich. "Österreich hat eine starke und innovative Fahrzeugindustrie. Hierzulande werden gemessen an der Bevölkerungszahl mehr Motoren produziert als in Deutschland. Heimische Unternehmen sind herausragend bei der Entwicklung und Produktion in den Bereichen Elektronik, Batterien, Antriebsstrang etc. Forschung und Entwicklung sichern diesen Vorsprung ab, wenn es darum geht, die Fahrzeugtechnologien auch auf alternative Antriebe auszurichten", so Bures.

"Wir müssen die begonnene Markteinführung der Elektromobilität durch intelligente Anreizsysteme mit Fokus auf den Einsatz in Fahrzeugflotten und die Vernetzung der Modellregionen zu E-Mobilität weiter vorantreiben," betont Umweltminister Berlakovich. "Gerade durch die Praxistests in den Modellregionen können die Vorteile der Elektromobilität für die Unternehmen, Gemeinden und die Bürgerinnen und Bürger praktisch erfahrbar gemacht werden."

Mit Elektromobilität können außerdem zukunftsträchtige Ausbildungsoptionen und Berufsbilder etabliert sowie Arbeitsplätze und neue Jobchancen gerade für die Jugend geschaffen werden. Darüber hinaus sollen Qualifizierungsprogramme dem Facharbeitermangel vorbeugen.

Die Forcierung der Elektromobilität erfordert das Engagement aller in diesem Bereich tätigen Gebietskörperschaften, Unternehmen, Institutionen, Plattformen und Verbände. Erfolgreich gestartete Aktivitäten und Initiativen, Forschungs- und Förderprogramme, Modellregionen und Leuchtturmprojekte liefern schon heute wertvolle Ergebnisse. Diese Dynamik soll mit dem Umsetzungsplan genutzt, verstärkt und ausgebaut werden. Der Umsetzungsplan soll als ein Impulsgeber und eine breite Umsetzungplattform seitens des Bundes wirken, um innovationsfreundliche Rahmenbedingungen in Österreich zu schaffen und Planungs- und Investitionssicherheit zu geben.

Alle Akteure sind eingeladen, die Forcierung der Elektromobilität zu unterstützen und tatkräftig daran mitzuwirken. Die kurzfristig zu initiierenden Maßnahmen des Umsetzungsplans sind dabei ein weiterer Schritt, um Elektromobilität in und aus Österreich national und international auf der Erfolgsspur zu halten. Der gemeinsame Weg der interministeriellen Zusammenarbeit wird mit der bereits etablierten Steuerungsgruppe und deren Expertenbeirat fortgesetzt. "Nutzen wir die großen Chancen, die Elektromobilität für Österreichs BürgerInnen und Umwelt, Mobilität und Technologie, Energie und Wirtschaft bietet", unterstreichen Bures, Mitterlehner und Berlakovich.

Insgesamt wurden im Umsetzungsplan "Elektromobilität in und aus Österreich" 65 Maßnahmen definiert die von den einzelnen Ministerien oder gemeinsam initiiert werden. Der Umsetzungsplan im Internet: emobil.bmvit.gv.at und www.bmwfj.gv.at

Schwerpunkte des Lebensministeriums

Die Maßnahmen des Lebensministeriums zielen auf einen möglichst hohen Umwelteffekt der Elektromobilität mit Einsatz von Strom aus erneuerbarer Energiequellen ab. Dabei wird ein Schwerpunkt in den nächsten beiden Jahren darin bestehen, die erfolgreich begonnenen Initiativen zur Förderung der Martkteinführung der E-Mobilität wie das klima:aktiv mobil Programm für Fuhrparkumstellungen auf E-Fahrzeuge von Betrieben und Gemeinden als wichtiges Element eines intelligenten Anreizsystems weiterzuentwickeln.

Als weitere Schwerpunkt sollen die acht bestehenden Modellregionen der E-Mobilität im Rahmen des Klima- und Energiefonds - Vorarlberg/Rheintal, Großräume Salzburg, Graz und Wien, Eisenstadt und Wien-Süd NÖ, sowie die großen E-Flottenprojekte der österreichischen Post AG und das E-Logistikprojekt in Klagenfurt - vernetzt und damit in ihren Wirkungen weiter gestärkt werden. Die Umwelteffekte und Klimavorteile der E-Mobilität sollen ergänzend ebenfalls laufend evaluiert werden. Die Ergebnisse dieser Modellprojekte und die Vorteile der Elektromobilität mit Strom aus erneuerbaren Energien und ihre Potentiale für Green Jobs sollen durch breite Bewusstseinsbildung aufgezeigt werden.

Schwerpunkte des Infrastrukturministeriums

Das Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie investiert seit langem in die angewandte Forschung und Entwicklung im Bereich innovativer Fahrzeugtechnologien. Dabei fokussiert das BMVIT weiterhin auf die Entwicklung und Integration innovativer Technologien für E-Fahrzeuge und E-Infrastrukturen im Verkehrssystem. Wegbereiter dafür sind die bereits etablierten Leuchtturmprojekte EMPORA, CMO, E-LOG BIO FLEET, EMORAIL, SMILE und VECEPT.

Darüber hinaus geht es verstärkt um ordnungspolitische Rahmenbedingungen zur Orientierung und Umsetzung einheitlicher nationaler Mindestanforderungen bei Planung, Errichtung und Betrieb von E-Mobilitätslösungen. Europäische und internationale Kooperationen für Technologieentwicklung, Bau- und Prüfvorschriften sowie Normung und Standardisierung werden begleitend dazu intensiviert. Die Umsetzungsmaßnahmen beinhalten dabei verstärkt Mobilitätsausbildungs- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen von Kindern, Jugendlichen sowie allen VerkehrsteilnehmerInnen.

Schwerpunkte des Wirtschaftsministeriums

Stärken der heimischen automotiven Industrie sind vor allem multi-use Komponenten, die in mehreren Antriebskonzepten Anwendung finden können (wie die Batterie oder der Leichtbau). Das Wirtschaftsministerium unterstützt besonders die Batterieforschung, weil gerade bei der Verlängerung der Lebensdauer der Batterien und der Reichweite noch Verbesserungspotential besteht.

Etablierte Initiativen und Programme sollen helfen, die Innovationen aller betroffenen Branchen auf die Straße zu bringen. Damit sollen österreichische Unternehmen fit für den internationalen Wettbewerb gemacht werden. In der hochrrangigen Gruppe Cars 21 arbeitet Österreich intensiv an der Entwicklung einer industriepolitischen Strategie für die europäische automotive Industrie mit. Diese europäische Strategie ist besonders für ein Zulieferland wie Österreich wichtig. Substitutions- und Recyclingtechnologien eröffnen weitere Potentiale für den Wirtschaftsstandort und helfen die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen zu steigern. Auch Zukunftsfelder wie Wasserstofftechnologien sollen forciert werden. Dafür wurde vor kurzem die Energieforschungsinitiative ins Leben gerufen, die unter anderem Erforschung und Umsetzung der Gewinnungsmöglichkeiten von "Grünem Wasserstoff" unterstützen soll.

Im Lehrberuf Kfz-Technik ist ein Modul Elektromobilität geplant. Daneben soll ein Kursystem für entsprechende Ausbildner betriebliche Ausbildungsplätze schaffen. Flankiert werden diese Maßnahmen auch durch das Forcieren von Ausbildungs und Qualifizierungskooperationen zwischen Wirtschaft und Universitäten. Eine wichtige Schnittstelle zwischen Energiesystem und Verkehrsmodi ist die Ladeinfrastruktur. Die Erstellung eines Katalogs mit Mindestanforderungen und Sicherheitsbestimmungen beugt "stranded investments" vor. Auf internationaler Ebene setzt sich das Wirtschaftsministerium für eine schnelle Einigung bei der Standardisierung ein.

Was meint die Wirtschaft?

Die Industrie begrüßt den vom Ministerrat beschlossenen Umsetzungsplan zur Förderung von Elektromobilität in und aus Österreich. "Der Umsetzungsplan ist ein richtiger Schritt, um einen ganzheitlichen Ansatz der Elektromobilität in Österreich zu forcieren. Damit wird unserer Forderung nach einer koordinierten Elektromobilitätsstrategie für Österreich Rechnung getragen", so der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Peter Koren. Die Elektromobilität eröffne insbesondere für die österreichische Auto- und Zuliefer-, Elektro und Elektronikindustrie, der IKT-Branche aber auch in der Energieversorgung neue Marktchancen und könne zur Steigerung der österreichischen Wertschöpfung und den damit verbundenen Arbeitsplätzen in Österreich beitragen, so Koren.

"Für die Industrie ist das Thema Elektromobilität allen voran ein Standortthema. Daher ist es notwendig, nicht nur Elektromobilität in Österreich, sondern auch insbesondere Spitzentechnologie und Produktion für Elektromobilität aus Österreich zu fördern", betonte Koren. Der Schwerpunkt müsse daher auf Forschung und Entwicklung, Innovation und Technologieentwicklung sowie der erfolgreichen Industrialisierung und Marktüberleitung liegen.

"Vielfalt ist auch bei der Elektromobilität Trumpf. Es ist zentral, dass ein breites Portfolio an schrittweiser Elektrifizierung in den Maßnahmen einbezogen wird", so Koren, der darauf verwies, dass konventionelle angetriebene Fahrzeuge mittelfristig dominieren würden. Es brauche daher auch Übergangstechnologien, wie etwa Hybrid, Plug In Hybride und Range Extender.


Die österreichische Automobilindustrie und die Elektro- und Elektronikindustrie leisten mit ihren innovativen Technologien und Produkten einen maßgeblichen Beitrag für ein innovatives Gesamtverkehrssystem. Die Interessenvertretungen der FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) sowie der Fachverband der Fahrzeugindustrie (FFÖ), begrüßen daher den Plan ebenfalls.

"Der Umsetzungsplan ist eine wichtige Voraussetzung, alle mit innovativer und sauberer Mobilität zusammenhängenden Themen aktiv voranzutreiben. Die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Fahrzeugindustrie sind die Leistungsträger eines neues Technologiebereichs, in dem sich Wertschöpfungspotenziale von bis zu zusätzlichen 4,7 Mrd. Euro sowie mehr als 57.000 weitere Arbeitsplätze bis 2030 ergeben können", betonen FEEI-Geschäftsführer Lothar Roitner und Geschäftsführer-Stv. Andreas Gaggl vom Fachverband der Fahrzeugindustrie. Daher werde man eine konsequente Umsetzung der 65 im Plan enthaltenen Maßnahmen mit Nachdruck einfordern. Bei der Erarbeitung des Umsetzungsplans waren führende Leitunternehmen der beiden Branchen sowie die zwei Fachverbände aktiv eingebunden.

Besondere Bedeutung hat daher, dass Elektromobilität wie im beschlossenen Umsetzungsplan als innovatives Gesamtsystem verstanden wird, das von der Optimierung der konventionellen Antriebe als wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung des Antriebsstranges (Plug-in Hybrid, Range Extender, Pure Electric Vehicle) bis hin zu Ladeinfrastrukturen, Kommunikationssystemen und intelligenten Stromnetzen auf einer Vielzahl von verschiedenen Technologien reicht.

Handlungsfelder von Forschung bis Marktdurchdringung

Begrüßenswert ist auch der duale Ansatz des Plans. Elektromobilität AUS Österreich dient der Stärkung des Technologiestandortes. Hier gilt es vorrangig bestehende Instrumente für F&E und Demonstrationsprojekte zu stärken sowie neue zu etablieren. Über IN Österreich muss der Forcierung der Marktreife und in der Folge der Marktdurchdringung der Technologien Rechnung tragen. Dabei sollten vor allem marktwirtschaftlich orientierte Anreizssysteme wie indirekte Steuern oder vorgezogene Abschreibungen zur Anwendung kommen. Begrüßt wird von beiden Fachverbänden die Evaluierung der direkten Kaufanreize. Der Umsetzungsplan sieht hier eine Öffnung für alle elektrifizierten Antriebsarten vor, ebenso gelte es die Verknüpfung mit heimischer Wertschöpfung sicherzustellen.

Strom für Elektromobilität muss sauber sein

Kritik kommt von Greenpeace, da sie zentrale Frage nach dem Ursprung des Stroms bleibt weiterhin offen bleibt.

"Nur wenn Elektroautos mit 100 Prozent sauberen Strom fahren, hat der Umstieg auf Elektromobilität wirklich einen positiven Nutzen für die Umwelt", kommentiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof. "Seitens der Bundesregierung gibt es hier bisher aber nur Wunschdenken und Lippenbekenntnisse - das ist zu wenig! Was wir brauchen ist eine verbindliche Reglung, die garantiert, dass Elektroautos zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom betrieben werden müssen. Es gibt bereits einen Vorschlag zur Umsetzung - jetzt müssen die zuständigen Minister aktiv werden."

Begrüßt wird der Umsetzungsplan auch vom Bundesverband nachhaltige Mobilität, in dem die der derzeitigen Elektroautofahrer vertreten sind, und der sich auch als "konkreter Umsetzer in der Praxis" sieht. "Unsere Mitglieder sind schon jetzt zu mehr als 95% mit erneuerbaren Energien unterwegs, wie eine interne Umfrage gezeigt hat. Wir sehen die Standardisierung der Ladestationen und der Ladevarianten als ein besonders wichtiges Thema. " meint die Präsidentin des Verbands, Doris Holler-Bruckner.



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