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Förderoffensive für thermische Sanierung geht weiter

100 Millionen Euro für Energiesparen - Neuer Bonus für Sanierung denkmalgeschützter Gebäude und Öko-Dämmstoff-Einsatz

Wien- Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner und Umweltminister Nikolaus Berlakovich haben am Freitag in einer Pressekonferenz die neue Förderoffensive für die thermische Sanierung mit einem Volumen von 100 Millionen Euro präsentiert. Für den privaten Wohnbau stehen 2012 erneut 70 Millionen Euro zur Verfügung, für Betriebe 30 Millionen Euro. "Die thermische Sanierung schafft eine Win-Win-Win-Situation für Umwelt, Wirtschaft und Hausbesitzer. Der Treibhausgas-Ausstoß sinkt, es entstehen tausende Green Jobs und auch die Wohnenden profitieren durch mehr Lebensqualität und geringere Heizkosten", so Berlakovich und Mitterlehner unter Verweis auf die Ziele der Energiestrategie Österreich.

"Allein im Vorjahr haben wir mit einem Fördervolumen von 100 Millionen Euro Investitionen von rund 860 Millionen Euro ausgelöst und rund 12.500 Arbeitsplätze gesichert und geschaffen", sagte Mitterlehner. "Jeder investierte Euro hilft beim Energiesparen und schafft einen Mehrwert für Wachstum und Beschäftigung. Der Sanierungsscheck ist daher eine effiziente und richtig dimensionierte Zukunftsinvestition mit starken Konjunktureffekten", sagte Mitterlehner.

"Mit den 2011 genehmigten Projekten wird auch ein beachtlicher Umwelteffekt erreicht - eine Einsparung von insgesamt 4,4 Millionen Tonnen CO2. Drei Viertel davon entfallen auf private Haushalte, ein Viertel auf Betriebsgebäude. Derartig sinnvolle Investitionen wollen wir auch 2012 ermöglichen - im Sinne von Ökologie und Ökonomie. Energie sparen, heißt Geld und CO2 sparen. Jedes sanierte Haus ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Energieautarkie Österreichs", unterstrich Berlakovich.

Die Details

Neue Förderanträge stehen ab dem 1. Februar zur Verfügung und können ab dem 20. Februar direkt bei den Banken und Bausparkassen eingereicht werden. Für umfassende thermische Sanierungen von über 20 Jahre alten Gebäuden werden Zuschüsse von bis zu 5.000 Euro vergeben. Dazu kommen mögliche Zuschüsse von bis zu 1.500 Euro für die Umstellung auf umweltfreundliche Heizsysteme. "Je umfangreicher die Sanierung, desto höher ist der Zuschuss", erläuterten Mitterlehner und Berlakovich. Teilsanierungen werden mit bis zu 3.000 Euro unterstützt, wenn der Heizwärmebedarf um mindestens 30 Prozent verringert wird. Neu ist, dass 2012 auch bei Teilsanierungen mit einer 20-prozentigen Energieeinsparung eine Förderung von 2.000 Euro gewährt wird. Damit sollen auch Sanierungen, die in Etappen durchgeführt werden (zum Beispiel in einem Jahr nur die Fenster, nach zwei Jahren die Wärmedämmung) unterstützt werden. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist jeweils via Energieausweis darzustellen.

Neu dabei: Bei der Verwendung von Öko-Dämmstoffen (aus nachwachsenden Rohstoffen oder mit Umweltzeichen) gibt es einen Bonus von 500 Euro. Für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude können zusätzlich 2.000 Euro abgeholt werden. Bei Teilsanierungen braucht es keinen Energieausweis, sondern es genügt eine Bestätigung des Bundesdenkmalamtes über die "Vertretbarkeit" der Maßnahme. Ein Energieausweis ist hier nur bei umfassenden Sanierungen vorzulegen. Der Zuschuss beträgt dann 7.000 Euro. "Bei gleichzeitiger Heizungsumstellung (+1.500 Euro) und Verwendung ökologischer Baustoffe (+500 Euro) kann die Förderhöhe auf 9.000 Euro bzw. maximal 20 Prozent der Investitionskosten steigen.

Neu sind auch Erleichterungen für Sanierer im mehrgeschossigen Wohnbau. 2011 musste für eine Gesamtsanierung ein einstimmiger Eigentümer-Beschluss vorliegen, um in den Genuss der Förderung zu kommen. Künftig wird auch ein Mehrheitsbeschluss ausreichen, sobald dieser nicht mehr rechtlich anfechtbar ist. Darüber hinaus sinkt die Mindestanforderung bei Teilsanierungen von 15 auf zehn Prozent Energieeinsparung, was die Förderbarkeit des alleinigen Fenstertausches erleichtert.

Für Mieter in mehrgeschossigen Wohnbauten gilt folgende Neuregelung: Bei einer Generalsanierung kann durch Abschluss einer Sanierungsvereinbarung zwischen dem Vermieter und allen Mietern die damit üblicherweise verbundene befristete Erhöhung des Mietzinses (meist zehn Jahre) durch die Förderung verringert werden. Der Vermieter bekommt die Förderung überwiesen und hat dafür zu sorgen, dass diese in der Berechnung der Miethöhe den Mietern zugutekommt. Damit sollen Vorzieheffekte bei Sanierungen im mehrgeschossigen Wohnbau ausgelöst werden, auch wenn die Mietzinsreserve allein nicht für eine Generalsanierung ausreichen würde. Bisher konnten Mieter nur beim Fenstertausch von der Förderung profitieren, aber nicht bei einer Gesamtsanierung.


Alle Details zur Förderoffensive gibt es ab dem 1. Februar auf der Webseite http://www.sanierungsscheck2012.at/

Umwelt und Wirtschaft haben Vorteile

Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien freut sich: " Das ist Fördergeld, von dem das Bau- und Baunebengewerbe direkt profitiert, das die Klimabilanz Österreichs aufbessert und zudem hohe Wertschöpfung im Inland schafft", so Jank.

Allein an den Bund fließen dadurch wieder rund 200 Mio. Euro an Einnahmen retour. Außerdem sichern thermische Sanierungen 10.000 Arbeitsplätze in Österreich und der Wert von sanierten Häusern, Wohnungen und Betriebsgebäuden steigt beträchtlich.

Unzufrieden zeigt sich Jank auch mit der Abwicklung der Thermisch-Energetischen-Wohnhaussanierungs-Förderung der Stadt Wien: "Trotz nachweislicher, gesamtwirtschaftlich positiver Effekte der Sanierungsförderung bleiben viele Anträge in Wien liegen, weil der Fördertopf zu gering gefüllt ist." Sie appelliert daher an die Stadt, ihre Förderung ausreichend zu dotieren, um die eingereichten Projekte rasch umsetzen zu können.

Wie sehr sich Sanierungsmaßnahmen bezahlt machen, verdeutlicht ein Beispiel: Eine 110 Quadratmeter große Wohnung aus den 1970er-Jahren mit einer Energiekennzahl von 236 ist vergleichbar mit einem Auto, das 23 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Kein Autofahrer würde eine derartige Energieverschwendung heute noch in Kauf nehmen.

Global 2000 fordert Verlängerung der Förderinitiative bis 2020

"Die Neuauflage des Sanierungschecks für 2012 kommt damit wie erwartet. Damit diese sinnvolle Förderinitiative aber auch im Zeitraum der nächsten Klimaziele bis 2020 voll wirksam werden kann, muss der Sanierungscheck bis 2020 verlängert werden", fordert Johannes Wahlmüller, Klima- und Energieexperte von GLOBAL 2000. "Denn leider ist das Ziel für den Klimaschutz, die Sanierungsrate auf drei Prozent zu heben, immer noch nicht erreicht", erklärt Wahlmüller.

In der Pflicht sieht GLOBAL 2000 aber auch die Länder, die ihre Budgets für thermische Sanierung im Gegenzug gekürzt haben. Damit wurde letztes Jahr der Gesamtanreiz in thermische Sanierung zu investieren beträchtlich verringert, weshalb der Sanierungsscheck 2011 auch nicht so schnell vergriffen war wie der Sanierungsscheck 2009. "Der Bund muss sich mit den Ländern endlich stärker koordinieren, um Anreize zu setzen, die wirklich wirksam sind. Es macht wenig Sinn, dann auf die Bremse zu steigen, wenn der andere Gas gibt und umgekehrt", sagt Wahlmüller und betont: "Eine neuerliche Zweckwidmung der Wohnbauförderung ist vor diesem Hintergrund sehr wichtig."

Thermische Sanierung verringert Energieverbruach

Die Österreichische Energieagentur begrüßt Offensive. "Der Gebäudebereich ist mit rund einem Drittel unseres Energieverbrauchs einer der Schlüsselbereiche um Energieeinsparungen und Klimaschutz zu erreichen," ist Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur überzeugt. Traupmann weiter: "Vor allem der jetzt gewählte Weg, ältere Gebäude für eine Sanierung besonders zu fördern ist sinnvoll, hier sind die erreichbaren Effekte am größten."

Neben dem Beschäftigungseffekt und der Wertschöpfung, die erzielt werden können, sieht Traupmann einen weiteren Vorteil in der Qualifikationssteigerung, die diese Entwicklung für die heimischen Fachkräfte mit sich bringen wird. Die Energieagentur hat von der EU den Auftrag erhalten, gemeinsam mit allen Entscheidungsträgern und Partnern in ganz Österreich eine entsprechende Roadmap zur Steigerung des Know-Hows im Umgang mit neuen Technologien im Baubereich zu entwickeln. "Geeignete Aus- und Weiterbildung wird dafür sorgen, dass Installation von Gebäudetechnik und Einsatz von Baumaterialien energieeffizient wird. Damit zeigt sich auch die breite Wirkung der Sanierungsförderung, die nicht nur auf die unmittelbare Energieeinsparung beschränkt wirkt."

Den Wermutstropfen sieht Traupmann in der Höhe und Laufzeit der Förderoffensive: "Die 100 Million Euro sind eine erhebliche Summe, aber es werden mehr Mittel und vor allem eine längerfristige Förderinitiative notwendig sein, um die Planungs- und Investitionssicherheit zu gewährleisten als Basis für die Erreichung der Energie- und Klimaziele."

Greenpeace fordert Sanierungsmilliarde

Aus Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist die angekündigte "Förderoffensive" für die thermische Sanierung lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Greenpeace befürchtet, dass die Neuauflage der 100 Millionen Euro an Fördergeld nicht im Stande sein wird, die derzeit minimale Sanierungsrate von nur einem Prozent des Gebäudebestandes deutlich anzuheben. "Während für fragwürdige Infrastrukturprojekte wie Lobau-, Brenner-, Koralm- oder Semmeringtunnel Milliarden locker gemacht werden, wird die thermische Sanierung mit Almosen abgespeist", kommentiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.
Innerhalb einer Generation könnte damit der gesamte Wohnbaubestand thermisch saniert werden. "Bei derzeitiger Förderhöhe wird es kaum gelingen den österreichischen Wohnbaubestand vor Ende dieses Jahrhunderts zumindest auf Niedrigenergiehaus-Standard umzurüsten. Leider nehmen die Minister ihre eigene Energie-Strategie, in der eine Sanierungsrate von drei Prozent angestrebt wird, nicht ernst", so Westerhof und betont: "Das Geld für eine wirkliche Effizienz-Offensive im Wohnbau gäbe es, wenn man es nicht für ebenso unnötige wie teure Tunnelprojekte verschwenden würde."


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