Österreichs Klimabilanz 2005 bis 2007: Leichter Rückgang der CO2-Emissionen im Jahr 2007

Klimaschutz ist Chance für Konjunkturbelebung und grüne Arbeitsplätze - Kyotoziel immer noch verfehlt

Die Ergebnisse der aktuellen Treibhausgas-Inventur des Umweltbundesamt zeigen für Österreich einen Rückgang der Treibhausgasemissionen: Die Gesamtmenge liegt im Jahr 2007 bei 88 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten. Dies entspricht einer Emissionsreduktion von 3,5 Mio. Tonnen oder 3,9 % gegenüber 2006.

Ausgehend von der aktuellen Inventur ergibt sich unter Berücksichtigung der flexiblen Mechanismen wie dem JI/CDM-Programm und dem Emissionshandel sowie aus der Kohlenstoffbilanz des Waldes damit eine Abweichung von 8,1 Mio. Tonnen zum Kyoto-Ziel. Für die gesamte Zielperiode zwischen 2008 und 2012 stehen 344 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente zur Verfügung, dies entspricht 68,8 Mio. Tonnen pro Jahr.

"Die gesetzten Klimaschutzmaßnahmen zeigen eindeutig Wirkung. Wir haben unsere Verantwortung in allen Bereichen, Industrie, Landwirtschaft, Abfall, Raumwärme und im Verkehrssektor, wahr genommen und können auf gute Zahlen verweisen. Jetzt sind die Verantwortlichen im Bereich Verkehr und in den Ländern gefordert, umgehend weitere wirksame Maßnahmen umzusetzen, um ihren Beitrag zur Kyoto-Zielerreichung zu leisten", zog Umweltminister Niki Berlakovich anlässlich der heutigen Pressekonferenz Bilanz.

Sektor Raumwärme

Eine deutliche Reduktion im Vergleich zu 2006 zeigt sich im Sektor Raumwärme. Der Treibhausgasausstoß ist in diesem Sektor um 2,3 Mio. Tonnen gesunken. "Das ist allerdings kein Grund für eine Entwarnung," erklärt Georg Rebernig, Umweltbundesamt Geschäftsführer. "Diese rückläufige Entwicklung ist vor allem auf die milden Bedingungen der letzten Winter zurückzuführen." Im Vergleich zum bereits milden Winter 2006 sind die Heizgradtage im Winter 2007 nochmals um neun Prozent gesunken. Entsprechend gingen auch die Absatzzahlen vor allem beim Heizöl zurück. Zur Emissionsminderung trägt 2007 auch der kontinuierliche Trend zu erneuerbaren Brennstoffen bei. Die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen in diesem Sektor der Jahre 2005 bis 2007 liegen noch ca. 0,8 Mio. Tonnen über dem sektoralen Ziel der Klimastrategie. "Wir brauchen sinnvolle Investitionen im Klimaschutz, die sich auch langfristig bezahlt machen. Eine Förderung von 50 Mio. Euro für die private Sanierung von 10.000 Häusern löst ein Investitionsvolumen von 650 Mio. Euro aus und erzielt einen Beschäftigungseffekt von rund 7.000 Arbeitsplätzen. Deshalb haben wir im 2. Konjunkturpaket zusätzlich 100 Mio. Euro zur thermischen Sanierung vereinbart und in diese Richtung müssen wir weitere Schritte setzen", betonte Umweltminister Berlakovich.

Sektor Verkehr

Im Sektor Verkehr, in dem seit 1990 die größte Zunahme an Treibhausgasemissionen verzeichnet wird, ist der Treibhausgasausstoß im Jahr 2007 im Vergleich zu 2006 um 0,3 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente gestiegen. Durch das um knapp drei Prozent höhere Verkehrsaufkommen werden die Reduktionseffekte durch den Einsatz von Biokraftstoffen überkompensiert. "Die Beimischung hat rund eine Mio. Tonnen CO2-Einsparung gebracht. Mit der Erhöhung der Beimischung auf 5,75 Prozent und dem Einsatz von Biokraftstoff E7 werden wir zukünftig eine Reduktion von bis zu 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr schaffen", so Berlakovich. Im Verkehrssektor liegen die durchschnittlichen jährlichen Treibhausgasemissionen der Periode 2005 bis 2007 noch ca. 5,7 Mio. Tonnen über dem sektoralen Ziel der Klimastrategie.

Wir müssen auf Erneuerbare Energie und auf Umwelttechnologie setzen

Sektor Energieaufbringung

Von 2006 auf 2007 sanken die Emissionen des Sektors Energieaufbringung um zirka 1,6 Mio. Tonnen. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die um sieben Prozent niedrigere Wärmeproduktion aufgrund des milden Winters, die Stromproduktion blieb hingegen konstant. Der überwiegende Anteil der Emissionsreduktion resultiert 2007 neben der gesunkenen Wärmeproduktion aus dem höheren Einsatz von Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energieträgern für die Energieaufbringung.

Sektor Industrie

Im Sektor Industrie blieben die Emissionen 2007 im Vergleich zu 2006 weitgehend konstant (+0,1 Mio. Tonnen). Seit 2005 unterliegt ein Großteil der Anlagen dieser beiden Sektoren dem Emissionshandel, damit sind die Emissionen dieser Anlagen für die Kyoto-Periode durch den Nationalen Zuteilungsplan begrenzt. Die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der Jahre 2005 - 2007 liegen in den Bereichen, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, im Sektor Energieaufbringung noch ca. 0,3 Mio. Tonnen und im Sektor Industrie ca. zwei Mio. Tonnen über den jeweiligen sektoralen Zielen der Klimastrategie.

Sektor Abfallwirtschaft, Landwirtschaft und F-Gase

Die Treibhausgasemissionen im Sektor Abfallwirtschaft entwickeln sich seit 1990 rückläufig. Die Emissionsreduktion um 0,1 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2007 gegenüber 2006 ist auf die abnehmende Deponierung von unbehandeltem Abfall zurückzuführen. In diesem Sektor liegen die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der letzten drei Jahre noch ca. 0,2 Mio. Tonnen über dem sektoralen Ziel der Klimastrategie.

Die Treibhausgasemissionen aus dem Sektor Landwirtschaft blieben 2007 mit 7,9 Mio. Tonnen weitgehend konstant (+ 0,07 Mio. Tonnen). Die Abweichung zum sektoralen Ziel der Klimastrategie beträgt von den durchschnittlichen Treibhausgasemissionen zwischen 2005 und 2007 noch ca. 0,8 Mio Tonnen.

Die emittierte Menge an Fluorierten Gasen blieb 2007 im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant (- 0,02 Mio. Tonnen). Die durchschnittlichen Emissionen der letzten drei Jahre liegen damit noch ca. 20.000 Tonnen über dem sektoralen Ziel der Klimastrategie.

"Die Entwicklung der Treibhausgase und die dahinter stehenden Maßnahmen zeigen, dass wir weiterhin massiv auf erneuerbare Energien und auf moderne Umwelttechnologien setzen müssen. Damit erzielen wir positive Umwelteffekte, schaffen und sichern Arbeitsplätze und mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Energieimporten", zeigt sich Umweltminister Niki Berlakovich zuversichtlich.

Die dargestellte Entwicklung der Treibhausgase in Österreich folgt in der Einteilung den Sektoren der Klimastrategie 2007. Der vorliegende Bericht "Austria’s Annual Greenhouse Gas Inventory 1990-2007" folgt in Format und Inhalt den verbindlichen Anforderungen des Treibhausgas-Überwachungssystems 280/2004/EG der EU zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls.

Bundesklimaschutzgesetz ist notwendig

Erfreut über den Rückgang der Treibhausgasemissionenzeigte sich auch SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. Dennoch, so Bayr, dürfe man sich nicht weiter auf milde Winter verlassen. "Es ist besonders brisant, dass wir weiter aktiv in Richtung Kyotoziele arbeiten", appellierte Bayr. Dahingehend hob die SPÖ-Umweltsprecherin die Festlegung eines Bundesklimaschutzgesetzes im Regierungsprogramm hervor. "Es ist wichtig, dass hier auch die anderen betroffenen Ministerien, Länder und Gemeinden im Vorfeld einbezogen werden, damit ein großes und vor allem wirkungsvolles Paket geschnürt werden kann, das greift", forderte Bayr.

Bayr plädiert für eine intensivere Forschung in Agrartreibstoffe zweiter Generation und für die Anwendung anderer Antriebstechnologien, abseits von Verbrennungsmotoren. Darüber hinaus sei auch weiterhin der Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine notwendige Maßnahme zur Senkung der CO2-Emissionen, so die SPÖ-Umweltsprecherin.

Rasches politisches Handeln notwendig- Maßnahmen statt Strafzahlungen

Die von Umweltminister Niki Berlakovich heute präsentierte Klimabilanz von 2007 zeigt eines deutlich: Österreich bleibt weiterhin Lichtjahre vom Kyoto-Ziel entfernt und riskiert damit Strafzahlungen in Milliardenhöhe, so die Umweltorganisation Greenpeace in einer Aussendung.

"Weder wärmere Winter noch bevor stehende Wirtschaftskrisen, die den Energieverbrauch senken, sind geeignete Klimaschutz-Maßnahmen", moniert Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl. "Vielmehr sind Investitionen in den Wärmeschutz, ein Umstieg auf Erneuerbare Energien und ernsthafte Vorgaben im Verkehrsbereich gefordert", so Schinerls Appell in Richtung eines raschen politischen Handelns.

Trotz eines leichten Rückgangs auf 88 Millionen Tonnen CO2 liegt Österreich bei den CO2-Emissionen um knapp zwanzig Millionen Tonnen CO2 über dem notwendigen Kyoto-Ziel. Vor allem im Verkehrssektor sind die Emissionen nach wie vor steigend wie in kaum einem anderen Land innerhalb der Europäischen Union. Die Nichterreichung des Kyoto-Ziels würde für Österreich Kosten in der Höhe von 1,5 bis zwei Milliarden Euro zur Folge haben. "Wenn dieses Geld in Wärmedämmung statt in Strafzahlungen investiert würde, könnten damit 30.000 bis 40.000 Arbeitsplätze geschaffen und gleichzeitig zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden", rechnet Greenpeace-Experte Schinerl vor.

Die von Umweltminister Berlakovich vorgeschlagene Reduktion der Treibhausgas-Emissionen durch die Beimischung von Agrosprit ist nach Meinung von Greenpeace geringer als behauptet: Bei der Produktion von Agrotreibstoffen entstehen nämlich genügend Treibhausgas-Emissionen, die der Landwirtschaft und nicht dem Verkehrsbereich zugeordnet werden. Durch den hohen Beimischungsanteil von Agrotreibstoffen kann die benötigte Menge auch nicht mehr durch inländische Anbauflächen abgedeckt werden, sondern muss im Ausland zugekauft werden. "Die Emissionen verschwinden damit zwar aus der österreichischen CO2-Bilanz, doch für das globale Klima ist das letztlich bedeutungslos, weil sich Treibhausgase ja nicht an Grenzen halten", kritisiert Schinerl.

"Ein kurzfristiges Zurückfahren des Energiekonsums hilft uns nicht wirklich weiter - weder mit Hilfe warmer Winter noch aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise. Was wir dagegen dringend benötigen, ist eine Wende hin zu einer Klimaschutz-Politik, die uns endlich aus der Abhängigkeit fossiler Energieträger führt. Die Zahlen der Klimabilanz 2007 legen jedoch leider dar, dass eine solche in Österreich noch nicht in Sicht ist", so Niklas Schinerl.



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