© DI Alois Rasinger
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60 Jahre Biomasse

Zum Jubiläums-Jahr des ersten Biomasse-Kämpfers Österreichs ist Prof. Dkfm. Ernst Scheiber vom Österreichischen Biomasse-Verband zum Held des Monats gekührt worden

Kurze Erfolgsstory unseres Helden

* 1979 Erster Kongress über Biomasse-Nutzung
* 1984/1985 Anbauversuche mit schnellwüchsigen, Bio-Sprit-tauglichen Pflanzen (Topinambur)
* 1995 Gründung des Österreichischen Biomasse-Verbands mit Dr. Heinz Kopetz
Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit PR für Biomasse als Erneuerbare Energie (Treibstoff, Wärme, Strom).
Seit 1980 stieg der Anteil der Biomasse am gesamten Energieverbrauch von 4 % auf derzeit rund 12 %.

oekonews: Wie wird man ein Biomasse-Kämpfer?

Scheiber: Das waren klare, rationelle Überlegungen. Im Bereich der Landwirtschaft ist das Ziel die Zurückeroberung früher innegehabter Funktionen (Der Bauer als Energiewirt).

oekonews: Woher kommt Ihre Motivation so hart für Biomasse zu kämpfen – und was ist Ihr Ziel?

Scheiber: Von 100 % Steuern entfallen nur 7 % auf Belastung von Energien, Umwelt- und Naturverbrauch. Deshalb kann das Ziel nur heissen: Schaffung einer Kurskorrektur: Belastung von Umwelt-Raubbau, Belastung fossile, Entlastung EE. Meine Hauptmotivation ist die Schaffung von Einkommenschancen im ländlichen Raum und die Verringerung der CO2-Ausstösse (Kyoto). Daran führt kein Weg vorbei, da sonst im Jahr 2100 die Temperatur um mindestens 1,5 Grad bis 1,8 Grad steigen wird – mit all den negativen Folgen.

oekonews: Wer ist Schuld am sinkenden Ökostrom-Anteil in Österreich?

Scheiber: Ganz klarer Bremser sind Bartenstein und die Sozialpartner - mit Ausnahme der Landwirtschafts-Vertreter. Besonders Bartenstein hat sich vom Paulus in einen Saulus verwandelt. Statt der selbst ausgehandelten Kyoto-Ziele zur CO2-Reduktion haben wir bald mehr als 22 % Zuwachs an CO2-Ausstössen. Zwei Akzente sind besonders dafür verantwortlich: Der Verkehr und der Wärmemarkt. Um den Wärmemarkt in Angriff zu nehmen, wurde von Dr. Kopetz eine steirische Version des Ökowärme-Gesetz geplant.

oekonews: Was ärgert Sie an Österreichs derzeitiger Ökostrom-Politik?

Scheiber: Wir haben Seite an Seite mit Bartenstein gekämpft, als er Umweltminister war. Es ist unglaublich, dass er sich so verändert hat. Er folgt den Bremsern auf Zuruf und denkt nicht an die, die den Fortschritt fordern. Und das, in Zeiten einer Rekordarbeitslosigkeit. Es ist ganz einfach: Im EE-Bereich sind 5 Mal mehr Arbeitsplätze als in der Mineralöl-Wirtschaft möglich. Besonders enttäuschend ist auch die altmodische Haltung der Industriellenvereinigung, denn die junge Industrie ist ganz klar für einen Umstieg des Steuersystems nach dem Vorbild der Ökosozialen Steuerreform.

oekonews: ... und was erfreut Sie an Ihrer Arbeit?

Scheiber: Wenn wieder ein Werk eröffnet wird – gegen die grössten Widerstände. Und wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht, und merkt: Es geht was weiter. Auch das EU-Weißbuch der EE, das stark von Kopetz beeinflusst wurde, stimmt optimistisch. Und wirkliche Freude kommt bei den Reaktionen auf unsere "Ökoenergie" zurück (Anm. der Redaktion: Die Ökoenergie ist die grösste österreichische Zeitschrift für EE). Besonders die Reaktionen der jungen Menschen sind erfrischend und geben die Kraft weiterzutun.

oekonews: Was würden Sie als Energieminister zuerst durchsetzen?

Scheiber: Die ökosoziale Steuerreform. Ganz klar. Schon in der Bibel steht: Bestrafe den, der Böses tut. Belohne den, der Gutes tut. Derzeit ist es leider umgekehrt.

oekonews: Was wollen Sie unseren Lesern mitgeben?

Scheiber: Das wichtigste sind Politiker aller Parteien, die das Arbeitsplatz-Potential der EE erkennen und sich dafür stark machen. Selbst die Bremser können die Zeit nicht zurückdrehen. BP & Shell proben schon den Umstieg auf Solarenergie. Und selbst Bush plant ein Ethanol-Programm.

Daher: Keine Angst - die Zeit arbeitet für uns!

oekonews: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.


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