Österreichischer Umweltpreis für libysches Wasserprojekt

Die Auszeichnung wurde von „Energy-Globe“ Initiator Ing. Wolfgang Neumann im Rahmen des Gipfeltreffen der Afrikanischen Union für Wasser und Landwirtschaft im Wüstenstädtchen Sirt an Muammar Ghaddafi verliehen

© oekonews.at
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Robert Willfurth aus Sirt, Libyen

Auf Einladung der Libyschen Regierung hat Ing. Wolfgang Neumann die Gelegenheit genutzt, den ‘Energy-Globe-Award’ den Staatschefs und hohen Repräsentanten aus den Ländern der Afrikanischen Union vorzustellen. Am Beginn des ‘Außerordentlichen Gipfeltreffens der Afrikanischen Union’ in Sirt, das ganz im Zeichen des ‘Nachhaltigen Wirtschaftens in Afrika’ stand, wurde an Revolutionsführer Muammar Ghaddafi der Umwelt-Sonderpreis ‘Water-Globe’ in Anerkennung für das nicht ganz unumstrittene ‘Great Man-Made River Projekt’, das die Wüste zum Blühen bringen soll, überreicht. Muammar Ghaddafi lobte in seiner Eröffnungsansprache die ‘neue Mentalität Europas’, die nach Ansicht des libyschen Revolutionsführers ganz klar eine Abkehr von Rassismus und Kolonialismus erkennen lasse. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nahm ebenfalls an diesem Gipfeltreffen teil.

Libyen ist eine der trockensten Regionen der Welt. Auf lediglich fünf Prozent der Landesfläche regnet es mehr als 100 mm pro Jahr. Durch dieses gigantische Wasserversorgungsprojekt, mit dem bereits in den 80er Jahren begonnen wurde, soll der libyschen Bevölkerung erstmals der gesicherte Zugang zu Trinkwasser ermöglicht werden. Aus unterirdischen Trinkwasserseen in Südlibyen können in Stahlbetonröhren mit einem Durchmesser von vier Metern und mit einem Druck von 24 bar künftig über sechs Millionen Kubikmeter Wasser täglich in die besiedelten Regionen im Norden des Landes gepumpt werden. Die überdimensionale ‘Wasserleitung’, wird sich im Endausbau über eine Strecke von 3800 Kilometern erstrecken und auch zur Bewässerung von staatlichen und privaten Agrarproduktionsflächen dienen. Ein nennenswerter Teil der 6 Millionen Libyer kann nach Fertigstellung des Projekts mit Trinkwasser und landwirtschaftlichen Produkten, die derzeit importiert werden müssen, versorgt werden. Auf den bereits jetzt bewässerten Flächen wachsen schon diverse Getreide- und Gemüsesorten. Die gänzliche Versorgung der libyschen Bevölkerung soll nach Angaben der Verantwortlichen aber nicht nur ‘das nationale Selbstwertgefühl Libyens’ steigern, sondern auch alle Länder Afrikas ermuntern, gemeinsam für ein ‘geeintes Afrika ohne fremde Bevormundung einzutreten’.

Am Bau des Projekts sind vorwiegend lokale Firmen beteiligt, die Arbeiter selbst stammen ebenfalls mehrheitlich aus Libyen. Für die Errichtung diverser technischer Bauteile wie Pumpwerke und Steuerelemente zeichnet ein französisches Firmenkonsortium verantwortlich.

Bei der Planung der Versorgungsnetze und des Wassermanagements wird auch die Hilfe österreichischer Techniker des Grazer ‘Kompetenznetzwerks Wasserressourcen GmbH’, einer Tochterfirma von ‘Joanneum Research’ in Anspruch genommen. Mitte März reist Hans Zojer, Leiter des neugegründeten Wasser-Kompetenznetzwerks, mit steirischem Wasser- Know-how im Gepäck, in die Libysche Wüste.

Die Errichtung von Bauwerken dieser Dimensionen wirft selbstverständlich auch Fragen über die ökologischen Aspekte auf. Es ist unbestritten, dass die Auswirkungen auf die Natur und die unterirdischen fossilen Wasservorkommen, die sich am Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren bildeten, eine nennenswerte Größe erreichen. Bereits in den 60er und 70er Jahren zapfte man die fossilen Wasserschätze an, worauf der Grundwasserspiegel in manchen Gebieten massiv sank. Andere Studien sagen auch voraus, das die Bewässerung von Agrarflächen und die damit verbundene Anreicherung des Bodens mit den im fossilen Wasser gelösten Stoffen künftig zu massiven Problemen führen wird. Auf den kargen Wüstenböden ist ein entsprechender Ertrag selbstverständlich auch nur durch massiven Einsatz von Düngemitteln möglich, ein weiterer Problemfaktor. Die Speicherung des Wassers in oberirdischen Auffangbecken lässt durch die in Libyen herrschenden hohen Temperaturen einen beachtlichen Teil auch gleich wieder ohne Nutzen verdunsten. Ein weiter gravierender Nachteil ist der hohe Energieeinsatz sowohl beim Bau als auch im laufenden Betrieb der Anlagen. Die Rohre, in denen das Wasser künftig nach Norden fließen soll, bestehen aus mit Beton ummanteltem Stahl. 5 Millionen Tonnen Zement werden bis zur Fertigstellung im nächsten Jahr notwendig sein. Der Energieaufwand für die Herstellung und den Transport ist enorm. Allein für den Transport der über 500.000 Rohrteile müssen die Tieflader eine Strecke zurückzulegen, die von der Erde bis zur Sonne und zurück reicht. Über 2.000 Kilometer Straßen mussten neu errichtet werden. Da der Strom für die Pumpen des Verteilungsnetztes fast ausschließlich mit Erdöl produziert wird, werfen sich auch in diesem Punkt Zweifel betreffend der Nachhaltigkeit des Projekts auf.

Bei der Gesamtbeurteilung des ‘Great Man-Made River Projekts’ sollte aber nie außer Acht gelassen werden, dass es dabei um die Befriedigung eines lebenswichtigen Grundbedürfnisses der libyschen Bevölkerung geht, um Trinkwasser.


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