© Rinderer
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Der Energiepapst aus dem Großen Walsertal

Ing. Albert Rinderer hat nicht nur gemeinsam mit seinem Sohn eine Webpage zum PV-Anlagenvergleich programmiert, sondern er ist auch unser Held der Woche

Thüringerberg ist eine kleine Gemeinde mit nur 656 Einwohnern im Großen Walsertal. Aber es hat aufgrund seiner herrlichen Lage an einem Südhang einfach optimalste Voraussetzungen zur Nutzung der Sonnenenergie. Dies hat auch Ing. Albert Rinderer, der hier lebt, sehr bald erkannt. Er hat bereits bei der Planung seines Hauses an die Sonne gedacht. Aber das war nur der allererste Schritt bei seinem Weg hin zur Erneuerbaren Energie. Es folgten die Teilnahme an einer Selbstbaugruppe für Solarthermische Anlagen, er war Initiator eines Photovoltaik-Gemeinschaftsprojekts, und hat natürlich auch selbst ein Photovoltaikanlage. Außerdem ist er ehrenamtlich Teamleiter des Bereichs Energie beim Life-Projekt des Biosphärenparks Großes Walsertal usw. Er wurde uns von mehreren Leuten als Held der Woche vorgeschlagen. Diese Anregung haben wir gerne aufgenommen und ihn persönlich gefragt, wie es dazu kommt.

Oekonews: Wie erfolgte Ihr Einstieg in diesen Bereich?

Rinderer: Bei der Planung meines Hauses, das war 1988, habe ich viel Fachliteratur studiert und wollte mit der Sonne heizen. Zum damaligen Zeitpunkt war das mit Luftkollektor und einem Steinspeicher. Dann hat mein Schwager das Haus geplant und ich habe es gebaut, mit dicken Hypokaustenwänden, dadurch hat es ein gutes Wohnklima.
Der nächste Schritt war die thermische Solaranlage, deswegen habe ich mich 1991 an der Selbstbaugruppe beteiligt. Danach hat mich Hermann Scheer inspiriert. Ich habe ihn bei Vorträgen gehört und sein Buch gelesen. Da war mir klar: Das Ziel lautet: 100 % Erneuerbare Energie- mein Einsatz ist immer für dieses Ziel.
1995 bin ich dann in die Gemeindepolitik gegangen, und auch da war mein Hauptanliegen immer die Umwelt. Bei der Sonnenscheinkampagne war ich erst skeptisch, ob wir soetwas in unserer kleinen Gemeinde überhaupt schaffen. Aber Hildegard Breiner hat meinen Ehrgeiz geweckt, weil sie gesagt hat, die kleinste Gemeinde bekommt vom Naturschutzbund 10.000,-- Schilling, das waren immerhin schon 10 Anteilscheine. Glücklicherweise wurde gerade ein neues Gemeindezentrum gebaut und die Planung hatte sich etwas verzögert - also war der Platz für die Anlage einmal klar. Ich habe wirklich jeden angeredet. Bald war klar, dass sich eben viele Gedanken über die Umwelt und auch die Zukunft unserer Kinder machen, und sie ließen sich überzeugen. 100 Sonnenscheine war das Ziel, erreicht haben wir 175. Diese Photovoltaikanlage hängt am Gemeindeamt. Die Bewußtseinsbildung war dadurch groß. Die Gruppe der ersten Stunde hat später auch in die Volksschulanlage investiert. Mit dem Elwog ist dann schlagartig etwas passiert - dadurch sind wir bei ca. 120.000 kWh Ertrag/J. in Thüringerberg. Gleichzeitig haben wir derzeit ca. 600 m² thermische Solaranlagen, das sind auch etwa 1m² per Einwohner. Das gehört einfach dazu.

Oekonews: Fühlt man sich da als Vorbildgemeinde ?

Rinderer: Thüringerberg ist da sicher vorbildhaft für die ganze Region und im ganzen Biosphärenpark Walsertal ist die Energie ein wichtiges Thema. Bei der Photovoltaik hat uns Blons schon überholt. Da steht eine Anlage mit 420 kWp Leistung auf einer Wiese. Für mich persönlich finde ich aber die Montage auf Dächern besser, da ist die Photovoltaik Energieerzeugung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.

Oekonews:Sie engagieren sich auch in der Region? Ist da auch der Verkehrsbereich ein Thema?

Rinderer: Ja, im Biosphärenpark ist ja auch das Ziel 100 % Erneuerbare Energie für die Region. Wir haben 6 Kleinwasserkraftwerke im großen Walsertal, die ca. 60% unseres Stromverbrauchs erzeugen. Dann gibt es noch die Idee der Trinkwasserkraftwerke. Die Wasserfassung und die Leitungen sind ja schon da, man muß nichts Neues dafür bauen, z.B. wird nur das Überwasser genützt.
Hauptthema im Biosphärenpark ist die Biomasse. Ein Projekt in Faschina ist geplant, das heißt: 200.000 l Öl werden weniger ins Tal transportiert. Ein weiteres Ziel wäre eine Biomasselogistik.
Für den Verkehr ist es klar, das etwas passieren muß. Das ist wirklich schwierig, gerade für die ganze Region. Wir sind ja ein Tal. Uns schwebt da aber etwas vor, so ähnlich wie in Werfenweng. Auch Fahrgemeinschaften sind sicher ein Thema.

Und wir sind die erste e5 Region in Vorarlberg.

Oekonews: Was heißt das?

Rinderer: Das ist eine ‘Energieklassifizierung"- so ähnlich wie Sterne im Tourismusbereich, abgewickelt wird das mit dem Energieinstitut. Bisher gab es nur e5 Gemeinden. Wir machen soetwas das erste Mal in Vorarlberg für die ganze Region ‘Großes Walsertal". Wir haben ein talweite einheitliche Gemeinde-Energieförderung, für Biomasseheizsysteme und für Solarthermie. Außerdem gibt es eine Energieberatungstelle im Biosphärenpark-Büro, mit Sprechstunden und der Möglichkeit, einen Besuch vor Ort zu vereinbaren.

Oekonews: Was ist für Sie besonders wichtig?

Dass ich mich nicht unterkriegen lasse, auch wenn es manchmal nicht so gut ausschaut.
Das Ziel ist klar: 100 % Erneuerbare Energie- das heißt gleichzeitig für meine Familie und für die Zukunft die Lebensgrundlagen erhalten.

Oekonews: Was ist Ihr Lebensmotto ?

Rinderer: Ich möchte möglichst viele mit dem Solarvirus infizieren!

Oekonews: Wir sind anscheinend schon angesteckt!

Weitere Infos:SOLALBERT

Das Gespräch führte Doris Holler-Bruckner gemeinsam mit Lukas Pawek.


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