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Eine gemeinnützige Ratingagentur macht Sinn

Ratingagenturen stehen in letzter Zeit immer mehr im Zentrum der Berichterstattung- warum gibt es keine gem

Berlin - Die Ankündigung der Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) Europa im allgemeinen und Deutschland und Frankreich im besonderen in ihrer Glaubwürdigkeit abzuwerten, löst eine berechtigte Welle der Empörung aus und treibt pro-zyklisch die Krise voran. Ähnlich sieht es auch mit dem aktuellen Rating für Österreich aus.

‘Es muss in Zukunft darum gehen, dem parasitären US-Ratingkartell einen anderen, nachhaltigen Kriterienkatalog gegenüber zu stellen’, so Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung. ‘Kapital sollte zukünftig in die Wende zur Nachhaltigkeit, in den Schutz der Natur und in die Schaffung sinnvoller Arbeitsplätze investiert werden und nicht weiter lediglich 1% der Bevölkerung auf Kosten aller - und der Umwelt - reicher machen.’

‘Die Maßstäbe der Ratingagenturen sind nicht nachhaltig, nicht unabhängig, nicht fair und zerstören Unternehmen wie Realwirtschaften’, sagt Dr. Christian Neugebauer, Koordinator des Wirtschaftsrates der Deutschen Umweltstiftung und Herausgeber der Glocalist Medien.

Die Deutsche Umweltstiftung setzt daher seit einiger Zeit auf ein klares Gegenprogramm der Nachhaltigkeit: Es braucht eine gemeinnützige auf Kriterien der Nachhaltigkeit basierende Ratingagentur in Europa, die nicht dem Neo-Liberalismus unterworfen ist.

Die Kampagne wird aktuell von rund 450 führenden Persönlichkeiten der Nachhaltigkeit aus Politik, Wirtschaft, kirchlichen, gewerkschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Kreisen getragen. Neben herausragenden Persönlichkeiten wie Heiner Geißler, Erhard Eppler, Herbert Tumpel, Josef Riegler, Ernst Ulrich von Weizsäcker und zahlreichen Bundestagsabgeordneten unterstützen nun auch die EthikBank, die Triodos Bank und die GLS Bank die Forderung.

"Unser Konzept einer nachhaltigen europäischen Ratingagentur dürfte sich grundsätzlich von anderen Überlegungen differenzieren, wie z. B. von Roland Berger oder der Bertelsmann-Stiftung. Uns geht es nicht darum, einfach eine weitere neoliberale Pseudokontrollinstanz zu schaffen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die großen intransparenten amerikanischen Ratingagenturen sind Teil des Problems, nicht der Lösung. Eine europäische Kopie wäre nichts anderes. Wir verfolgen genau das Gegenteil: gemeinnützig, transparent und konsequent nachhaltig.", so Dr. Christian Neugebauer.

Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der EthikBank und Mitglied des Senats der Deutschen Umweltstiftung: ‘Die wirtschaftlichen und politischen Krisen der westlichen Welt verweisen uns auf einen historischen Irrtum. Jahrzehntelang haben wir geglaubt, dass eine Demokratie nur funktionieren kann, wenn sich der Wohlstand ständig mehrt. Die Bewertung von Staaten und Unternehmen darf bei der Ökonomie anfangen, aber nicht aufhören. Deshalb engagiert sich die EthikBank gemeinsam mit der Deutschen Umweltstiftung für die Gründung einer transparenten und nachhaltigen Ratingagentur für Europa, die soziale und ökologische Kriterien einbezieht."

Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland und Mitglied im Wirtschaftsrat der Deutschen Umweltstiftung: "Bewertung von wirtschaftlichem Handeln darf sich nicht nur auf den finanziellen Erfolg beschränken. Es müssen ökologische und soziale Aspekte immer mit berücksichtigen. Diese Aspekte müssen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Hierfür brauche wir einen neuen Impuls."

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank: "Inwieweit wirtschaftliches Handeln auf die Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet ist und dazu beiträgt unsere Lebensgrundlage zu erhalten oder weiterzuentwickeln, findet bislang bei der Bewertung von Unternehmen keine Beachtung. Die Errichtung einer unabhängigen und transparenten Ratingagentur ist ein konsequenter Schritt, um nachhaltige Kriterien ernsthaft zu stärken."


Quelle: Deutsche Umweltstiftung (www.deutscheumweltstiftung.de)


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