© KBVÖ / Biogas ist schnellst verfügbare und  zukunftssicherste Alternative
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Grünes Gas aus Österreich ist krisensicher

Ausbau erneuerbarer Gase in Österreich soll dazu beitragen, 2027 unabhängig von russischem Erdgas zu sein - Es braucht ein Erneuerbaren-Gase-Gesetz

Die Analyse der Österreichischen Energieagentur zum Ausstieg aus russischem Gas sieht eine Umsetzung von 3 wesentlichen Maßnahmen vor. Zum einen soll der Gasverbrauch um 30% bis 2030 reduziert werden. Eine weitere Reduktion der Gasimporte soll durch eine erhöhte Aufbringung von erneuerbaren Gasen im Inland forciert werden. Der verbleibende Importbedarf soll diversifiziert aus alternativen Quellen bezogen werden. Werden diese Maßnahmen umgesetzt, so sei eine Unabhängigkeit von russischem Gas bis zum Jahr 2025 realistisch, sagte gestern Bundesministerin Leonore Gewessler.

Der Kompost und Biogas Verband Österreich (KBVÖ) sieht dieses Bündel an Maßnahmen sehr positiv und notwendig und ist erfreut, dass die inländische Produktion von grünem Gas ein wesentlicher Teil davon ist. Um den Importbedarf auf ein verringertes Niveau zu bringen, ist eine inländische Aufbringung von insgesamt 14 TWh bis 2030 in Planung. 10 TWh davon sollen durch Biomethan aus der Vergärung von organischen Abfällen und Reststoffen bzw. aus der Vergasung von Reststoffen der Holzwirtschaft realisiert werden. Grüner Wasserstoff aus erneuerbarem Strom soll mit 4 TWh zur Unabhängigkeit beitragen.

Der Ausbau einer inländischen Grüngasproduktion wird zudem nicht nur einen Schritt weg von der Importabhängigkeit russischen Erdgases bedeuten, er wird außerdem zu einer Erhöhung der Versorgungssicherheit und einer Steigerung der Wertschöpfung im eigenen Land beitragen und stellt sich somit als die krisensicherste der geplanten Maßnahmen dar.

Um den geplanten Ausbau nun tatsächlich in die Wege zu leiten, braucht es den notwendigen Rechtsrahmen. "Das vorgelegte Bündel an Maßnahmen ist sehr positiv, diese müssen jetzt rasch umgesetzt werden", so Norbert Hummel, Biogas-Obmann des Kompost und Biogas Verbandes. "Es braucht einen rechtlichen Rahmen damit Investitionen auch getätigt werden und es nicht zu überhöhten Finanzierungskosten kommt!" Das in der Umsetzung befindliche Erneuerbare-Gase-Gesetz stellt somit das letzte fehlende Kuchenstück dar, um den Ausbau der inländischen Grüngaserzeugung einzuläuten. Eine begleitende Forschungsstrategie soll zudem sichern, dass der Markthochlauf zielgerichtet und wie geplant über die Bühne geht.

Es ist an der Zeit endlich umzudenken

Der russische Angriffskrieg verdeutlicht die drastische Importabhängigkeit von russischem Erdgas. Es ist höchst an der Zeit, endlich umzudenken, meint ÖVP-Landwirtschaftssprecher und Bauernbund-Präsident DI Georg Strasser anlässlich der Aktuellen Europastunde im Nationalrat: "Russland hat Polen und Bulgarien schon den Gashahn abgedreht. Es braucht deshalb dringend einen gesetzlichen Rahmen und Anreize für den Ausbau von grünem Gas aus Biomasse und Wasserstoff. Nutzen wir das, was uns die Natur schenkt - Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und bei Bedarf daraus gewonnenen Wasserstoff. Nur mit einem nachhaltigen Energiemix können wir Österreichs Energieversorgung langfristig sicherstellen." Eine aktuelle Analyse von Wirtschaftsforscher Felbermayr zeigt nicht zuletzt, dass die Inflation importiert ist. Haupttreiber für die Preissteigerungen sind Energie und Treibstoffe.

Biogas - die strategische Energiereserve

"40 Prozent des Gasverbrauches könnten allein mit inländischem erneuerbarem Gas ersetzt werden. Die dafür notwendigen Rohstoffe - organische Abfälle und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft - wachsen dabei direkt vor unserer Tür", so Strasser. Grünes Gas kann zudem saisonal gespeichert werden und steht dann flexibel zur Verfügung, wenn es gebraucht wird - etwa bei Energieknappheit. "Eine strategische Energiereserve", bezeichnet Strasser Biogasanlagen.

Erneuerbaren-Gase-Gesetz gefordert

Aktuell speisen 15 Anlagen in das Erdgasnetz auch tatsächlich ein, so Strasser: "Hier ist noch viel Luft nach oben." Um das in Österreich vorhandene Potenzial von Biomasse ausschöpfen zu können, wird ein entsprechender gesetzlicher Rahmen benötigt. Die Branche steht bereits in den Startlöchern - bereit für eine nachhaltige Zukunft. "Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz haben wir bereits das Fundament für die Energiewende beschlossen. Jetzt müssen die letzten Hürden fallen, um das volle Biomasse-Potenzial zu nutzen. Es braucht endlich ein Erneuerbare-Gase-Gesetz und eine Erhöhung der Ausbauziele. Nur so können wir die Energieversorgung in Österreich langfristig gewährleisten. Je länger wie warten, desto schwieriger wird es", fordert Strasser endlich Taten. "Darüber hinaus schafft Biogas neue Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen und stärkt den Wirtschaftsstandort Österreich."



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Artikel Online geschaltet von: / Doris Holler /