© Die Grünen Wien/ Vizebürgermeisterin Birgit Hebein
© Die Grünen Wien/ Vizebürgermeisterin Birgit Hebein

Wiener Klimaschutzgebiete: Eines der größten Klimaschutzvorhaben der Stadt

Künftig wird klimafreundlich geheizt und gekühlt

Wien- Die Wiener Vizebürgermeisterin und Klimaschutzstadträtin Birgit Hebein hat gestern die nächsten Schritte für mehr klimafreundliche Stadtteile vorgestellt. "Die Klimaschutzgebiete sind eines der größten Klimaschutzvorhaben dieser Stadtregierung", meint Hebein. Sie betont die historische Dimension: "Wien hat es in der Nachkriegszeit geschafft, mit dem sozialen Wohnbau Geschichte zu schreiben. Nun schreiben wir wieder Geschichte: Mit Gebäuden in Klimaschutzgebieten, in denen alle Menschen in den nächsten Jahrzehnten gut, gesund, sicher und klimafreundlich leben, arbeiten und einkaufen. Sie werden in Wohnungen leben, die mit klimafreundlicher Energie versorgt werden. Von unseren Maßnahmen heute werden unsere Kinder und Enkelkinder in der Zukunft genauso profitieren, wie wir heute von den visionären Maßnahmen im sozialen Wohnbau des letzten Jahrhunderts profitieren."

"Auch wenn uns die Klimakrise nicht als unmittelbare Bedrohung erscheint, ist sie real und wir spüren sie. Die Hitzewellen und Tropennächte, die wir im Sommer erleben, sind kein Zufall. Sie sind das Resultat von zu viel CO2", so Hebein. Das wirksamste Mittel im Kampf gegen die Klimakrise ist die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Die Stadtregierung hat vergangenes Jahr eine neue Smart City-Strategie beschlossen, die zum Ziel hat, die lokalen Treibhausgasemissionen pro Kopf bis zum Jahr 2050 um 85 Prozent zu reduzieren. Der momentane Anteil des Gebäudesektors an den CO2-Emissionen liegt bei 20 Prozent. "Mit den Klimaschutzgebieten schaffen wir es, dass künftig 80 Prozent der Neubauten klimafreundlich gekühlt und geheizt werden und der CO2-Ausstoß stark zurückgeht. Es wird dort kein Öl und kein Gas mehr geben", sagt die Stadträtin.

Die Klimaschutzgebiete sind ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Klimakrise, unabhängig von der aktuellen Situation. "Gerade die Corona-Krise zeigt uns, worauf es wirklich ankommt", erklärt Hebein. "Es ist wichtig, dass wir krisenfest sind und dass wir erkennen, dass rasches, entschlossenes und gemeinsames Handeln Leben retten kann. Das trifft auf die Klimakrise genauso wie auf die Corona-Krise zu", ist Birgit Hebein überzeugt. In den Klimaschutzgebieten sieht sie jedoch nicht nur einen Schritt zur Senkung des CO2-Ausstoßes sieht, sondern auch das Potenzial für nachhaltige "Green Jobs", die durch die Forcierung innovativer Technologien entstehen. "Der Kampf gegen die Klimakrise ist auch ein Kampf gegen die aktuelle Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise, die durch Corona ausgelöst wurde. Wir müssen uns aus der Krise herausinvestieren und nachhaltige Konjunkturpakete schnüren, die zu gut abgesicherten Jobs führen."

Bernd Vogl, Abteilungsleiter der Energieplanung der Stadt Wien, unterstreicht die Bedeutung der Maßnahme: "Gerade jetzt, wo in Wien viel gebaut wird, werden die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es die Einschränkung von fossilem Gas. In Wien setzen wir mit den Klimaschutz-Gebieten die ersten Schritte, um erneuerbare Energien und Fernwärme zum Standard zu erheben und damit unabhängiger von Importen aus dem Ausland zu werden."

Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Wiener Klimarat sieht die Stadt Wien am richtigen Weg: "Der klare Vorrang für hocheffiziente, erneuerbare Energiesysteme bringt neben Klimaschutz auch Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Investitionen in diese Zukunftstechnologien schaffen auch wirtschaftlichen Mehrwert, Bauinvestitionen als Beschäftigungsmotor mit starker Inlandswirkung sind ganz besonders wichtig. Mit den Energieraumplänen und dem Ausschluss von fossilem Gas und Öl hat Wien in Österreich eine Vorreiterrolle eingenommen, ebenso wie beim Qualitätsanspruch zur Energieeffizienz von Gebäuden. Gelingt es, diese Ambitionen vom Neubau auch in die Bestandentwicklung zu übertragen, dann ist das ein Riesenschritt in Richtung Treibhausgasneutralität des Gebäudesektors mit positiven Effekten für die Beschäftigung."

Im Rahmen der Novelle der Bauordnung im Jahr 2018 wurde die Möglichkeit geschaffen Klimaschutzgebiete (im Fachterminus auch Energieraumpläne genannt) zu verabschieden. Damit können große Gebiete definiert werden, in denen künftig ausschließlich klimafreundliche Energieformen und Fernwärme zur Heizung und Kühlung von Gebäuden eingesetzt werden können. Von dieser Regelung betroffen sein werden ca. 80 Prozent der Neubaugebiete. Öl und Gas werden in diesen Gebieten nicht mehr eingesetzt.



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Artikel Online geschaltet von: / Doris Holler /