© Stadtwerke Bamberg / Besprechung zum Thema E-Busse
© Stadtwerke Bamberg / Besprechung zum Thema E-Busse

Die Zeit ist reif für Elektrobusse

Stadtwerke Bamberg rüsten Flotte um

Die Stadtwerke von Bamberg, einer Stadt im Norden von Bayern, rüsten den öffentlichen Personen-Nahverkehr um. In den kommenden beiden Jahren sollen in Bamberg sechs voll elektrische Busse ihren Betrieb aufnehmen. Hierfür wird die Buswerkstatt an der Georgenstraße umgebaut und mit speziellen Ladesäulen ausgestattet. Allein bis zum Jahr 2022 investieren die Stadtwerke 4,8 Millionen Euro in klimaschonende Antriebstechnologien für den heimischen ÖPNV. Das Investitionsprogramm ist das Ergebnis einer umfassenden Machbarkeitsstudie, mit der die Stadtwerke Bamberg den Einsatz von Elektrobussen in Bamberg analysiert haben.

Sechs E-Hybride werden noch in diesem Jahr angeschafft, sechs reine E-Busse bis zum Jahr 2022 – und geht es nach Peter Scheuenstuhl, ist das erst der Anfang: Langfristig will der Bereichsleiter für Mobilität und Bäder den größten Teil der heutigen Flotte mit 63 Fahrzeugen auf den emissionsfreien Elektroantrieb umstellen. Die Busflotte zählt schon derzeit zu den ökologischsten Flotten in ganz Bayern, den der Großteil der Fahrzeuge erfüllt die Abgasnorm EEV und Euro VI. Aber die technologischen Entwicklungen bei den Fahrzeugakkus läuten das Ende des Diesels für die Stadtwerke ein: Im kommenden Jahr werden von den Busherstellern Akkus mit festem Elektrolyten angeboten werden. Im Gegensatz zu den heute verbauten Akkus mit flüssigem Elektrolyt haben die neuen Festkörperbatterien eine viel größere Ladekapazität: „Diese Technik ermöglicht ganz andere Einsatzszenarien für den ÖPNV in Bamberg als bisher“, sagt Peter Scheuenstuhl.

Um zu analysieren, welche Busse in Frage kommen, haben die Stadtwerke Bamberg eine umfassende Studie zum Einsatz von Elektrobussen auf den sieben Hügeln in Auftrag gegeben. Dabei wurden die Fahrpläne der einzelnen Linien, die Umläufe der Fahrzeuge, die benötigten Busgrößen und örtliche Gegebenheiten wie die Bamberger Topografie oder Durchfahrtshöhen von Unterführungen analysiert und die Energiebedarfe mit der Speicherkapazität der Akkus verglichen: Hierbei hätte in 85 Prozent der Fälle die Batterieleistung nicht für den Tagesbedarf des Busses ausgereicht. Die Akkus hätte tagsüber ein- bis zweimal für mindestens eine Stunde aufgeladen werden müssen. Nur bei acht von 53 Umläufen wären die Busse bis zum Abend ohne Zwischenbetankung ausgekommen.

Anders bei den neuen Feststoff-Akkus, die rund 60 Prozent höhere Kapazität haben: Laut Studie sind mit ihnen nahezu alle Fahrten in Bambergs Linienverkehr elektrisch machbar – nur in sieben von 53 Fällen reicht die Leistung der neuen Batteriegeneration derzeit noch nicht aus. In diesen Fällen sollen vorerst die Hybridbusse zum Einsatz kommen.

Im Bamberger ÖPNV werden jährlich rund 10 Millionen Fahrgäste komfortablen und ökologisch in 63 Fahrzeugen chauffiert. Die Solo- und Gelenkbusse haben eine tägliche Fahrleistung von bis zu 290 Kilometern und waren im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 2,7 Millionen Kilometer unterwegs. Auf dieser Strecke haben sie über 1,1 Millionen Liter Diesel verbraucht.

Bei der Elektromobilität im ÖPNV kooperieren die Stadtwerke Bamberg mit fünf weiteren kleinen und mittleren bayerischen Verkehrsbetrieben aus Aschaffenburg, Bad Reichenhall, Coburg, Landshut und Passau. Mit der Kooperation werden nicht nur Synergien beim Einkauf und bei der Erprobung der Technologie gehoben. Zugleich sollen die Interessen kleiner und mittlerer Verkehrsbetriebe im Bereich der Elektromobilität besser vertreten werden. Scheuenstuhl: „Wir möchten Strategien und Herangehensweisen entwickeln, um die E-Mobilität im ÖPNV auch außerhalb der Ballungsräume auf die Straße zu bringen.“

Mit 580.000 Euro ist ein Elektrobus mehr als doppelt so teuer als ein vergleichbarer Dieselbus (250.000 Euro). Für die ersten sechs E-Busse der Stadtwerke summieren sich diese Mehrkosten auf rund zwei Millionen Euro, die weitestgehend aus Fördermitteln des Bundes und des Freistaats bestritten werden. Zusätzliche Kosten entstehen bei der Schaffung der Ladeinfrastruktur, des Umbaus der Werkstatt sowie der Schulung des Personals.


Artikel Online geschalten von: / holler /