© Alfonso Cerezo auf pixabay
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Ein Leserbrief, der von einer Autozeitung nicht veröffentlicht wurde

Thema: Ausgeatmetes CO2

Leserbrief:
Univ.-Lektor i. R. Mag, Dr. Gernot Neuwirth
ehem. Lehrbeauftragter für Umweltpolitik an der Wirtschaftsuniversität und anderen österreichischen und amerikanischen Universitäten
An die Redaktion von ALLES AUTO bzw. an Herrn Pabeschitz

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Pabeschitz,

Unter Bezug auf Ihre Artikel Stammtisch-Munition bzw. Heldenplatz in ALLES AUTO (November 2019) gebührt Ihnen Dank für die Klarstellung bezüglich des CO2-Anteils an der Atmosphäre, den viele Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung nicht korrekt angeben können, und für den interessanten Vergleich bezüglich des von den Wiener Marathonläufern ausgeatmeten CO2 - über 50 Tonnen gegenüber nur 10 Tonnen aus den Boliden eines Formel 1-Rennens. Deutlicher noch die Ausatmung der gesamten Weltbevölkerung: 8 Gigatonnen jährlich gegenüber nur 4 Gigatonnen Beitrag des Autoverkehrs.

Diese Zahlen sind so einleuchtend, dass man das Argument mit der Atmung inzwischen bereits von Volksschülern hört. Allerdings beruht die Einbeziehung des Atems in die Klima-Diskussion auf einem grundlegenden Missverständnis, das nicht ganz leicht zu durchschauen ist, bei einigem guten Willen aber doch:

Ausgeatmetes CO2 trägt genau Null zur CO2-Anreicherung in der Atmosphäre bei, weil es aus der „Verbrennung“ unserer Nahrung beim Verdauungs-Vorgang stammt. Und diese Nahrung geht letztlich auf Pflanzen zurück (sogar wenn sich jemand nur von Hamburgern und Hot Dogs ernährt – denn die Rinder usw. haben ja auch Pflanzen gefressen, bevor sie Hamburgers und Hot Dogs wurden).

Während wir nun ausatmen, wachsen bereits die neuen Nahrungspflanzen heran und entnehmen für ihren Aufbau aus der Luft genau so viel CO2 wie wir ausgeatmet haben. Der Kohlenstoff-Kreislauf bleibt daher im Gleichgewicht, und das gilt bei Marathonläufen ebenso wie bei jeglicher Zunahme der Weltbevölkerung. Autos (und Kohlekraftwerke, Fabriken usw.) blasen jedoch zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre, was innerhalb von zwei Jahrhunderten bereits zu einem CO2-Anstieg von 0,028% (vor der industriellen Revolution) auf 0,0415% geführt hat. Da die "klassischen" 0,028% CO2 erfreulicherweise die Rückstrahlung der Sonnenenergie ins All jahrtausendelang soweit gedrosselt haben, dass immer genug Wärme übrig blieb, dass die Erde zu keinem Eisplaneten wurde, sondern Leben einigermaßen möglich war, führt der CO2-Zuwachs um bisher ein Drittel natürlich zu immer höherer Wärmerückhaltung und damit letztlich zum Klimakollaps. Unsere Atmung würde dazu nur dann beitragen, wenn wir uns von Kohle oder Erdöl ernähren würden.

Ich würde mir schon erwarten, dass Sie dieses eklatante Missverständnis im Sinne eines redlichen Journalismus aufklären und ersuche Sie, mir mitzuteilen, wann und wo ich Ihre Richtigstellung lesen kann. Bis dahin werde ich mir erlauben, in meinen Vorträgen und Publikationen Ihren Artikel als Musterbeispiel für irreführenden Journalismus zu zitieren, werde aber immer darauf hinweisen, dass es sich nicht um böswillige Tatsachenverdrehung handeln muss, sondern dass Sie möglicherweise selbst Opfer dieser Irreführung waren.

Mit besten Grüßen

-- Gernot Neuwirth


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