© Sasin Tipchai pixabay/ Landwirtschaft in Asien
© Sasin Tipchai pixabay/ Landwirtschaft in Asien

Landwirtschaft in China bietet günstige Potenziale für Klimaschutz

Neuartiger Forschungsansatz filtert Maßnahmen mit besten Nebenwirkungen und geringsten sozialen Kosten heraus. Konzept kann auch für andere Länder Prioritäten aufzeigen.

Berlin - Klimaschutz-Maßnahmen sind vor allem dann politisch relativ leicht umsetzbar, wenn sie erstens zugleich die lokale Luftverschmutzung senken und zweitens wenig negative Wirkung auf Wohlstand und Arbeitsplätze haben. Das ist beim weltgrößten Treibhausgas-Emittenten China vor allem bei Maßnahmen in Zusammenhang mit der Landwirtschaft der Fall – so eine neue Studie unter Mitwirkung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). Die Studie wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Ecological Economics veröffentlicht.

Das Autorenteam wollte zum Beispiel wissen: Was sind letztendlich die Effekte, wenn man bei der Stromerzeugung in der ostchinesischen Provinz Jiangsu weniger Kohle einsetzt? Die Studie beantwortet derartige Fragen auf Basis eines multiregionalen Input-Output-Modells sowie einer sogenannten Elastizitätsanalyse – und entwickelt ein enorm detailreiches Bild der Wirklichkeit mit rund 20 Millionen mathematisch ausgedrückten Wirkungszusammenhängen. Systematisch werden in dieser Modellwelt die attraktivsten Maßnahmen herausgefiltert: zuerst alle relevanten mit Blick auf Klimagas-Emissionen; dann jene, die zudem nennenswertem Nutzen für die Luftqualität bieten; und schließlich solche, die überdies nur geringe negative Folgen für die regionale und nationale Wirtschaftsleistung haben.

Übrig bleiben acht besonders verlockende strukturelle Anpassungen („sweet spots“) – die allesamt direkt oder indirekt die Landwirtschaft betreffen. „Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis, denn sowohl in China als auch in anderen Teilen der Welt bleibt der Agrarsektor in der Klimapolitik bislang weitgehend außen vor“, betont Felix Creutzig, Mitautor der Studie und Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport. „So hat die chinesische Regierung bei ihrem System der Bepreisung von Klimagasen bisher vor allem das wichtigste Klimagas Kohlendioxid und vor allem die Stromwirtschaft im Blick. Unsere Sweet-Spot-Analyse liefert ein Argument dafür, es auch auf andere Klimagase wie Methan und Lachgas sowie auf die Landwirtschaft auszuweiten.“

Der in der Studie entwickelte Forschungsansatz ist erklärtermaßen auch über China hinaus interessant: Er könne helfen, Klimaschutz in Entwicklungsländern voranzubringen. Statt auf die Maßnahmen mit der für sich genommen größten Wirkung auf die Klimagas-Bilanz zielt er auf die Maßnahmen mit der leichtesten politischen Durchsetzbarkeit. „Das Konzept stellt die Bekämpfung des Klimawandels in den Kontext eines umfassenden Verständnisses von menschlichem Wohlergehen“, sagt MCC-Forscher Creuzig und hebt hervor: „Sowohl eine hohe Lebensqualität etwa infolge sauberer Luft als auch anständige Arbeit zählen zu den von den Vereinten Nationen definierten Nachhaltigen Entwicklungszielen.“

Über das MCC

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Unsere sieben Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).



Weitere Informationen:

Liu, L., Liang, Q., Creutzig, F., Ward, H., Zhang, K., 2020, Sweet spots are in the food system: Structural adjustments to co-control regional pollutants and national GHG emissions in China, Ecological Economics
https://authors.elsevier.com/c/1aRWP3Hb~0MKyN


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