© FelixMittermeier - pixabay.com / Bach
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Klimakrise erfordert mehr Ambition im Wasserschutz

WWF fordert mehr Ambition bei Schutz und Sanierung von Flüssen, Naturverträglichkeit beim Erneuerbaren-Ausbau und Vorrang für ökologischen Hochwasserschutz

Anlässlich der Konferenz "Wasser und Klima" des Umweltministeriums präsentiert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich einen Drei-Punkte-Plan für ein klimafittes Wassermanagement der Zukunft. Dazu zählen die Wiederaufstockung des Budgets für ökologische Gewässersanierung mit zumindest 150 Millionen Euro bis 2021, konkrete Naturschutzkriterien für die Förderung des Ausbaus Erneuerbarer Energien sowie ein stärkerer Fokus auf ökologischen Hochwasserschutz mit mehr natürlicher Auslauffläche für Flüsse, um im Hochwasserfall Helferinnen und Helfern an Land wichtige Reaktionszeit zu verschaffen. "Die Folgen der Klimakrise äußern sich besonders stark über Veränderungen des Wasserhaushaltes. Um Wasserkrisen vorzubeugen, muss die neue Bundesregierung die bisherigen politischen Versäumnisse rasch aufholen und den Schutz unserer Wasserressourcen mit einer ausreichenden Finanzierung sicherstellen", sagt Bettina Urbanek, Gewässerschutzexpertin des WWF Österreich. "Intakte Ökosysteme und lebendige Fließgewässer sind unsere größten Helfer im Kampf gegen die Auswirkungen von Klimakrise und Artensterben."

1. Sanierungsoffensive

"Österreichs Flüsse sind relativ sauber aber ökologisch tot. Auch dank der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist es in den letzten 20 Jahren gut gelungen, Verschmutzung und chemische Belastung von Flüssen zu bekämpfen. Größtes Problem in Österreich stellt die starke Verbauung von Flüssen dar. Dadurch wird Süßwasserarten der Lebensraum genommen und das Artensterben beschleunigt", verweist Bettina Urbanek auf den großen Sanierungsbedarf. Laut Umweltministerium sind österreichweit 60 Prozent der Flüsse in keinem guten Zustand und verfehlen damit den Mindeststandard der EU-Wasserrahmenrichtlinie. "Hunderte Sanierungsprojekte warten auf ihre Finanzierung. In dieser Warteschleife hängen ökologisch wichtige Fischaufstiegshilfen, naturnahe Ufergestaltungen oder Revitalisierungen von Gewässern und Auen", so die WWF-Expertin. "Umso wichtiger ist es, dass nun dem einstimmigen Nationalratsbeschluss von Ende September für eine ausreichende Finanzierung auch rasch Taten folgen." Gemäß diesem Entschließungsantrag müsste der Zusagerahmen bis 2021 insgesamt 150 Millionen Euro betragen. Laut WWF Österreich braucht es zusätzlich zu diesem kurzfristigen Notfallplan schon jetzt einen neuen Gewässerschutzplan, der bis 2027 ausfinanziert ist, damit Österreich auch seine EU-Ziele im Wasserschutz erreicht.

2. Naturverträglichkeit garantieren

Um sicherzustellen, dass die Ziele im Klimaschutz auch mit jenen im Naturschutz einhergehen, fordert der WWF Österreich eine Reform der Ökostrom-Subventionen mit entsprechenden Förderkriterien. Diese sollen garantieren, dass künftig nur noch jene Energieprojekte eine Förderung erhalten, die den ökologischen Gewässerzustand nicht verschlechtern, keine Schutzgebiete beeinträchtigen und für den Klimaschutz wirklich maßgeblich sind. Bettina Urbanek: Klare Förderkriterien sollen dabei helfen, die Naturverträglichkeit eines Projektes von vornherein außer Streit zu stellen. Im Zuge eines ökologischen "Bestbieter-Prinzips" können sowohl die wirksamsten als auch die naturverträglichsten Projekte und Technologien unterstützt werden. "Beim Klimaschutz geht es nicht zuletzt darum, den nächsten Generationen eine intakte Umwelt und funktionierende Ökosysteme zu hinterlassen. Daher muss beim dringend benötigten Ausbau der Erneuerbaren auch die Naturverträglichkeit garantiert sein", so Bettina Urbanek.

3. Ökologischer Hochwasserschutz

Pilotprojekte für ökologischen Hochwasserschutz zeigen schon heute ihre Wirksamkeit. Im Falle eines Hochwassers helfen natürliche Überschwemmungsräume, große Schäden zu verhindern, indem sie die Wassermassen abfangen. Gleichzeitig bieten sie bei Niedrigwasser wertvolle ökologische Lebensräume für geschützte Pflanzen und Tiere. Der WWF Österreich fordert auf Bundes- sowie auf Landesebene eine Priorisierung von ökologischen Maßnahmen gegenüber harten Verbauungen. "Im Hochwasserschutz müssen wir wegkommen von rein technischen Lösungen und reaktiven Notfallplänen. Stattdessen muss Flüssen wieder mehr Platz zurückgegeben werden", sagt Gewässerschutzexpertin Urbanek. "Konkret müssen pro Jahr 38 Kilometer Flussstrecke und 100 Hektar Auenlandschaft aufgewertet werden. Zugleich ist die Raumordnung gefragt, um die starke Verbauung auf Flächen entlang großer Flüsse zu stoppen und für den Schutz vor Hochwasser zu sichern."



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Weitere Infos: WWF Österreich

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