© EWS/ Georg Wagener-Lohse, Vorstand Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), René Mono, Bündnis Bürgerenergie, Sebastian Sladek, Vorstandsmitglied EWS, Prof. Jürgen Karl u. Sebastian Kolb - Universität Erlangen-Nürnberg
© EWS/ Georg Wagener-Lohse, Vorstand Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), René Mono, Bündnis Bürgerenergie, Sebastian Sladek, Vorstandsmitglied EWS, Prof. Jürgen Karl u. Sebastian Kolb - Universität Erlangen-Nürnberg

Deutschland: Erneuerbare Energien sparten 70 Milliarden ein

Zubau der Ökoenergien hat dämpfende Wirkung auf Strompreis-Bildung

Erneuerbare Energien bremsen Strompreise, zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Universität Erlangen-Nürnberg. Die von den EWS beauftragte Universitäts-Studie bestätigt, dass der Zubau der Ökoenergien eine dämpfende Wirkung auf die Strompreis-Bildung an der Börse hat. Erneuerbare Energien sorgten für fallende Großhandelspreise und sparten bundesdeutschen Letztverbrauchern im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2018 insgesamt etwa 70 Mrd. Euro ein.

Die Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) rekonstruierten auf Grundlage historischer Preisdaten des «Day-Ahead»-Marktes, welche Preise sich an der Strombörse in den Jahren 2011 bis 2018 ohne die Einspeisung aus Windkraft und Photovoltaik eingestellt hätten. Das FAU-Diskussionspapier belegt, dass die Mehrkosten aufgrund höherer Großhandelspreise die Kosten der EEG-Umlage 2011 bis 2018 insgesamt deutlich überschritten hätten: um 45 Prozent.

Bereits 2015 belegte die Forschergruppe um Prof. Jürgen Karl, dass erneuerbare Energien den bundesdeutschen Letztverbrauchern in den Jahren 2011 bis 2013 rund 30 Mrd. Euro einsparten. Die nun vorliegende Folge-Studie zeigt, dass sich dieser Trend fortsetzte: Windkraft und Solarstrom konnten dank des Merit-Order-Effekts den Börsenstrompreis signifikant senken und den bundesdeutschen Letztverbrauchern in den Jahren 2014 bis 2018 nochmals Mehrkosten von über 40 Mrd. Euro ersparen.

CO2-Zertifikate-Handel ist einflussreicher Faktor

Die Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken, die 2014 und 2015 fertiggestellt wurden, führte zwar zu einer vorübergehenden Trendumkehr. Diese wurde jedoch durch die Stilllegung weiterer Atom- und Kohlekraftwerke mehr als kompensiert. Eine Laufzeitverlängerung der stillgelegten Kraftwerke wäre keine Option gewesen, da die technische und wirtschaftliche Lebensdauer längst überschritten war.

Die Strompreise privater Haushalte steigen seit der Liberalisierung des Strommarktes kontinuierlich an. Dieser Trend manifestierte sich lange bevor die erneuerbaren Energien signifikant zur bundesdeutschen Stromversorgung beitrugen. Als einflussreicher, nicht prognostizierbarer, börsenpreisbestimmender Faktor hat sich der CO2-Zertifikate-Handel erwiesen. Die größten Ausschläge im «Day-Ahead»-Handel korrelieren mit CO2-Preisänderungen.

Mit den Kostentreiber-Mythen aufräumen

Mit einer Änderung im EEG im Jahr 2009 entstand das sogenannte Börsen-Paradoxon: Je tiefer der Strompreis an der Börse fällt, desto schneller wird das seinerzeit angelegte EEG-Konto geleert, desto höher muss die EEG-Umlage werden, um das Konto wieder aufzufüllen. Der o.g. Sündenfall 2009 sowie die massive Ausweitung von Industrieprivilegien im Jahr 2012 erhöhten die Umlage überproportional zur tatsächlichen Förderung der Energiewende. Die Sonderkostenblöcke werden in der öffentlichen Wahrnehmung den erneuerbaren Energien zugeschrieben.

«Das FAU-Diskussionspapier ist daher hilfreich, um mit den Kostentreiber-Mythen aufzuräumen», stellt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Schönau e.G. klar. «Für Menschen, die weder die Kosten noch den Wert der Energiewende kennen, hilft das FAU-Diskussionspapier bei der Einschätzung der Kosten. Der Wert der Energiewende erschließt sich denen, die der Klimawissenschaft zuhören. Das limitierte CO2-Budget, welches in spätestens einer Dekade aufgebraucht ist, lässt ein Weiter-So nicht zu. Auch im Hinblick auf die Folgekosten-Lawine, die der menschengemachte Klimawandel auslöst.»

Der Ausbau der Erneuerbaren muss vervierfacht werden

Mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens verpflichtete sich Deutschland 2015, seinen Teil beizutragen, um die globale Erwärmung möglichst auf 1,5°C zu beschränken. Die vorliegende FAU-Analyse weist nach, dass diese Zusage mit den aktuellen Ausbauzielen für erneuerbare Energien unerreichbar ist. Um den Klimaschutzzielen der Bundesregierung (Reduktion der Treibhausgasemissionen der Energiewirtschaft bis 2030 um die Hälfte gegenüber 2014) zumindest nahezukommen, müsste der Ausbau erneuerbarer Energien vervierfacht werden. Bliebe es bei der mittlerweile manifestierten Stagnation des Ökoenergien-Ausbaus, so würden die kommenden Stilllegungen fossil-nuklearer Kraftwerkskapazitäten das Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht hin zu höheren Börsenpreisen verschieben. Um die daraus zu erwartenden Strompreissteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 im Rahmen zu halten, ist ein massiver und schneller Ausbau der erneuerbaren Energien unabdingbar.

Studie der Universität Erlangen-Nürnberg


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